Pinneberg
Quickborn

Goldstein-Haus soll KZ-Gedenkstätte werden

Jens-Olaf (l.) und Ingrid Cloyd-Nuckel (r.) sowie Beate Raudies vor dem Henri-Goldstein-Haus

Jens-Olaf (l.) und Ingrid Cloyd-Nuckel (r.) sowie Beate Raudies vor dem Henri-Goldstein-Haus

Foto: Burkhard Fuchs

Die Landtagsabgeordnete Beate Raudies (SPD) will sich in Kiel für offizielle Anerkennung des Quickborner Gebäudeensembles einsetzen.

Quickborn.  Der Förderverein des Henri-Goldstein-Hauses in Quickborn kann auf weitere politische Unterstützung setzen, das ehemalige jüdische Gefangenenlager im Himmelmoor als KZ-Gedenkstätte anerkennen zu lassen. Die Elmshorner Landtagsabgeordnete Beate Raudies hat nach einem Besuch des noch vollständig erhaltenen Gebäudes in der Nähe des geschlossenen Torfwerks erklärt, dass sie sich bei der Landesregierung dafür einsetzen will.

„Das ist eine einmalige Chance für Stadt, Kreis und Land, dieses Gebäude-Ensemble zu erhalten und die Erinnerung an die schlimme NS-Zeit wach zu halten“, sagte die SPD-Politikerin. Erstmals konnte sie sich begleitet von Jens-Olaf Nuckel vom Förderverein einen hautnahen Eindruck verschaffen, wie die mehr als 50 jüdischen Gefangenen gelebt haben müssen. Diese waren während des Zweiten Weltkrieges zum Torfstechen gezwungen wurden. „Das war sehr beeindruckend und beklemmend für mich. Sogar die Latrine ist noch vorhanden“, so die Abgeordnete.

Sie erhofft sich Unterstützung für das Projekt vom Bildungsministerium, das gerade Zuschüsse für 13 KZ-Gedenkstätten im Land erhöht hätte. Raudies lobt, dass diese Orte und Symbole der kollektiven Erinnerung an die NS-Zeit auch überparteilich als erhaltenswert erachtet würden: „Es freut mich, dass Ministerin Karin Prien die gute Arbeit von Ministerin Anke Spoorendonk in der jetzigen Landesregierung fortsetzt.“

Im Unterschied zu anderen Gedenkstätten im Land, wo es keinerlei Bauten oder Baracken aus der NS-Zeit mehr gibt, ist das am Himmelmoor 1936 erbaute und nach einem belgischen Gefangenen benannte Henri-Goldstein-Haus im Originalzustand, betont Fördervereinschef Nuckel. „Wir können hier das Schicksal der jüdischen Gefangenen authentisch im Originalzustand zeigen und uns mit der NS-Zeit auseinandersetzen.“ Zudem könnte nebenan ein Moor-Museum die Zwangsarbeit der Torfstecher, zu der auch andere Gefangene herangezogen wurden, in ihrer unmenschlichen Tragweite beschreiben.

Außer der Überzeugung des Bildungsministeriums bedarf es des Entgegenkommens der öffentlichen Anstalt Landesforsten, der das Gelände mitsamt dem Goldstein-Haus gehört. Ein Wertgutachten weist dafür einen Kaufpreis aus. Den hält die Verwaltung Quickborns als zu hoch, weil die Stadt noch Versorgungsleitungen, Toiletten, Parkflächen und Zufahrten ermöglichen müsste, um die Gedenkstätte öffentlich zugänglich zu machen.