Pinneberg
Wedel

Liegen diese Boote bald im Schulauer Hafen?

Die „Geesthacht“ und der Lieger „Peilmudding“ liegen derzeit im Hamburger Sandtorhafen anlässlich des Hafenfests für Traditionsschiffe

Die „Geesthacht“ und der Lieger „Peilmudding“ liegen derzeit im Hamburger Sandtorhafen anlässlich des Hafenfests für Traditionsschiffe

Foto: Martin Haag/Hafencitystudios

Traditionsschiffe, Wassertaxi, Millioneninvestition: Interessenten um Unternehmer Edmund Siemers erläutern ihr Betreiberkonzept.

Hamburg/Wedel.  Die Wellen schwappen gegen den Lieger. Aus dem Fenster blickt der Besucher auf die Elbphilharmonie. Hier im Hamburger Sandtorhafen steigt das Elbfest am 22. und 23. September. „Es ist das kleinere aber schönere Hafenfest“, sagt Edmund Siemers. Der Hamburger Unternehmer hat den Lieger zum Fest für Traditionsschiffe mitten in der Hafencity beigesteuert. Er wurde extra aus dem Harburger Spreehafen hergeschleppt. Rund 85 Jahre ist er alt. Nach einer umfangreichen Sanierung 2010 sieht man ihm das nicht an. Moderne Einbaugeräte, eine Sofaecke und sogar ein kleiner Kamin zieren den Lieger, der beim Elbfest von den Vereinen als zentrale Anlaufstelle genutzt wird, um über ihre ehrenamtliche Arbeit zu informieren.

Stephan Bracker und Andreas Bätjer sind Mitgesellschafter

Der „Peilmudding“ gehört zur Sammlung von Traditionsschiffen, die Siemers betreibt. Und bei dem Lieger handelt sich um einen der historischen Bauten, die nach Wedel umziehen könnten. Denn Siemers will zusammen mit zwei gleichberechtigten Gesellschaftern dem Schaulauer Hafen Leben einhauchen. Sprich: Siemers und seine Mitstreiter Stephan Bracker (TB Marine Shipmanagement) und Andreas Bätjer (PAN Norderelbe) sind derzeit die einzigen und seit Langem ersten Interessenten, die sich den Hafenbetrieb zutrauen. „Ich bin vor mehr als einem Jahr auf die Stadt zugegangen“, sagt Siemers. Es sei zu schade, dass der Hafen so ungenutzt daliege. „Wir wollen dafür sorgen, dass der Hafen belebt wird – und zwar das ganze Jahr über.“

Das umfangreiche Konzept sieht mehrere Ausbaustufen vor. In einem ersten Schritt soll demnach bis 2021 ein 325 Meter langer Ponton im tiefer gelegenen Bereich des Hafens entstehen. Der Zugang ist von der Ostmole vorgesehen. In einem zweiten Schritt würden innerhalb von zehn Jahren weitere 240 Meter folgen. Außer der „Peilmudding“ soll das „Bauhüttenschiff Geesthacht“ von Harburg gen Wedel wechseln. Auch das Messboot „Karla“ sowie MS „Süderelbe“ könnten im Schulauer Hafen dauerhaft festmachen. Zudem prognostiziert Siemers, der in der Szene gut vernetzt ist, dass schnell weitere Traditionsschiffe Wedel ansteuern würden. Die Gründung des Vereins Schulauer Traditionsschiffhafen soll das fördern.

Die historischen Schiffe machen einen großen Teil des Konzepts aus, den anderen die Wassertaxis. Stephan Bracker plant den Bau und Betrieb nach Rotterdamer Vorbild. Der Wedeler, der in Hamburg ein Schifffahrtsunternehmen mit 60 Mitarbeitern leitet, lässt bereits an einem Prototyp bauen. 200.000 Euro investiert er in das Boot, das dann für den Taxibetrieb zertifiziert wird. Die Wassertaxis sollen vom Wedeler Heimathafen aus in Absprache mit der Hamburg Port Authority bestimmte Anleger ansteuern dürfen und so Gäste auf dem Wasserweg transportieren. Der Vertrieb soll über den geplanten Kiosk samt öffentlicher Toiletten an der Ostmole laufen, den die Investoren persönlich betreiben wollen. „Wir sind drei Partner, und jeder hat eine spezielle Aufgabe“, erklärt Bracker. „Ob wir jemals Geld verdienen, steht in den Sternen, jedoch braucht meine Heimatstadt endlich einen festen Plan. Wir sind bereit zu investieren.“

Siemers beziffert die Investitionskosten auf eine Million Euro, plus weiter 1,5 Millionen Euro, die in Form von Werten im Hafen liegen würden. Dafür würden die Betreiber sich auf 20 Jahre in den Hafen einmieten, mit einer Verlängerungsoption um weitere zehn Jahre. Sanierungsarbeiten an den Kaimauern und auch das Ausbaggern des Hafenbeckens würden sie nicht übernehmen. Diese Kosten müsste die Stadt tragen.

Plätze für Tageslieger kommen im Konzept nicht vor

Weiterer Wermutstropfen: Einen Sportboothafen für Tageslieger, wie es das Konzept einst vorgesehen hat, lehnen die Interessenten ab. „Einen Hafen wie in den damaligen Visualisierungen kann es nicht geben“, sagt Edumund Siemers. Die fehlende Infrastruktur und die nautischen Bedingungen machten das seiner Erfahrung nach unmöglich. „Wir sind offen für Ideen“, erklärt der Hamburger Unternehmer, aber: „Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“

Siemers hält sich auch an Absprachen. Umso mehr irritiert ihn, dass Wedels Bürgermeister Niels Schmidt einer Zeitung gegenüber aus internen Gesprächen berichtete und zuletzt sogar seinen Namen veröffentlichte. Besprochen war, dass der Investor erst nach der öffentlichen Präsentation im Planungsausschuss am 4. September (um 18 Uhr im Rathaus) in Erscheinung tritt. Die irritierende Kommunikation mit Wedels Verwaltung ist der Grund dafür, warum es keine statische Berechnung gibt. Daran könnte das Projekt scheitern. Denn wenn größere Dalben als erwartet nötig sind, explodieren die Kosten. Ursprünglich sollte die statische Berechnung vorliegen. Nun wollen die Investoren erst einmal ein deutliches Zeichen aus Wedel, dass überhaupt Interesse besteht.

Siemers macht deutlich, dass die Betreiber mit dem Projekt kein Geld verdienen werden. Ihn treibt die Leidenschaft zu Traditionsschiffen an, die ihm in die Wiege gelebt wurde. Seine Vorfahren waren Reeder. Nach dem 1840 geborenen Edmund Julius Arnold Siemers wurde die Hamburger Allee benannt. Hinzukommt, dass Siemers sich in seiner neuen Heimatstadt engagieren will. Denn der Hamburger hat in Wedel ein denkmalgeschütztes Haus gekauft, das derzeit aufwendig saniert wird. Fürs kommende Jahr ist der Umzug geplant.