Pinneberg
Elmshorn

Holsteiner Verband trennt sich von Auktionator

Der Holsteiner Verband trennt sich von seinem Auktionator Günther Friemel (am Pult), auch die Zusammenarbeit mit Christian Dietz (blauer Pullover) wird ausgesetzt.  

Der Holsteiner Verband trennt sich von seinem Auktionator Günther Friemel (am Pult), auch die Zusammenarbeit mit Christian Dietz (blauer Pullover) wird ausgesetzt.  

Foto: Melanie Mallon

Günther Friemel trat im Streit um Provisionsforderungen aus Vorstand zurück. Zusammenarbeit mit Christian Dietz ausgesetzt.

Elmshorn.  Im Streit um Provisionsforderungen (wir berichteten) hat der Holsteiner Verband nach einwöchigem Schweigen jetzt die ersten personellen Konsequenzen gezogen. Die bereits zurückgetretenen Vorstandsmitglieder Christian Dietz (54) und Günther Friemel (50) werden nicht mehr mit Tätigkeiten für den Verband Geld verdienen können. Das hat der Vorstand unter Leitung des Ersten Vorsitzenden Thies Beuck (57) beschlossen.

„Dr. Günther Friemel wird nicht mehr als Auktionator für den Holsteiner Verband tätig sein“, sagt Verbandssprecherin Donata von Preußen. „Die langjährige Zusammenarbeit mit Christian Dietz wird ausgesetzt, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, gegebenenfalls auch juristisch, vollständig aufgeklärt sind.“ Friemel verdiente mit der Versteigerung von Pferden für den Holsteiner Verband Geld; er bekommt nach eigenen Angaben einen kleinen Teil der Gesamtauktionssumme. Dietz hat bisher über seine Agentur „Dietz & Consorten“ seit mehr als 20 Jahren dreimal pro Jahr die Auktionskataloge konzipiert und gestaltet und ist dafür nach eigenen Angaben bezahlt worden.

Provisionen sind in der Branche durchaus üblich

Außerdem vertreibt Dietz einen von ihm und seiner Frau Tanja entwickelten Futterzusatz unter dem Namen „Equine 74“. Er soll die stressbedingte Magensäure bei Pferden puffern. Im Internet wird eine Vier-Monats-Packung „Equine 74“ für 225 Euro angeboten. „Das Futterergänzungsmittel werden wir nicht mehr bestellen. Da gibt es gute Alternativen“, sagt ein Züchter aus dem Kreis Pinneberg gegenüber dieser Zeitung. Etliche andere Züchter wollen sich nach Abendblatt-Informationen dem Boykott anschließen.

Auslöser des Eklats sind Provisionsforderungen, die Dietz und Friemel für sich in Anspruch genommen haben sollen. Wie berichtet, haben Insider gegenüber dem Abendblatt gesagt: Dietz habe für die Holsteiner Elite-Pferde-Auktion am 3. November in Neumünster Kunden aus Südafrika akquiriert. Er habe fünf Prozent des Verkaufspreises als Provision gefordert und sich mit Friemel teilen wollen. Provisionen sind in der Branche durchaus üblich. Doch etliche Verbandsmitglieder sind empört: Sie werfen Dietz vor, sein Ehrenamt mit geschäftlichen Interessen verquickt zu haben. Bei Friemel kommt aus ihrer Sicht hinzu, dass er auch vereidigter Auktionator der Veranstaltung war. „Der wird als Auktionator fürstlich entlohnt“, sagt ein Verbandsmitglied gegenüber dem Abendblatt und meint: „Für die Auktion in Neumünster mit mehr als zwei Millionen Euro Umsatz kommt da ein fünfstelliges Honorar zusammen.“

Verbandssprecherin Donata von Preußen bestätigt jetzt offiziell die Provisionsforderungen von Dietz. „Er fragte an, ob er für den Hengst- beziehungsweise Reitpferdeeinkauf für die von ihm akquirierten Kunden aus Südafrika nach den Bedingungen der Holsteiner Vermarktungs- und Auktions GmbH Provision erhalten könne“, sagt von Preußen. Und weiter: „Vor dem Hintergrund der vorangegangenen Auktionen, bei denen es an ausländischen Kunden mangelte, und nach Prüfung durch die Geschäftsführung der Vermarktungs GmbH, ob es sich um Neukunden handelt sowie nach rechtlicher Prüfung durch den Verbandsjustiziar wurde das vom Verbandsvorsitzenden Thies Beuck bejaht. Einer der Kunden, ein in Deutschland lebender Südafrikaner, hatte zwar bereits im Land, unter anderem auch beim Verband, gekauft, war aber noch nicht auf einer unserer Auktionen als Käufer aufgetreten. Für diesen Kunden meldete Dietz einen weiteren Provisionsantrag an, dessen Überprüfung allerdings noch ausstand. Dieser Kunde kaufte zwei Pferde. Weitere vier Pferde wurden an die südafrikanischen Kunden (die angereisten, Anm. d. Red.) verkauft.“

Züchter kündigten ihre Mitgliedschaft

Nachdem Verkaufsleiter Ove Asmussen an die Öffentlichkeit getreten war, wurde ihm fristlos gekündigt. Mehrere Pferdezüchter wie Derbysieger Sören von Rönne aus Neuendeich haben ihre Mitgliedschaft aus Protest gekündigt oder lassen sie ruhen; ihre Stuten und Hengste stehen dem Verband nicht mehr für die Zucht zur Verfügung. Auch Vorstandsmitglied Jan Lüneburg aus Hetlingen erklärte seinen Rücktritt.

Wie berichtet, hatten Asmussen und Auktionsbeschicker Reimer Hennings die Provisionsforderungen von Dietz und Friemel in eidesstattlichen Erklärungen bestätigt. Friemel habe behauptet, generell keine Provisionen bei Auktionsverkäufen zu fordern, die über die offiziellen Gebühren hinausgehen. Er habe gesagt: „Es muss sich um ein Missverständnis handeln.“ Dietz hat unterdessen auf seine Forderung verzichtet.