Pinneberg
Massenschlägerei

Hamburger Familie in Pinneberg abgefangen? Sechs Verletzte

Einem Mann werden Handschellen angelegt (Symbolbild)

Einem Mann werden Handschellen angelegt (Symbolbild)

Foto: Frank May / picture alliance / Frank May

Tumultartige Szenen: Zwei türkische Familien tragen vor einer Schule in Pinneberg einen Streit mit Messern und Baseballschlägern aus.

Pinneberg. Es waren tumultartige Szenen, die sich am Mittwochabend in Pinneberg mitten auf der Straße abspielten. Im Quellental eskalierte ein Streit zweier türkischer Großfamilien. 30 bis 40 Personen gerieten auf Höhe der Grund- und Gemeinschaftsschule an der Richard-Köhn-Straße aneinander, setzten Baseballschläger und auch Messer ein. Bilanz: Zwei Menschen wurden durch Messerstiche schwer, drei weitere leicht verletzt. Ein sechster Beteiligter erlitt einen Herzinfarkt.

Es war gegen 19 Uhr, als mehrere Anrufe besorgter Bürger bei der Einsatzleitstelle der Polizei eingingen. Als die erste Streifenwagenbesatzung eintraf, schlugen bereits zehn Personen massiv aufeinander ein. Dabei wurden nicht nur die Fäuste, sondern auch Baseballschläger benutzt. Mindestens ein Beteiligter war auch mit einem Messer bewaffnet.

Alle verfügbaren Streifenwagen nach Pinneberg

Noch bevor die Beamten Verstärkung herbeirufen konnten, erschienen weitere Familienangehörige vor Ort, die ebenfalls in die völlig eskalierte Auseinandersetzung eingriffen. Daraufhin schickte die Leitstelle alle im Kreis Pinneberg verfügbaren Streifenwagen zur Richard-Köhn-Straße. Außerdem wurden weitere Kräfte aus dem Kreis Segeberg und auch aus Hamburg angefordert, um die Lage in den Griff zu bekommen. Insgesamt waren 24 Streifenwagenbesatzungen vor Ort.

Dabei sollen sich die Mitglieder der verfeindeten Familien den Beamten gegenüber sehr aggressiv verhalten haben. Ein Polizist aus Elmshorn wurde durch einen Biss verletzt, er blieb aber dienstfähig. Die Beamten mussten körperliche Gewalt anwenden, um die beiden Gruppen voneinander trennen zu können. Sieben Beteiligte wurden vorläufig festgenommen und zur Personalienfeststellung und Vernehmung aufs Revier gebracht. Alle wurden nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft später wieder entlassen.

Zeugen beschreiben bürgerkriegsähnliche Szenen

Augenzeugen der Massenschlägerei schrieben im sozialen Netzwerk Facebook, bürgerkriegsähnliche Szenen beobachtet zu haben. Dort hochgeladene Fotos zeigen, wie drei Männer in einer Grundstückseinfahrt auf dem Bauch liegen, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Daneben stehen zwei Polizisten und ein Streifenwagen.

Die Richard-Köhn-Straße blieb für den Einsatz längere Zeit gesperrt. Um die Verletzten zu behandeln, rückten acht Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug sowie der Organisationsleiter des Rettungsdienstes an. Nach Polizeiangaben wurden die betroffenen Personen auf mehrere umliegende Krankenhäuser verteilt. Einer von ihnen soll einen Messerstich in den Bauch erlitten haben. In Lebensgefahr schwebt laut Polizei keiner der Verletzten.

„Die Ermittler der Kripo sind derzeit dabei, die Hintergründe der Auseinandersetzung zu klären“, sagt Polizeisprecher Dirk Scheele. Nach ersten Erkenntnissen sei ein Streit zwischen den beiden beteiligten türkischen Familien Auslöser der Schlägerei. Eine der Familien stammt laut den Angaben der Polizei aus Hamburg, die zweite aus Pinneberg.

Hamburger gegen Pinneberger Familie

Hinweise, wonach die in Hamburg lebenden Türken mit einem Auto unterwegs waren und die in Pinneberg wohnhafte Familie das Fahrzeug an der Richard-Köhn-Straße gewaltsam gestoppt hat, will die Polizei nicht kommentieren. Das sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen, so Scheele weiter. Keine Auskünfte machte der Polizeisprecher auch zum Alter der Schwerverletzten und aus welcher der beiden Familien sie stammen. Nach Abendblatt-Informationen sollen sie zur Hamburger Familie gehören, die angeblich in der Schlägerei zahlenmäßig stark unterlegen gewesen sein soll.

„Wir ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung“, so Scheele weiter. Außerdem komme eine Vielzahl weiterer Straftaten infrage – unter anderem verbotener Waffenbesitz, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Beleidigung. Die Ermittlungen sind aber offenbar nicht einfach, schließlich müssen die Beamten jedem Beteiligten eine konkrete Tat nachweisen, die Herkunft der Waffen klären – und auch ermitteln, wer sie eingesetzt hat.

Daher sucht die Kripo dringend nach Zeugen, die die Auseinandersetzung oder zumindest Teile davon beobachtet haben. Hinweise werden unter der Telefonnummer 04101/20 20 entgegengenommen.

Die Stadt schickte am Donnerstag einen Mitarbeiter des Kommunalen Servicebetriebs zur Grund- und Gemeinschaftsschule, um das Schulgelände auf eventuelle Schäden zu inspizieren. „Es gibt keine“, sagt Stadtsprecherin Maren Uschkurat. Normalerweise wohne ein Hausmeister auf dem Gelände. Diese Stelle sei aktuell jedoch unbesetzt.