Pinneberg
Uetersen

Wenn der Klostergarten zur Bühne wird

Renate Paelchen (l.) und Anja Stange

Renate Paelchen (l.) und Anja Stange

Foto: Anne Gärtner

Kultur zum Greifen nah: Uetersener führen ein Theaterstück mit historischem Hintergrund in der Klosteranlage am 19. August auf.

Uetersen.  „Das Gelände ist bei uns der Star“, sagt Anja Stange. Die 49-Jährige gehört gemeinsam mit Renate Paelchen (68) zu den Veranstalterinnen eines besonderen Schauspiels. Ohne Bühnenbild steht die Szenerie des Uetersener Klosteranwesens im Mittelpunkt einer Aufführung am Sonntag, 19. August, um 18 Uhr.

26 Schauspieler, zwei Musiker, eine Souffleuse, ein Techniker und jemand, der für Ordnung sorgt, bilden das Team an diesem Theaterabend. Das Außergewöhnliche: Es gibt keine festen Plätze, denn es gibt gar keine Plätze. Stattdessen können können die Zuschauer bei einem sommerlichen Spaziergang über das gesamte Klostergelände, begleitet von mittelalterlicher Musik, auf eine Zeitreise gehen.

Mit einem zeitlichen Rahmen vom Spätmittelalter über die deutsche Literaturepoche des Sturm und Drangs bis hin zur Neuzeit werden elf Szenen an verschiedenen Orten historischer Bedeutsamkeit aufgeführt. In der Hoffnung, Uetersens Geschichte „kulturell beleben“ zu können, so Paelchen, geben die beiden ehrenamtlichen Veranstalterinnen einen Überblick von der Erbauung des Klosters im Jahr 1234 bis zur Gegenwart. „Allen Uetersenern soll das Kennenlernen dieses historischen Ortes ermöglicht werden“, so Stange. „Viele wissen nicht, dass dieser Bach hier Burggraben heißt.“ Paelchen deutet auf das Gewässer auf dem Gelände. „Der Grund dafür ist, dass hier in der Vergangenheit eine Burg gestanden hat, nur weiß das kaum jemand.“

Die Idee stammt von Hans-Herbert Henningsen

Es ist das dritte Mal in den 2000er-Jahren, dass die beiden Frauen zum Theaterspaziergang einladen. Alle Schauspieler, die an diesem Projekt teilnehmen, stammen aus Uetersen und sind von den Veranstalterinnen sehr geschätzt: „Jeder Einzelne aus der Besetzung hat sich um Uetersen verdient gemacht“, sagt Stange freudig. Sie sind stolz auf ihr Team, durch das sie auch dieses Jahr Anregung fanden, mit der Planung zu beginnen.

Die Organisation dieses Projektes läuft ehrenamtlich ab: Lediglich ein kultureller Zuschuss des Kreises unterstützt das finanzielle Stemmen von Technik- und Kostümkosten, die, so Paelchen, „vollkommen unterschätzt“ sind. Allein ihre große Leidenschaft für die Geschichte und Kultur ihrer Heimat treibt die beiden Organisatorinnen dazu an, dieses Stück auf die Beine zu stellen. „Es macht einfach Spaß“, erzählt Stange.

„Wir waren von Anfang an Feuer und Flamme.“ Paelchen ergänzt: „Es ist, als würde man den Gästen ein Geschenk machen“.

Mit dem Ziel, Menschen zu verbinden und zu begeistern, übernahmen Paelchen und Stange Anfang der 2000er- Jahre die Idee von Hans-Herbert Henningsen. In den 1990er-Jahren hatten er und Elsa Plath (86) die Szenen verfasst und das Spiel sogar schon zweimal aufgeführt. Stange bezeichnet Henningsen als „Vater des Ganzen“, der sein Projekt schließlich aus Altersgründen an Paelchen und Stange in gute Hände abgab. „Natürlich haben wir die Szenen etwas abgeändert“, verrät Stange. „Im Großen und Ganzen ist es aber beim Original geblieben.“ In der letzten Szene des Spiels endet die Zeitreise in der Gegenwart. Im Vordergrund steht die Ehrung Henningsens, der im vergangenen Jahr verstarb und eine „große Verbindung zum Kloster“ hatte. „Damit wollen wir nochmal an die Wurzeln dieses Stücks erinnern“, so Stange.

Die beiden Veranstalterinnen haben ebenfalls einen persönlichen Bezug zum Kloster. „Da drüben habe ich geheiratet“, erzählt Anja Stange. Und Renate Paelchen erwähnt, dass sie nach wie vor als Laienpriesterin in der Klosterkirche tätig ist.

Klösterlicher Abendspaziergang: Sonntag, 19.8., 18 Uhr, freier Eintritt, Verpflegung und Sonnenschutz bitte mitbringen, Treffpunkt: In Uetersen, am Kloster beim Vorwerk