Pinneberg
Agenda 2019

Schenefeld stellt die Weichen für die Zukunft

Stadtplaner Ulf Dallmann plant den neuen Stadtkern.

Stadtplaner Ulf Dallmann plant den neuen Stadtkern.

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Siegerentwurf für neuen Stadtkern muss massenkompatibel gemacht werden. Architektenwettbewerb soll Entwürfe fürs Schulzentrum liefern.

Schenefeld.  Was passiert 2019 bei den Bürgern vor ihrer Haustür? In einer zehnteiligen Serie berichtet das Abendblatt über Projekte und Vorhaben in den Städten unenefeldd Gemeinden. Heute, in der letzten Folge, geht es um die Stadt Schenefeld, für die 2019 ein wichtiges Jahr ist. Der Siegerentwurf für den neuen Stadtkern, der Ende 2018 gekürt wurde und auf massive Kritik stieß, muss massenkompatibel gemacht werden. Und parallel soll ein Architektenwettbewerb Entwürfe für das Schulzentrum der Zukunft liefern. Aufgaben, die viel Zeit und Arbeitskraft im Rathaus binden – und deren Finanzierbarkeit noch zu prüfen ist.

Stadtentwicklung: Nur fünf Arbeitsgemeinschaften hatten sich voriges Jahr an dem städtebaulichen Wettbewerb für den neuen Stadtkern beteiligt. Die Resonanz war enttäuschend – und das Echo auf den Siegerentwurf von Bernd Müller und Kerstin Liesecke aus Hannover vernichtend. Und das nach einer ersten Nachbesserung der Pläne. Seit Dezember sind alle Entwürfe im Rathaus ausgestellt. Der Siegerentwurf wird 2019 in einen Rahmenplan einfließen. Es geht etwa um die Höhe der neuen Gebäude, um die Dichte der Bebauung, die Breite der Straßen und die Frage der Stellplätze. „Daraus soll sich zum Jahresende ein Bebauungsplan ergeben“, sagt Stadtplaner Ulf Dallmann. Dazu werde die Stadt parallel einen hochbaulichen Wettbewerb für das neue Bürgerzentrum starten, das im Stadtkern städtische Dienstleistungen wie Bürgerbüro, Bücherei und Volkshochschule bündeln soll.

Vorher muss laut Dallmann die Standortfrage geklärt werden. Die Stadt benötige zwei Grundstücke gegenüber dem Rathaus, die derzeit mit älteren Wohnhäusern bebaut sind. „Die Gespräche mit den Eigentümern laufen derzeit.“ Sollte das nicht klappen, gebe es einen alternativen Standort. „Wir werden uns auch erste Gedanken zum Raumprogramm für das Bürgerzentrum machen.“ Auch eine Beteiligung der Bürger ist laut Dallmann geplant. Sowohl zum Rahmenplan als auch zum Bürgerzentrum können sich die Schenefelder äußern. Die Termine dazu stehen allerdings noch nicht fest.

Mensabau: Eigentlich sollte der Anbau an die Gorch-Fock-Schule, der eine Mensa sowie Räume für die nachschulische Betreuung enthalten wird, bereits nach den Sommerferien 2018 fertiggestellt sein. Die Arbeiten haben jedoch noch nicht einmal begonnen. Das wird sich 2019 ändern. „Der Baubeginn ist auf den 4. März festgelegt“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Andreas Bothing. Die ersten Aufträge für Rohbau, Dachdecker und Zimmermann seien bereits erteilt. „Weitere Ausschreibungen folgen in Kürze“, sagt Bothing. Die Arbeiten sollen möglichst im Frühjahr 2020, jedoch spätestens im Sommer des Jahres abgeschlossen sein. Aktuell geht die Stadt von Kosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro aus. Ob es dabei bleibt, ist jedoch unklar.

Sanierung Klassenräume: 21 Klassenräume an den vier Schulen der Stadt wurden im Jahr 2018 saniert. Die Vorgaben, in den beiden Grundschulen alle Unterrichtszimmer bis 2019 und in der Gemeinschaftsschule sowie im Gymnasium bis 2020 „aufgehübscht“ zu haben, gelten inzwischen nicht mehr. In diesem Jahr werden lediglich in der Grundschule Altgemeinde für 180.000 Euro drei Räume angepackt. Damit ist diese Schule fertig. An der Gorch-Fock-Schule wird diese Maßnahme 2019 ausgesetzt, da bereits der Anbau zu Beeinträchtigungen führen wird. Im Schulzentrum wiederum wird auf die Sanierung verzichtet, da derzeit das Raumprogramm überarbeitet wird.

Sanierung Schulzentrum: Im ersten Quartal startet ein Architektenwettbewerb. Der Siegerentwurf soll im Spätherbst vorliegen. Dann steht fest, wie das Schulzentrum der Zukunft aussehen soll. Teile des Altbestands sollen erhalten und saniert, andere abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Vor Beginn des Wettbewerbs werden sich das mit der Projektsteuerung beauftragte Büro und die Verwaltungsspitze noch einmal mit den Leitern von Gymnasium und Gemeinschaftsschule treffen, um das Raumprogramm zu überarbeiten. „2020 wird das Büro, das den Wettbewerb gewinnt, den Siegerentwurf konkretisieren“, sagt Bothing. Dann könne noch im nächsten Jahr der Bauantrag gestellt werden. Mit ersten Bautätigkeiten rechne er erst 2021.

Bauprojekt Kiebitzweg: Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände neben dem Stadtzentrum will die Lukas Bauprojekt GmbH das Kiebitzweg-Quartier errichten. Für 40 Millionen Euro sollen 3300 Quadratmeter Gewerbefläche im vorderen Bereich und dahinter vier Mehrfamilienhäuser mit etwa 100 Wohneinheiten entstehen, davon ein Teil öffentlich gefördert. So weit die Theorie. In der Praxis sind sich Stadt und Bauträger nach wie vor uneins. Ein erster Streit entzündete sich daran, dass die Fläche in das Sanierungsgebiet für den neuen Stadtkern aufgenommen wurde. Erschwert wird die Situation dadurch, dass der Siegerentwurf für den Stadtkern auf dem Lukas-Areal ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt vorsieht, das deutlich von den Vorstellungen des Investors abweicht. Der hat sich jedoch kürzlich bei der Stadt gemeldet und möchte den städtebaulichen Vertrag für sein Konzept abschließen. Ein Gesprächstermin im Februar steht. Ob 2019 mit dem Projekt begonnen werden kann, bleibt bis dahin unklar.

Ehemaliger Spar-Parkplatz: 2015 hat die Stadt den ehemaligen Parkplatz der Spar-Zentrale am Osterbrooksweg für 1,9 Millionen Euro erworben. Weil unter der Fläche eine alte Mülldeponie liegt, ist die Vermarktung nicht einfach. Ursprünglich wollte die Stadt das Areal an die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) weiterreichen, die eine Fläche für einen neuen Betriebshof für Elektrobusse suchen. Doch die VHH sagten aufgrund der Altlastenproblematik ab. Jetzt sollen dazu weitere Untersuchungen folgen. Parallel wird ein Bebauungsplan entwickelt, der eine Ansiedlung mehrerer kleinerer Firmen auf der Fläche ermöglichen soll.

VHH-Projekt: Nach der Absage an die Stadt, auf dem Parkplatz der ehemaligen Spar-Zentrale zu bauen, haben die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) das Grundstück der im August 2017 durch ein Großfeuer zerstörten Sportwelt Schenefeld gekauft. Auf der Fläche zwischen Blankeneser Chaussee, Holzkoppel und Osterbrooksweg soll ein Teil des neuen Betriebshofs gebaut werden, der andere Teil soll durch eine komplette Neustrukturierung des bisherigen Betriebshofs am Osterbrooksweg entstehen. Gegen das Vorhaben an dieser Stelle sperrt sich die Stadt, die im Dezember eine Veränderungssperre für das Areal erlassen hat. Während sie gilt, soll eine B-Plan-Änderung entwickelt werden, die einen Technologiepark auf der ehemaligen Sportwelt-Fläche vorschreibt. Auf dieser Basis dürfte das Kreis-Bauamt, dem bereits der Bauantrag der VHH vorliegt, diesen zurückweisen. Die VHH könnten gegen diese Entscheidung und auch gegen das Vorgehen der Stadt klagen. Ob das passiert, entscheidet sich im ersten Quartal. Ein Rechtsstreit könnte dauern. Dabei drängt für das Verkehrsunternehmen die Zeit. Der neue Betriebshof für Elektrobusse muss eigentlich schon im Jahr 2020 fertig sein. Die Stadt ist laut Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) „für Gespräche mit den VHH offen“ – jedoch nur, was das Grundstück des ehemaligen Spar-Parkplatzes angeht.

European XFEL: Auf dem Forschungsgelände European XFEL an der Holzkoppel werden eine Kantine und ein Gästehaus gebaut. Das eingeschossige Kantinengebäude mit 150 Plätzen entsteht im vorderen Bereich des Campus. Das Gästehaus mit 50 bis 60 Zimmern wird im südlichen Teil des Campus’ gebaut. Beides sollte bereits 2018 errichtet werden. Laut Mitteilung von XFEL wird in diesem Jahr definitiv mit den Bauvorhaben begonnen.

Untergeschoss Sporthalle: Nach der Absage der Spielvereinigung Blau-Weiß 96, die im verwaisten Untergeschoss der Sporthalle Achter de Weiden eigentlich ein Sport- und Fitnesszentrum der Superlative errichten wollte, steht die riesige Fläche auch zu Beginn des Jahres leer. Ob die Stadt die Fläche inklusive des einstmals beliebten Festsaals wieder selbst reaktiviert oder die Räumlichkeiten den Schulen des benachbarten Schulzentrums an die Hand gegeben werden, soll in diesem Jahr entschieden werden.

Gründung Stadtwerke: 160.000 Euro stehen im Haushalt der Stadt bereit, um die Gründung eines eigenen Stadtwerks vorzubereiten. 2019 soll der Prozess Fahrt aufnehmen. Die zweite Stufe einer Machbarkeitsstudie soll einen Fahrplan liefern, wie das Ziel gemeinsam mit einem externen Partner erreicht werden kann. Dafür muss die Stadt jedoch Know-how von außen einkaufen.

Fama-Projekt: Im Eckbereich Kiebitzweg/Buchsbaumweg/Ebenholzweg soll ein Seniorenwohnpark errichtet werden, der an das Fama in Lurup angegliedert werden soll. Die Politik hat 2018 die grundsätzliche Bereitschaft erklärt, dass Investor Arnold von Mallesch ein solches Vorhaben auf dem brachliegenden, 4000 Quadratmeter großen Grundstück realisieren kann. 2019 muss der dafür erforderliche vorhabenbezogene Bebauungsplan aufgestellt werden. Das bedeutet viel Arbeit, denn die ersten Entwürfe eines viergeschossigen Gebäudes nebst Tiefgarage stießen bei den Anliegern auf scharfe Proteste.

Verkauf städtischer Immobilien: Die Stadt will sich 2019 von ihrem kommunalen Wohnungsbestand trennen. Gesucht wird eine Genossenschaft, die die älteren Immobilien Hauptstraße 40a–c, Königsberger Straße 45–56a, Kreuzweg 18, Moorweg 37–41 und Heisterweg 2 erwirbt und den Bestand saniert oder ausbaut.

Das wurde aus den Projekten der Agenda 2018:

Der Anbau an die Kita Lindenallee, der 20 Krippenkindern Platz bietet, wurde eingeweiht. Mangels Personal verzögerte sich jedoch die Einrichtung einer neuen Krippengruppe. Die Trägerschaft der Kita, die auch unter dem Namen „Das bunte Baumhaus“ bekannt ist, ging von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) über. Die Awo hatte den Vertag über die Trägerschaft Ende 2017 gekündigt, der ASB war in einem Interessenbekundungsverfahren als neuer Träger ausgesucht worden.

Die Brandruine der RCS Sportwelt Schenefeld wurde bis März komplett abgerissen. Zurück blieb nur eine große Sandfläche. Der von vielen Sportlern erhoffte Neubau der beliebten Sportstätte blieb jedoch aus. Im August verkaufte die Besitzerfamilie das Grundstück an die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), die dort einen Teil ihres Busbetriebshofs ansiedeln will. Dagegen sperrt sich aber die Stadt.

An der Grundschule Altgemeinde an der Blankeneser Chaussee konnte der Umbau des ehemaligen Volkshochschultraktes abgeschlossen werden. Entstanden sind eine Mensa im Erdgeschoss und mehrere Bewegungsräume im Obergeschoss. Damit schließt sich ein Kreis, schließlich wurde diese Fläche einst von einer Sonderschule und danach von der Schülerschule genutzt. Das parallel geplante Projekt an der Gorch-Fock-Schule musste dagegen auf 2019 verschoben werden.

Verschoben wurden auch das Lukas-Bauprojekt am Kiebitzweg und der Bau von Kantine und Gästehaus auf dem XFEL-Forschungscampus. Der städtebauliche Wettbewerb für den neuen Stadtkern wurde abgeschlossen. Der im Herbst ausgewählte Siegerentwurf ist nicht jedermanns Sache.

Die 21 Klassenräume, die 2018 an den vier Schulen der Stadt saniert werden sollten, wurden auch tatsächlich auf den neuesten Stand gebracht. 2019 werden nur noch an einer Schule Räume für Schüler saniert.