Pinneberg
Uetersen

Liebesbriefe eines Dichters in das Kloster

Elsa Plath-Langheinrich und Klosterprobst Hubertus Graf von Luckner mit einem historischem Bild von Gräfin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg

Elsa Plath-Langheinrich und Klosterprobst Hubertus Graf von Luckner mit einem historischem Bild von Gräfin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Kulturkritik: Johann Wolfgang Goethe, sein „Gustchen“ und das goldene Zeitalter. Buch wurde neu aufgelegt und erweitert.

Uetersen.  „Eines der großen Themen, das Schleswig-Holstein zu bieten hat“, ist für Bernd Rachuth, Leiter des Boyens Verlages, der Briefwechsel von Johann Wolfgang von Goethe (1749– 1832) mit Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg (1753–1835). Dabei wurde bei der ersten Veröffentlichung 1839 natürlich der Dichterfürst, aber nicht seine Briefpartnerin namentlich genannt, wie die Biografin der Gräfin, Elsa Plath-Langheinrich, bemerkte.

Außergewöhnlich sind sie nicht nur, weil sie als die besten Briefe aus der Feder des jungen Goethe gelten. Für Rachuth spiegelt es auch das Goldene Dänische Zeitalter wider, das als Epoche hoher kultureller Blüte gilt. In einem neuen Buch, das nun in Uetersen in der Ilse-Gräfin-von-Bredow-Scheune vorgestellt wurde, stellt Elsa Plath-Langheinrich die Briefe in den Kontext der Familiengeschichte „Gustchens“. In einem Vorwort hat Frank Trende, vielfacher Buchautor zur Geschichte Schleswig-Holsteins, zudem die Goethe-Zeit mit diesem Goldene Zeitalter in Verbindung gebracht. Der Titel des Buches: Goethes Flirt mit Schleswig-Holstein.

Wie so viele Altersgenossen hatte Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ die junge Conventualin des Klosters Uetersens begeistert. Doch der Freitod des Helden am Ende der Geschichte erzürnte die gläubige Katholikin. Die passionierte Briefeschreiberin wandte sich 1774 an den Frankfurter Dichter, anfangs anonym, doch schnell bekam Goethe die Identität seiner Briefpartnerin heraus. Seine Briefe wurden immer offener und betörender. Er öffnet sein Herz angesichts einer unglückliche Liebe in seiner Heimatstadt. 1782, Goethe hatte in Weimar eine neue Heimat gefunden, brach der Schriftwechsel nach seinem 18. Brief abrupt ab.

„Gustchens“ weiterer Lebensweg war dann völlig unromantisch. 1783 zog sie nach Kopenhagen, um den nach dem Tod ihrer Schwester Henriette verwitweten dänischen Staatsminister Andreas Peter Bernstorff zu heiraten, sich um ihn und seine acht Kinder zu kümmern. 14 Jahre später starb ihr Gatte, fortan lebte sie vorwiegend bei Verwandten. Noch einen letzten Brief schrieb sie 1822, also als 68-Jährige, an Goethe.

Elsa Plath-Langheinrich, Frank Trende, „Goethes Flirt mit Schleswig-Holstein“, Boyens Verlag, 14,95 Euro