Pinneberg
Elmshorn

Lehrlinge bauen riesen Knusperhäuschen

Bernd Schauerte, Lehrkraft Berufliche Schule des Kreises Pinneberg, in Elmshorn überwacht den Aufbau des Knusperhäuschens. 

Bernd Schauerte, Lehrkraft Berufliche Schule des Kreises Pinneberg, in Elmshorn überwacht den Aufbau des Knusperhäuschens. 

Foto: Anne Dewitz

Bäcker-Nachwuchs der Beruflichen Schule in Elmshorn zeigt sein Können. Am 20. Dezember darf am Häuschen geknuspert werden.

Elmshorn.  Selten war Baumaterial so verführerisch: bunte Zuckerperlen, Mandeln, Baiser, verschiedenes Teegebäck, eingefärbter weißer Mohn, Belegkirschen, Gummibärchen. Als Mörtel für das Häuschen dient Zuckerguss. Doch von den fleißigen Bäckerlehrlingen erliegt niemand der Versuchung. Konzentriert setzen sie die Spritztüte an und bringen die Verzierungen an den Wänden aus Lebkuchen an.

Am Dienstag haben 20 Bäckerlehrlinge und Bäckerwerker der Beruflichen Schule in der Geschäftsstelle der Volksbank an der Königstraße in Elmshorn ein begehbares Knusperhaus zusammengesetzt. Für das 2,5 Meter hohe Gebäude – es ist so groß, dass ein Erwachsener bequem darin stehen kann – werden etwa 300 Kilogramm Leb- und Honigkuchenteig benötigt.

Seit Tagen sind die Auszubildenden im zweiten Lehrjahr damit beschäftigt, die einzelnen Lebkuchenplatten auszumessen und zuzuschneiden. Insgesamt sind an den Seitenwänden 150 Lebkuchenplatten mit einem Gewicht von je 570 Gramm verbaut worden. Dabei ist jede einzelne Platte ein Unikat. Bei der Verzierung erhielten die angehenden Bäcker Unterstützung von den beiden Klassen der Bäckereifachverkäufer im ersten Ausbildungsjahr. Die Vielfältigkeit der Vorerfahrungen, aber auch der zahlreichen Herkunftsländer der Schüler zeigen sich in der Kreativität und den besonderen Herstellungstechniken.

Damit beim Zusammenbau nichts schiefgeht, ist jede einzelne Platte nummeriert. Das sieben Quadratmeter große Dach wird in „Fertigbauweise“ gefertigt. Die mehr als 550 Honigkuchenziegel wurden bereits in der Berufsschule auf die Unterkonstruktion aus Holz geklebt und dann verziert. Das spart Zeit am Aufbautag. Insgesamt kommen mehr als 250 Arbeitsstunden zusammen.

Am Bau des Knusperhäuschen beteiligt sind 20 Bäckerlehrlinge und Bäckerwerker, 40 Bäckereifachverkäufer und fünf Lehrkräfte. Finanzielle Unterstützung kommt von der Volksbank Pinneberg-Elmshorn, der Bäckerinnung Nord, vertreten durch den Obermeister Jörn Dwenger, und vom Förderverein der Beruflichen Schule Elmshorn.

Begüm Bulut (18), Fachverkäuferin im ersten Lehrjahr, und Bäckerlehrling Tsira Mazanishviei (27), zweites Lehrjahr, tackern einen roten Samtvorhang innen im Häuschen an. Später soll auch noch eine Lampe angebracht werden. Die Hexe, die hier wohnt, möchte sich wohl beim Lesen nicht die Augen verderben. Während Begüm Bulut aus Glückstadt besonders der Kontakt mit den Kunden Freude macht, träumt Tsira Mazanishviei aus Pinneberg von einer eigenen Bäckerei. „Meine Mutter ist auch Bäckerin. Ein Familienbetrieb wäre mein Traum“, sagt sie. Das frühe Aufstehen stört sie nicht. „Dafür habe ich früher Feierabend.“

Außen arbeiten Denise Kampe (19) und Christin Merten (20) an der Verzierung. Beide sind im dritten Lehrjahr zum Bäckerwerker. „Ich liebe Backen“, begründet Christin Mertens ihre Berufswahl. Ihre Kollegin pflichtet ihr bei: „Das Besondere an der Arbeit sind die Produkte selbst, die Vielfalt an Kuchen, Keksen und Torten.“

Mit der Aktion, die vor 25 Jahren zum ersten Mal im Modehaus Ramelow in Elmshorn stattfand, möchte die Branche für sich werben und auch den Nachwuchs für sich begeistern. Denn auch hier ist der Fachkräftemangel spürbar.

Dabei hat sich das Bäckerhandwerk gewandelt. „Technik erleichtert die Arbeit. Niemand schleppt mehr schwere Mehlsäcke“, sagt Bernd Schauerte. Daher ist es auch längst keine Männerdomäne mehr. Und mit einem Vorurteil räumt er noch auf. Nicht immer müssen Bäcker schon morgens um drei Uhr in der Backstube stehen. „Es gibt auch Bäckereien, die in zwei Schichten arbeiten“, sagt Bernd Schauerte. Dann beginne die Schicht erst um 8 Uhr. So oder so, den Schülern scheint der frühe Arbeitsbeginn nichts auszumachen. Sie kamen freiwillig schon um 3 Uhr, als es darum ging, die ersten Wandplatten, Dachziegel und Gehwegplatten sowie die Baisers und das Teegebäck zur Verzierung zu backen. „Die Zeit haben sie sich selbst so ausgesucht“, sagt der Lehrer.

Das Knusperhaus wird abwechselnd im Kreis Steinburg und Kreis Pinneberg aufgebaut und dann immer an unterschiedlichen Plätzen. Bereits vor elf Jahren stand das Haus in der Volksbank. Daraus hat sich ein Knusperhauswettbewerb entwickelt. „Es ist toll zu sehen, dass solch ein Projekt es schafft, die Begeisterung am Backen zu wecken“, sagt Bernd Schauerte. Er ist mit seinen Auszubildenden – darunter viele Flüchtlinge – sehr zufrieden. „Der projektorientierte Unterricht stärkt durch seinen hohen Praxisanteil nicht nur den Zusammenhalt innerhalb des Klassenverbunds, sondern zeigt auch die Vielfältigkeit des Bäckerhandwerks.“

Am Ende des Arbeitstages werden dann noch einige Kilogramm Puderzucker verstreut. Das Hexenhaus wird bis zum 20. Dezember stehen bleiben und darf danach offiziell abgeknuspert werden.