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Elmshorn

Abriss der Kremer-Hallen verzögert sich

Der Abriss der Kremer-Hallen in Elmshorn im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen verzögert sich

Der Abriss der Kremer-Hallen in Elmshorn im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen verzögert sich

Foto: Reimer Wulf

Nicht der einzige Rückschlag im Millionenprojekt Stadtumbau West: Auch der geplante Bau des neuen Rathauses verschiebt sich.

Elmshorn.  Der Abriss der leerstehenden Kremer-Hallen an der Schauenburger Straße sollte eines der ersten sichtbaren Aktionen im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen sein. Sogar eine Abrissparty war für den 8. September geplant. Die muss die Stadt Elmshorn bis auf weiteres verschieben. Der Grund: Die Stadt möchte nur die ehemaligen Hallen des Baustoffhandels abreißen. „Die Bodenplatte wollten wir gern als Lagerfläche für bevorstehende Bauarbeiten nutzen“, erklärt Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje.

Vor sieben Monaten hatte die Stadt den Antrag beim Innenministerium gestellt. „Doch dort heißt es, dass wir einen finanziellen Zuschuss zum Abriss nur erhalten, wenn die komplette Halle samt Bodenplatte abgerissen wird“, so Hatje. Voraussetzung dafür sei der Nachweis, dass sich im Boden darunter keine Schadstoffe befinden. Diese Untersuchung müsste die Stadt europaweit ausschreiben. Das kostet erneut Zeit. „Wir haben jetzt einen Sonderfallantrag beim Land gestellt“, berichtet Hatje, der weiterhin hofft, dass die Stadt vorerst nur die Halle ohne Boden abreißen kann.

Ursprünglich war das bereits für 2016 geplant. Doch die rechtlichen Anforderungen sind hoch. So musste die Stadt zahlreiche Gutachten erstellen lassen. Dabei spielte nicht nur die Überprüfung auf Altlasten oder Asbest eine Rolle, sondern auch der Artenschutz. Mit speziellen Detektoren hatte ein Experte das Gebäude und das Gelände auf besonders geschützte Vögel- und Fledermausarten hin untersucht, allerdings nicht gefunden.

Die Stadt musste zudem analysieren, welche Materialien in den Hallen verbaut wurden und wie diese zu entsorgen sind. Die Gewerbeabfallordnung gibt vor, wie die Trennung, Entsorgung und Dokumentation von Stoffen zu erfolgen haben. Die dafür benötigten Labore sind aufgrund des Baumbooms ausgelastet.

Ärger um Tiefgarage hält Rathaus-Neubau auf

Es ist nicht der erste Rückschlag im Millionenprojekt Stadtumbau West. So sollen die Kremer-Hallen für die Verlegung der Schauenburger Straße weichen. Wo die Straße heute verläuft, wird auf einer Fläche von 4400 Quadratmetern das neue Rathaus für 30,5 Millionen Euro entstehen. Der Neubau soll 2024 fertig sein und hat sich bislang um viereinhalb Jahre verzögert. Zuletzt stritten die Politiker um die geplante Tiefgarage im Rathaus. Grüne und SPD beauftragten Anfang Mai die Verwaltung, Alternativen zu prüfen. Dabei war der Bau einer Tiefgarage bereits in den Auslobungstext zum europaweiten Architektenwettbewerb aufgenommen.

Für die Realisierung des Rathauses ist die Tiefgarage nicht zwingend notwendig. Die SPD-Fraktion bevorzugt Parkplätze an anderer Stelle im Quartier oder am Rathaus, die im Hochbau entstehen sollen. Die SPD verweist dabei auf die schlechten Erfahrungen beim Bau des „Hauses der Technik“ und die Risiken aufgrund der Bodenbelastung und damit verbundener höherer Kosten. Eine Alternative sei das Gelände, auf dem sich derzeit noch die Post befindet.

Bürgermeister Volker Hatje hatte im Ausschuss für Stadtentwicklung am 3. Mai die Politiker darauf hingewiesen, dass die beschlossene Ergänzung des Architektenvertrags um eine Variantenprüfung seiner Ansicht nach gegen geltendes Recht verstoße. Denn wesentliche Änderungen eines öffentlichen Auftrags erforderten ein neues Vergabeverfahren, so Hatje.

Das wochenlange Tauziehen um den Bau der Tiefgarage wurde Ende Mai im städtischen Ausschuss für kommunale Dienstleister entschieden: Es wird im neuen Rathaus keine Tiefgarage geben. Prekär: Im neuen Stadtverordnetenkollegium hätten Grüne und SPD keine Mehrheit gehabt, um die Tiefgarage gegen CDU und FDP zu verhindern.

Hatjes Bedenken haben sich mittlerweile nicht bestätigt. Der Architekt kann mit der Planung des Rathauses ohne Tiefgarage beginnen. Aber für einen Bauantrag muss feststehen, wo die 96 Stellplätze alternativ entstehen sollen. Davon hängen Freiraum- und Verkehrsplanung im Baugebiet ab. Das Kieler Ministerium als Fördergeldgeber muss den geänderten Plänen zustimmen. Das könnte anderthalb Jahre dauern.