Pinneberg
Kreis Pinneberg

Obstbauern sind Gewinner des Erntesommers

Wilfried Plüschau, Obstbauer aus Haselau, vor den prall gefüllten Apfelkisten. Die werden jetzt in den Kühlhäusern eingelagert.

Wilfried Plüschau, Obstbauer aus Haselau, vor den prall gefüllten Apfelkisten. Die werden jetzt in den Kühlhäusern eingelagert.

Foto: Thomas Pöhlsen

Bilanz 2018: Die Landwirte in der Region verzeichnen guten Obst-Ertrag und hohe Qualität. Einbußen gibt es in allen anderen Sparten.

Haselau.  Auf dem Obsthof Plüschau steht schon der Grill bereit, und es wird der Kartoffelsalat vorbereitet. Am kommenden Wochenende geht der Großteil der Arbeitskräfte aus Polen und Bulgarien wieder zurück in die Heimat. „So früh waren wir noch nie fertig“ sagt Wilfried Plüschau.

Traditionell wird das Ende der Ernte auf dem Haselauer Obsthof intern mit einem Grillfest begangen. Danach sind noch ein paar Nacharbeiten zu erledigen. Von den 30 Arbeitskräften sind neun fest angestellt, die anderen Männer und Frauen Saisonkräfte.

Grünland-Erträge besonders schlecht

Dass die Arbeit so schnell erledigt werden konnte, liegt nicht etwa an zu geringen Obstmengen, die einzufahren waren. „Wir können mit der Ernte sehr zufrieden sein“, sagt Plüschau, der nicht nur Seniorchef auf dem Haselauer Hof ist, sondern sich auch als Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Altes Land (MAL) bestens in der Obstanbau-Szene beiderseits der Elbe auskennt. Das gute Wetter mit viel Sonnenschein sowie wenig Regen und Kälte habe die Pflückarbeiten leichter gemacht.

Reichlich Sonnenschein ist auch verantwortlich für die gute Ernte. „Die Früchte haben ein optimales Zucker-Säure-Verhältnis“, erklärt Plüschau. Sie sind in diesem Jahr also besonders lecker. Das gilt nicht nur für Äpfel, sondern auch für Zwetschgen. „Die Ernte war so groß, wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir alles verkaufen können“, sagt der Haselauer. Doch er und seine Kollegen irrten: Das Steinobst war so lecker, dass die Kunden mehr als in den vergangenen Jahren kauften.

Die Äpfelerträge waren im vergangenen Jahr gut und sind in diesem Jahr noch ein bisschen besser. Von einer Rekordernte mag Plüschau allerdings nicht sprechen. Dann würde auf den internen Internetseiten der Obstbauern nach Lagerkapazitäten oder Obstkisten gefragt, sagt er. Tatsächlich gab es nur ein Lager-Angebot, das nicht genutzt wurde.

Einzige Wermutstropfen im Super-Sommer 2018: Es gibt wegen der Trockenheit keine extra-großen Äpfel. Die sind allerdings in Deutschland gar nicht zu vermarkten, sondern gehen in der Regel nach Russland. Und nach dem feuchten Winter sorgte das heiße Frühjahr für weniger Erdbeeren.

Bei der Preisentwicklung ist der Markt gespalten. In den Supermärkten gibt es derzeit viele Preisaktionen, berichtet Plüschau. Das Angebot ist groß, die Kunden können auch in den reich bestückten Privatgärten und Streuobstwiesen ernten. In der Direktvermarktung – etwa ab Hof oder auf Wochenmärkten – sind die Preise dagegen nur geringfügig gefallen.

Die Obstbauern sind die einzigen Gewinner der Ernte 2018 im Kreis Pinneberg. Von Einbußen von 20 bis zu über 70 Prozent bei den anderen Fruchtarten berichtet Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Wo es einen kräftigen Gewitterschauer gegeben hat, da wirkte es sich gleich auf den Ertrag aus, sagt er. Die Einbußen sind geringer.

Besonders hart hat es die Bauern mit Grünland getroffen. Wer Gras, Mais oder Raps angebaut hat, um damit sein Vieh zu füttern, hat Einbußen von 30 Prozent bis mehr als 70 Prozent hinnehmen müssen. „Wenn nicht noch Reserven aus dem vergangenen Jahr zur Verfügung stehen, muss Futter zugekauft werden“, sagt Jensen-Nissen. Und das steigert die Kosten.

Nicht so heftig hat es die Bauern beim Getreide erwischt. Je nach Frucht rechnet er mit 20 bis 30 Prozent Verlust. Damit liegt der Kreis Pinneberg ungefähr auf Landes-Niveau.