Pinneberg
Pferdesport

42 Züchter misstrauen Verbandsvorstand

Ein Pferd schaut aus dem Klappfenster seines Stalles heraus (Symbolbild).

Ein Pferd schaut aus dem Klappfenster seines Stalles heraus (Symbolbild).

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Streit um Provisionsforderungen: Sitzung des Holsteiner Verbands in Haselau verläuft emotional. Mehr Transparenz gefordert.

Elmshorn/Haselau.  Die schwere Krise beim Holsteiner Verband hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Auf der Versammlung des Körbezirks Pinneberg in Haselau haben die Pferdezüchter dem Vorstand des Holsteiner Verbandes das Vertrauen entzogen. Nach einer emotionalen Debatte antworteten 42 Mitglieder auf die Frage „Sprechen Sie dem Vorstand weiterhin das Vertrauen aus?“ in geheimer Wahl mit „Nein“, lediglich 29 stimmten mit „Ja“ ¬– ein Paukenschlag. Juristisch hat das Votum der 71 Pferdezüchter in der Vertrauensfrage keine Folgen; der Vorstand kann zunächst weiter im Amt bleiben. „Es ist aber ein klares Signal“, sagte Pferdezüchter Jan Lüneburg dem Hamburger Abendblatt.

„Nicht nur für den Vorstand, sondern auch für die kommenden Mitgliederversammlung der sieben anderen Körbezirke.“ Zuvor hatte der Hetlinger den Vorstand auf der Mitgliederversammlung heftig kritisiert.

Auslöser des Eklats sind Provisionszahlungen , die die damaligen Vorstandsmitglieder Christian Dietz (54) und Günther Friemel (50) für sich in Anspruch genommen haben sollen. Pferdezüchter berichten: Dietz habe behauptet, für die Holsteiner Elite-Pferde-Auktion am 3. November in Neumünster Kunden aus Südafrika akquiriert zu haben. Er habe fünf Prozent des Verkaufspreises als Provision gefordert und mit Friemel teilen wollen.

Unstrittig ist mittlerweile, dass Dietz die Provision einforderte und der Vorstand dies auch abnickte. Friemel sagte, er habe mit der Sache nichts zu tun, es müsse sich um ein Missverständnis handeln. Was viele Verbandsmitglieder empört: Sie werfen Dietz vor, sein Ehrenamt mit geschäftlichen Interessen verquickt zu haben. Bei Friemel komme aus ihrer Sicht hinzu, dass er auch vereidigter Auktionator der Veranstaltung war und damit zu Neutralität verpflichtet.

Verband zieht erst jetzt Konsequenzen

Ove Asmussen, Verkaufsleiter der Vermarktungs-GmbH des Holsteiner Verbandes, wollte die Provisionsansprüche nicht mittragen und machte den Vorgang öffentlich. Die Folge: Der Verband kündigte Asmussen fristlos.

Asmussen und Auktionsbeschicker Reimer Hennings bestätigten die Provisionsforderungen von Dietz und Friemel in eidesstattlichen Erklärungen. Die beiden Vorstände traten zurück; Dietz verzichtete auf seine Forderung, der Verband unter Vorsitz von Thies Beuck (57) zog Konsequenzen. Er trennte sich von Friemel; die Zusammenarbeit mit Dietz ist ausgesetzt.

Dieser hat bisher über seine Agentur „Dietz & Consorten“ seit mehr als 20 Jahren dreimal pro Jahr die Auktionskataloge konzipiert und gestaltet. Wie viel Geld er dafür bekam, konnte der hauptberufliche Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Beuck in Haselau nicht beziffern. Auf hartnäckige Nachfragen sagte er, dass es im Jahr deutlich mehr als 50.000 Euro gewesen seien.

„Gerade Ehrenamtler müssen einen hohen moralischen Anspruch haben; sie müssen besser sein als der Rest der Welt“, kritisierte Jan Lüneburg, der von 2008 bis 2015 Vorstandsvorsitzender war, und im Zuge des Streits um Dietz und Friemel von seinem jetzigen Vorstandsposten zurückgetreten war. „Es geht auch um meine persönliche Integrität.“ Thies Beuck räumte ein „dass Fehler gemacht wurden“. Bei Ehrenämtlern dürfe es „nicht einmal einen Hauch von Befangenheit geben“.

Derbysieger Sören von Rönne aus Neuendeich, der wie andere Züchter seine Verbandsmitgliedschaft gekündigt und seine Zuchtstuten zurückgezogen hatte, machte seinem Ärger Luft. „Sie haben versucht, das große Thema zu verschweigen“, sagte von Rönne an Thies Beuck gerichtet. „Der Vorstand hat unser Vertrauen verspielt. In meinen Augen gibt es nur einen Weg. Der Vorstand muss neu geordnet werden.“

Züchterin Nicole Ringel aus Wedel empörte sich: „Sie haben Dietz und Friemel viel zu lange in Schutz genommen.“ Sie beantragte die Vertrauensfrage und forderte mehr Mit­spracherecht für die Mitglieder.

Thies Beuck erkennt Ergebnis als Signal

„Bei der Informationspolitik haben wir Fehler gemacht“, sagte Thies Beuck dem Hamburger Abendblatt. Die Debatte in Haselau sei sehr emotional gewesen. „Wir brauchen mehr Transparenz. Das Abstimmungsergebnis der Vertrauensfrage war mathematisch ein klares Signal.“ Über Abwahl und Neuwahl des Vorstandes kann ausschließlich die Delegiertenversammlung des Holsteiner Verbandes entscheiden.