Pinneberg
Haseldorf

Von Madagaskar in die Marsch

Mit der Forke in der Hand will sich der FÖJler Parfait Marcel Harimanga Fidson (22, l., hier neben Uwe Helbing, Nabu) aus Madagaskar  für den Naturschutz in den Elbmarschen einsetzen. Nach Haseldorf ist er gekommen, um seine Deutsch-Kenntnisse zu verbessern 

Mit der Forke in der Hand will sich der FÖJler Parfait Marcel Harimanga Fidson (22, l., hier neben Uwe Helbing, Nabu) aus Madagaskar für den Naturschutz in den Elbmarschen einsetzen. Nach Haseldorf ist er gekommen, um seine Deutsch-Kenntnisse zu verbessern 

Foto: Thomas Pöhlsen

Der 22 Jahre alte Parfait Marcel Harimanga Fidson hat sich von Ostafrika aus für ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Nabu beworben.

Haseldorf.  Als er das erste Mal hörte, wie sich der Vater mit einer ehemaligen Lehrerin in dieser fremden Sprache unterhielt, war es um Parfait Marcel Harimanga Fidson geschehen. Nicht in dem so wohlklingenden Französisch, der Amtssprache auf Madagaskar, sprachen sie, sondern in dem vermeintlich harten Deutsch. „Das klang so schön“, sagt der 22-Jährige von der Insel vor der afrikanischen Ostküste. Wie sein Vater wollte er Deutsch lernen. Das hat er dann nicht nur auf dem Gymnasium getan, sondern dann auch an der Universität von Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, studiert, seinen Bachelor-Abschluss gemacht.

Um seine Deutschkenntnisse zu vervollkommnen, hat es ihn nun von der warmen Insel im Indischen Ozean ins kühle Haseldorf verschlagen. Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) leistet Fidson für die Nabu-Schutzgebietsbetreuung des Naturschutzgebiets Haseldorfer Binnenelbe ab. „Ich will etwas für die Natur tun“, sagt er in gutem Deutsch mit kleinem französischen Akzent. Über das Internet hat er von der ausgeschriebenen Stelle erfahren und sich beworben.

Ein Absolvent des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) und drei FÖJler engagieren sich derzeit im Elbmarschenhaus. Eine FÖJ-Stelle wird seit 1999 immer international ausgeschrieben. Aus ganz Europa, aus Brasilien und dem australischen Tasmanien kamen schon die Freiwilligen, nur noch nicht aus Afrika.

Kost, Logis und Aufwandsentschädigung gibt es für den Abenteuerlustigen. Den Flug muss er selbst bezahlen. Mit zwei großen Koffern, einem riesigen Rucksack und seiner Gitarre kam Fidson in Frankfurt an. Die Weiterfahrt per Fernreisebus nach Hamburg empfand er als „abenteuerlich“. Nabu-Schutzgebietsbetreuer Uwe Helbing, der sich auch um die jungen Freiwilligen kümmert, holte ihn des Nachts vom Wedeler S-Bahnhof ab.

Bufdis und FÖJler leben gemeinsam in Haseldorf in einer Wohngemeinschaft. Zufälligerweise spielen derzeit alle ein Instrument, und so wollen sie auch gemeinsam musizieren. Dabei mag der junge Mann mit den wachen Augen insbesondere gestandene Musiker wie Eric Clapton. Mit französischem Hip-Hop und Rap – im frankofonen Sprachraum sehr angesagt – kann er nicht viel anfangen. „Ich bin ein bisschen old school“, sagt er.

Vogelzählungen, Betreuung des Wassererlebnispfads in Hetlingen, Arbeit mit den Nabu-Jugendgruppen und pflegerische Arbeiten im Naturschutzgebiet gehören zu den Aufgaben der jungen Freiwilligen. Vor den körperlich anstrengenden Arbeiten fürchtet sich der Madagasse nicht. Es gibt hier doch gute Werkzeuge und Geräte, die die Arbeit leichter machen, sagt er.

Sprachkenntnisse will er beruflich nutzen

Fidson gefällt es sehr gut in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat er bereits über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) einen einmonatigen Sprachkursus in Bamberg gemacht. Gewöhnen muss er sich noch an die deutsche Kost. Auf Madagaskar wird so ganz anders gekocht als in Deutschland. Insbesondere freut er sich auf eine Reise nach Berlin, die er im Herbst machen wird. Auf Einladung einer grünen Bundestagsabgeordneten wird er mit einer Reisegruppe das politische Berlin kennenlernen.

Und doch gibt es ein paar Dinge, die er vermisst. So kennen sich in seinem Viertel alle Menschen. Sie reden gern und viel miteinander. Und es fehlt ihm die Höflichkeit. In Madagaskar ist es etwa üblich, dass Jüngere die Älteren grüßen. Zurück in seiner Heimat will Fidson seine Masterarbeit angehen, selbstverständlich auf Deutsch geschrieben. Dann möchte er seine Sprachkenntnisse nutzen und für ausländische Organisation arbeiten.