Pinneberg
Haselau

Wie ein Dorf seine lange Geschichte bewahrt

Rolf Herrmann mit den ältesten Exponaten des Vereins. In den Abgabebüchern wurden die Steuern an den Gutshof dokumentiert

Rolf Herrmann mit den ältesten Exponaten des Vereins. In den Abgabebüchern wurden die Steuern an den Gutshof dokumentiert

Foto: Thomas Pöhlsen

Verein zur Sammlung und Erhalt historischer Gegenstände in Haselau besteht 20 Jahre. Bürger halfen beim Museumsaufbau.

Haselau.  Die Gemeinde Haselau verfügt über die älteste Kirchenglocke im Kreis Pinneberg. Teile der Hl. Dreikönigskirche standen bereits am Anfang des 13. Jahrhunderts. Sie gehören damit zu den ältesten erhaltenen Gebäuden im Kreis. Und in Haselau findet sich die älteste in Betrieb befindliche Hengststation in Schleswig-Holstein, gegründet im Jahr 1906.

Viel Geschichte für ein Dorf mit gut 1000 Einwohnern. Damit das Wissen um die Wurzeln der Kommune nicht verloren geht, hat sich der Verein zur Sammlung und zum Erhalt historischer Gegenstände gegründet. Er betreibt die Historische Sammlung, von den Haselauern nur Dorfmuseum genannt. An der Haseldorfer Chaussee und damit in unmittelbarer Nähe des historischen Burggrabens, dem einzigen Überbleibsel des befestigten Gutshofes, hat der Verein sein Domizil. Rund um dieses Museum soll das 20-jährige Vereinsbestehen gefeiert werden. „Wir haben etwas für die Kultur in der Haseldorfer Marsch getan, und das in Selbsthilfe“, verkündet nicht ohne Stolz der stellvertretende Vorsitzende Rolf Herrmann.

Vereinsmitglieder waren an Chronik beteiligt

Wer die Geschichte Haselaus nachvollziehen will, nimmt sich zuerst die 1999 aus Anlass des 775-jährigen Bestehens entstandene Dorfchronik vor. Das aufwendig und reichhaltig illustrierte Geschichtsbuch wurde von vielen Bürgern mit Elisabeth-Juliane Herrmann als Leiterin erarbeitet. Viele der Vereinsmitglieder haben auch an dem Buch mitgearbeitet. Sie widmeten sich natürlich jener Urkunde, in der „arnoldus et bartoldus de haselow“ ein Grundstücksgeschäft zwischen dem Abt von Dünamünde und dem Kloster in Neumünster im Jahre 1224 bezeugen. Ebenso ausführlich widmeten sie sich der Geschichte der viele Hundert Jahre alten Kirche des Ortes, dem Gutshof Haseldorf, der Besiedlung und Kultivierung der Marsch und dem untergegangenen Kirchspiel Bishorst.

Auf der Warft an der Elbe soll bereits im 9. Jahrhundert ein Dorf mit einer Kirche gestanden haben. Historiker vermuten, dass auf Bishorst die Wurzeln der Christianisierung in den Elbmarschen lagen. In der Allerheiligenflut 1532 ging das Kirchspiel unter. Zwei schwere Sturmfluten, 1745 und 1751, vertrieben die wenigen Bewohner, die es in dem Dorf gehalten hatte. Heute ist Bishorst Teil des Naturschutzgebietes. Durch ein Tor ist der Hauptweg hin zur ehemaligen Warft erreichbar. Nur im Frühjahr während der Brut- und Setzzeit ist der Zugang geschlossen.

Im Dorfmuseum gibt es einige Verweise auf die frühe Geschichte Haselaus. Frühe Exponate, die in dem Dorfmuseum gezeigt werden könnten, sind jedoch nicht erhalten geblieben. Das älteste Ausstellungsstück ist ein Abgabebuch, das im Jahr 1697 begonnen wurde. Darin wurden für ein Haus die Abgaben notiert, die an das Gut Haseldorf geleistet worden sind. In jedem Haus gab es dieses Buch, mehrere Exemplare wurden dem Verein zur Verfügung gestellt.

„Wir konzentrieren uns darauf, das Leben und Arbeiten in Dorf im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu dokumentieren“, erklärt der Vorsitzende Dieter Günther. Dies ist möglich dank der Ausstellungsstücke, die dem Heimatverein zur Verfügung gestellt wurden.

Der Anfang verlief allerdings sehr schleppend. Bereits vor der Vereinsgründung, im Jahr 1982, nahm Haselau am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teil. Mehrere Projekt zur Dorferneuerung wurden initiiert, darunter die Sammlung von historischen Gegenständen. Schon damals war Dieter Günther dabei, der die Gegenstände bei sich zu Hause lagerte. Die Resonanz auf die Spendenaufrufe blieb jedoch verhalten.

Dann baute die Gemeinde ein neues, zentrales Feuerwehrgerätehaus, das die kleinen, dezentralen Spritzenhäuser in den Gemeindeteilen ersetzen sollte. Die Gemeinde verkaufte die Feuerwache an der Haseldorfer Chaussee an Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden, der sie an den gerade gegründeten Museumsverein verpachtete. Neuerliche Aufrufe, in Schuppen, Truhen und auf Dachböden nach Historischem zu suchen, fanden deutlich mehr Resonanz. „Die Menschen haben gesehen, dass wir etwas mit den Gegenständen anfangen“, erinnert sich Herrmann.

Mittlerweile gibt es zwei Museumsgebäude

Die Museumsmacher wurden geradezu überrollt. Für die vielen Exponate musste neuer Platz geschaffen werden. Auf der anderen Straßenseite befand sich die „Durchfahrt Wüstenberg“, in der bereits einige Teile lagerten und die ebenfalls der Gutsverwaltung gehört. Sie konnte auch angemietet und zum „Museum 2“ gemacht werden. Die Durchfahrt gehörte zu einer heute nicht mehr existierenden Gastwirtschaft Wüstenberg. Hohe Herrschaften konnten in ihren Kutschen in die Durchfahrt einbiegen, aussteigen, so trockenen Fußes in die Gastwirtschaft gelangen, und die Kutscher steuerten die Wagen wieder hinaus.

Damit wurden die Exponate thematisch gegliedert. Im „Museum 1“, dem ehemaligen Feuerwehrhaus, werden häusliche Gegenstände sowie Kulturgut präsentiert. Dort werden auch die Sonderausstellungen aufgebaut. Im „Museum 2“, der Durchfahrt, werden landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte ausgestellt.