Pinneberg
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Warum die Volksbank schon wieder fusioniert

Wollen gemeinsam stärker werden: die Volksbank-Vorstände Stefan Witt (v.l.) und Uwe Augustin sowie die Raiffeisenbank-Vorstände Andreas Jeske und Ingmar Kampling.

Wollen gemeinsam stärker werden: die Volksbank-Vorstände Stefan Witt (v.l.) und Uwe Augustin sowie die Raiffeisenbank-Vorstände Andreas Jeske und Ingmar Kampling.

Foto: Burkhard Fuchs

Die Banken Pinneberg-Elmshorn und Bad Bramstedt-Henstedt-Ulzburg werden zur zweitgrößten Genossenschaftsbank im Land.

Pinneberg.  Die Volksbank Pinneberg-Elmshorn fusioniert mit der Raiffeisenbank Bad Bramstedt-Henstedt-Ulzburg. Sitz der dann mit knapp 500 Mitarbeitern und 2,7 Milliarden Euro Bilanzsumme zweitgrößten Genossenschaftsbank Schleswig-Holsteins wird Pinneberg sein, erklärten am Donnerstag die Vorstände der jeweiligen Banken, die auch den neuen, gleichberechtigten Vierer-Vorstand bilden werden. Es sei ein Zusammenschluss „aus einer Position der Stärke heraus“. Personalabbau und Filialschließungen seien nicht geplant. Die Vertreterversammlungen beider Häuser müssen der Fusion noch jeweils mit Dreiviertel-Mehrheit zustimmen. Dies soll im Juni nächsten Jahres rückwirkend zum 1. Januar 2019 geschehen.

Weder Filialschließungen noch Jobabbau geplant

Eine erste Veränderung der neuen Genossenschaftsbank, die sich noch einen neuen Namen geben will, zeigte sich bei der Kleiderordnung. Die beiden Volksbank-Vorstände Stefan Witt und Uwe Augustin hatten sich beim Pressetermin eine blau-weiß-schwarze Krawatte umgebunden. Erst vor wenigen Jahren hatten sie die Schlips-Mode aller männlichen Mitarbeiter für beendet erklärt. „Das haben wir uns heute gewünscht“, erklärte der neue Vorstandspartner Andreas Jeske von der Raiffeisenbank Bad Bramstedt. „Bei uns herrscht noch Krawattenzwang.“

Zusammen verwalten beide Kreditinstitute mehr als 30 Geschäftsstellen, die von Wilster bis Norderstedt und von Brokstedt und Schmalfeld bis Wakendorf II reichen und in den Kreisen Steinburg, Pinneberg und Segeberg liegen. Damit decke die neue Bank, die sich analog zur größten Genossenschaftsbank im Land in Flensburg VR-Bank-Süd nennen könnte, das Geschäftsgebiet zwischen den Autobahnen 7 und 23 ab. Uwe Augustin: „Wir versorgen einen Bereich, in dem eine halbe Million Menschen leben, mit der Lage-Gunst im Herzen der Metropolregion Hamburg.“

Zwar betonten die Fusions-Macher, die diesen Schritt seit März vorbereiten, dass beide Häuser gut aufgestellt und ertragsreich arbeiteten. Aber auf Augenhöhe erfolgt der Zusammenschluss von der Größe her nicht. Die Volksbank Pinneberg-Elmshorn ist bei allen Kennzahlen drei- bis fünfmal größer als die eher im ländlichen Raum verhaftete Raiffeisenbank Bad Bramstedt-Henstedt-Ulzburg. Sie bringt mit 43.000 Mitgliedern, 94.000 Kunden und 215.000 Konten viermal so viele in die Ehe wie die Raiffeisenbank. Bei den Depots, die zusammen künftig 6350 betragen, ist der Faktor sogar fünf zu eins. Nur bei den Geschäftsstellen (18 zu zwölf) und SB-Standorten (neun zu fünf) ist der Größenunterschied geringer. Das liegt auch daran, dass die Volksbank erst im vorigen Jahr sechs Filialen dicht gemacht hat, während dies bei der Raiffeisenbank auch nach der Fusion von Bad Bramstedt und Henstedt-Ulzburg im Jahr 2000 nicht geschehen sei, wie Vorstand Ingmar Kampling erklärte.

Darum könnte er sich vorstellen, dass die eine oder andere kleinere Filiale der jetzigen Raiffeisenbank irgendwann doch auf den Prüfstand komme, sagte Kampling. Aber frühestens in drei Jahren. Im Zuge der Fusion würde es auf keinen Fall Personalabbau oder Filialschließungen geben. Das sei Vorgabe beider Aufsichtsräte gewesen.

Ähnliches hatten die Vorstände beim Zusammenschluss der VR Bank Pinneberg mit der Volksbank Elmshorn vor vier Jahren erklärt. Aber in keiner der elf Städte und 16 Gemeinden, in denen beide Genossenschaftsbanken Standorte unterhalten, seien sie doppelt vertreten, betonten die Banker, die ihre Geschäftsphilosophie als „bodenständig“ und nah am Kunden bezeichneten.

Grund für die „Fusion der Stärke“ sei der Wettbewerb um Mitarbeiter, die zunehmenden gesetzlichen Auflagen und der Ergebnisdruck. So bräuchten die Banken immer mehr Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt und in bestimmten Bereichen größere und schlagkräftigere Teams, die sie in einem größeren Verbund besser anwerben und organisieren könnten, erläuterte Kampling.

Zusammen wollten beide Häuser weiter wachsen, kündigte er an. „Wir wollen die Nummer eins werden in Sachen Mitgliederzahl und Kundenzufriedenheit.“ Auch wenn nun einige Mitarbeiter aus der Zentrale von Bad Bramstedt nach Pinneberg wechseln müssten, brauche sich keiner zu sorgen, betonte Vorstand Witt. „Wir brauchen jeden Mann und jede Frau, alle Mann an Bord. Deswegen wird es auch keine Mitarbeiter-Abgänge und Filialschließungen geben.“