Pinneberg
Neue Ausstellung

Zeichenhafte Bilder à la Chinoise in Rellingen

Galerist Gerd Uhlig mit einem Gemälde von Marianne Janze (rechts) und einem Bambus von Brigitte Wollert

Galerist Gerd Uhlig mit einem Gemälde von Marianne Janze (rechts) und einem Bambus von Brigitte Wollert

Foto: Katja Engler

In der Rellinger Rathausgalerie präsentiert die Ausstellung „Seidenstraße“ deutsche und chinesische Künstler. Noch bis zum 26. Oktober.

Rellingen.  Malerei und Kalligrafie, direkt aus dem Reich der Mitte oder inspiriert von dessen Kultur, sind bis zum 26. Oktober in der Rellinger Rathausgalerie zu sehen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „China Time“ hat der Galerist Gerd Uhlig Arbeiten der deutschen Künstlergruppe „Paradox“ mit denen chinesischer Künstler kombiniert.

Im Treppenaufgang zur oberen Etage hängt eine große, mit breiten Pinseln bemalte Leinwand, in deren Zentrum sich ein geflügeltes oder von einer Art Krinoline umgebenes Wesen befindet, das mit viel Fantasie als Frau durchgehen könnte. Das in mehreren halbtransparenten Schichten gemalte Bild von Marianne Janze mit dem Titel „Die Drachenbraut“ ist voller Zeichen, schimmernde Flecken aus Blattgold legen sich als eine Art Kette um den Hals des geschmückten Wesens. Freie Malerei, ein schönes, beziehungsreiches Bild.

An einer anderen Stelle des Raumes hat die Märchenerzählerin Janze drei aus geleimtem Chinapapier gefertigte große Eierschalen zusammengelegt: „Dracheneier“. Doch der Drache ist in dieser sehenswerten Ausstellung gleich mehrfach geschlüpft. Auch in Janzes gekonnt mit dem leeren Raum spielenden Gemälde „Dazwischen. Ein Raum für den Drachen“. Da bleibt das Fabelwesen, das in Deutschland als bedrohlich, in China dagegen als Glück und Regen bringend wahrgenommen wird, allerdings unsichtbar.

Schriftzeichen in China hat poetischen Inhalt

Der chinesische Künstler Yunglong lässt einen Tiger- und einen Schlangen-Drachen sich direkt seinen kühnen kalligrafischen Pinselschwüngen entwinden. Diese beiden Tusche-Drachen sehen wie Schriftzeichen aus, sind im schmalen, schriftrollenmäßigen Hochformat aber deutlich als ringelschwänzige Drachen zu erkennen. Mit Yunglong hat Gerd Uhlig die offensichtliche Brücke geschlagen zwischen figürlicher Kunst und Kalligrafie, die in der Ausstellung noch häufiger vertreten ist.

Die chinesische Kalligrafie ist mehrere Tausend Jahre alt und mit bis zu 200.000 Schriftzeichen weltweit einmalig. Jedes Schriftzeichen ist in China ein Bild mit umschreibendem, häufig auch poetischem Inhalt. Die Lücke, die sich im Abendland zwischen Schrift und Bild auftut, existiert dort also gar nicht.

Zurück zu diesen Wurzeln der eigenen Tradition strebt die 90 Jahre alte chinesische Künstlerin Gu Yingzhi. Sie malt auf Seide 1500 Jahre alte Schriftzeichen, die wie Hieroglyphen anmuten. Das Malen der Schriftzeichen in China ist etwas ganz anderes als das Schreiben in der westlichen Zivilisation. Allein schon durch die Notwendigkeit unzähliger Wiederholungen beim Lernen bedeutet es immer auch Meditation, Besinnung, Spiritualität. Von solchen Aspekten ist in der Rellinger Ausstellung leider nichts zu erfahren. Sie ist vor allem auf der ästhetischen Ebene wahrnehmbar, aber auch so einen Besuch wert.

Chinesische Tuschmalerei ist auch zu sehen

Beinahe fotorealistisch malt Armin Metzger Alltagsszenen in China, eine segnende Nonne etwa. Und mit ihren minimalistischen Bambuszeichnungen mit Tusche strebt Brigitte Wollert eindeutig den traditionellen chinesischen Darstellungsformen zu. Wollert hat fünf Jahre in China gelebt und konnte dort ausführlich die alten Meister studieren.

Die hohe, sehr alte Kunst chinesischer Tuschemalerei lässt sich in den zarten, reduzierten Naturbildern von Zhang Jijun bewundern: Mit enormer Strichsicherheit setzt er für den Kirschblütenzweig nur wenige Linien, die jedem Bild trotz des vielen Weiß Spannung verleihen. Kecke, bunte Vögel bekommen durch seinen Aquarell-Pinsel eine anrührende Lebendigkeit.

„Seidenstraße“ Ausstellung bis 26.10. Rathausgalerie Rellingen, Hauptstr. 60; Mo, Di, Do, Fr 8.30 bis 13 Uhr, Di auch 14 bis 18 Uhr, Eintritt frei