Pinneberg
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Das plant der Pinneberger Schule-Architekt

So in etwa wird das zur Aula und Mensa umgestaltete ehemalige Schwimmbad der Hans-Clausen-Schule aussehen.

So in etwa wird das zur Aula und Mensa umgestaltete ehemalige Schwimmbad der Hans-Clausen-Schule aussehen.

Foto: Röhr Architekten

Norbert Röhr entwirft Umgestaltung der Hans-Claussen-Schule. Auch an Sanierungen von Pinneberger Förderzentrum beteiligt.

Pinneberg.  Gutes ist von den Pinneberger Schulen selten zu lesen. Die meisten schieben einen Sanierungsstau vor sich her, es herrscht oft Raumnot, und die Digitalisierung wird eher schleppend und in Form von Stückwerk umgesetzt als nach Plan.

Aus Architektensicht sieht das etwas anders aus: Der in Hamburg ansässige Norbert Röhr zählt mit seinem kleinen Büro zu den Sanierern. Für viele Pinneberger Schulen haben er und seine drei Kollegen Lösungen entworfen, die umgesetzt wurden: an der Grund- und Gemeinschaftsschule, der Theodor-Heuss-Schule (THS), als Bauleitung an der Rübekampschule oder als Fassadengestalter des Hanselmann-Förderzentrums. Ihr aktuelles Projekt: Die schrittweise Umgestaltung der Hans-Claussen-Schule (HCS).

Schulen zu bauen, ist etwas anderes als Privathäuser oder Verwaltungsgebäude. Röhr hat am Anfang seines Berufslebens auch private Gebäude entworfen, aber mehr und mehr steht sein Büro für Schulbau. Das bedeutet: Neues wird selten angefordert, eher an- und umgebaut. Weshalb es unabdingbar ist, ästhetische und baupraktische Bezüge zu vorhandenen Gebäuden herzustellen.

In Pinneberg sei das keine Qual, im Gegenteil, betont Norbert Röhr. Die meisten hiesigen Schulen hätten große Grundstücke mit heterogener Bebauung, aber auch „eine hohe architektonische Qualität und eine durchgehende Gestaltung“.

Eines seiner aufwendigsten Projekte ist ein Anbau an die Theodor-Heuss-Schule gewesen; in die aktuelle Sanierung der THS ist Röhr nicht involviert. Bei jeder Aufgabe versuchen die Architekten, „das Gestaltungs-Spektrum so weit aufzumachen wie möglich“. Dennoch sind enge Grenzen gesetzt durch zahlreiche Auflagen, die Budget-Vorgaben, die Gegebenheiten des jeweiligen Grundstücks und der Vorgängerbauten. „Manchmal können wir alte Fehler korrigieren“, sagt Röhr und meint damit zum Beispiel, finstere Ecken verschwinden zu lassen, indem sie einsehbar werden.

Mit der Pinneberger Verwaltung und dem Kommunalen Servicebetrieb Pinneberg (KSP) arbeitet Röhr nach eigener Aussage gut zusammen, auch wenn „unsere Zeit oft sehr knapp ist, um ein Projekt umzusetzen.“ Er habe sich daran gewöhnt, dass aufgrund der in Pinneberg stark eingeschränkten Haushaltsplanungs-Zeiträume „alles in Einzelmaßnahmen“ erfolge, „Gesamtmaßnahmen waren bis jetzt im Haushalt nicht drin.“ Aufträge würden erst im April oder Mai erteilt, dann aber müsse das Geld „in einem kleinen Zeitfenster ausgegeben werden“, und „in den Sommerferien soll alles möglichst schon laufen.“

Ein guter Draht zu den Lehrern, Direktoren und vor allem zu den Hausmeistern sei deshalb die halbe Miete, „die kennen die baulichen Schwachpunkte an ihren Schulen.“

Kein Geld für künstlerische Aktivitäten

Gute Räume für die Bildung: Schnörkellos umschreibt Norbert Röhr das Motto seines Büros. Aber was sind gute Räume? „Man sollte die Architektur nicht überschätzen“, sagt er dazu. Eine Schule solle „einen guten Raum bilden für die Entwicklung von Menschen. Wir versuchen, den Kindern durch unsere Entwürfe Wertschätzung zu signalisieren.“ Von zentraler Bedeutung seien dabei genügend Tageslicht, eine gute Akustik und entsprechende schallschluckende Maßnahmen, gute Belüftung, schöne Farben, genügend Platz und beständige Materialien.

Sehr schön war für Röhr die Zusammenarbeit mit der Pinneberger Künstlerin Gisela Meyer-Hahn, die für die THS ein Farbkonzept entwickelt hatte, das bis heute die Fantasie anregt und die Atmosphäre maßgeblich beeinflusst. Für solche künstlerischen Aktivitäten, die die Sinne noch auf einer anderen Ebene ansprechen, sei aber danach kein Geld mehr eingeplant worden.

Zum Thema Vandalismus sagt Röhr: „Wenn alles vandalismussicher sein soll, haben Sie eine Autobahn-Raststätte. Generell laden marode Schulen zu Aggressionen ein. Ich bin dafür, robuste Oberflächen zu schaffen.“

Tabu sind für ihn alle Wärmedämm-Verbundsysteme, die schon kaputtgehen, wenn ein Ball an die Fassade gekickt wird. Architekt Röhr bevorzugt feste Klinker oder, wie bei der THS, schick gefärbte Eternitplatten, beide „dauerhaft, wartungsfreundlich und langlebig“.

Mehr denn je müssen die schulischen Räume heute für unterschiedliche Nutzungen geeignet sein. Kinder sollen sich darin wohl und möglichst wenig gestresst fühlen – in der Schule wird gelernt, sich bewegt, gespielt, gegessen, sich ausgeruht und Kreativität gelebt. Röhr will dafür sorgen, dass die Kinder sich in ihrer Schule zurechtfinden, weshalb es so wichtig sei, dass die Gebäude in ihrer Gesamtheit betrachtet würden.

Da der Frontalunterricht mehr und mehr durch offenere Formen abgelöst wird, wurden seit den 1970er-Jahren auch die Klassenräume anders gestaltet, es entstanden bis heute sehr beliebte Schulgebäude in Wabenform oder als Kreuzbauten. Die sind aber die Ausnahme, „vom Kasten ist man definitiv nicht weg“, so Röhr.

Büro Röhr baut Schwimmbad zur Aula um

Für die HCS, deren ältestes Gebäude von 1905 stammt und vieles andere aus den 1950er- und 1960er-Jahren, hat sein Büro bereits einen Betreuungsraum gebaut. Derzeit arbeiten Röhr und seine Kollegen daran, das ehemalige Schwimmbad, das seit zehn Jahren nicht mehr genutzt wird, zu überbauen und zu einer multifunktionalen Aula zu verwandeln, die auch als Mensa und Veranstaltungsraum genutzt werden kann.

Doch schon tun sich neue Dinge am Horizont auf, wo die Gestalter gefragt sind: Die Digitalisierung verändert Raumkonzepte, den Einsatz von Tageslicht, Blenden, Abstand und anderem. Auch das will gut geplant sein.

Text geändert am 20. Februar 2019