Elmshorn

Dieses Restaurant hat keine Öffnungszeiten

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Anne Dewitz

Foto: Anne Dewitz / HA

Beim „Lyrikates Klangmenü“ am Sonnabend, 3. September, im Restaurant Mercator in Elmshorn wird zum Essen Kultur serviert.

Elmshorn.  Ein Restaurant ohne Öffnungszeiten und Speisekarte? Wie soll das funktionieren? Im Mercator, direkt neben den Kölln-Werken an der Hafenstraße in Elmshorn, funktioniert das ungewöhnliche Konzept seit einem Vierteljahrhundert sehr gut. Dort werden Gäste bekocht, wenn sie in Gruppen von mindestens zehn Personen kommen und sich telefonisch angemeldet haben. Ein festes Menü braucht es nicht, denn Küchenchef Uwe Früchtenicht kocht nach Wunsch.

Zahlreiche Politikergrößen waren schon zu Gast

Das Restaurant im historischen Ständerhaus aus dem 17. Jahrhundert gehört zu den Peter-Kölln-Werken. Die Versuchsküche für Kölln Flocken befindet sich ebenfalls hier. Hier probiert der Küchenprofi unter anderem neue Haferkompositionen für den Flagshipstore in Hamburg aus.

Gegessen haben hier schon die Ministerpräsidenten Heide Simonis und Peter Harry Carstensen, Verteidigungsminister Franz Josef Jung und der mittlerweile verstorbene FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle – allesamt Gäste des einflussreichen Firmenchefs Hans Heinrich Driftmann, der in diesem Jahr starb. Auch Kanzlerin Angela Merkel speiste schon hier. Genauso wichtig und lieb sind Uwe Früchtenicht Gäste ohne Rang und Namen. „Das Lieschen Müller, das auf einen besonderen Restaurantbesuch gespart hat, würdigt das Essen meist ganz anders als ein Geschäftsmann, der sich auf den Abschluss eines Vertrages konzentriert“, so der Spitzenkoch.

Am 3. September können sich auch Gäste im Mercator verwöhnen lassen, die nicht mit einer größeren Gruppe erscheinen. Unter dem Motto „Lyrikates Klangmenü“ tragen Künstler skurrile und erfrischende Gedichte und Lieder von Ringelnatz bis Otto Waalkes vor, aber auch Eigenkompositionen. Sie halten sich unterhaltsam an die Menü-Abfolge. Die beiden Musiker Stephanie Ebel und Bodo Will von Glüxklang werden mit Gitarre, E-Piano, Percussion und Gesang Oldies, Balladen, Pop und Eigenkompositionen vortragen. Das Programm wird ergänzt durch Sprach- und Stimmlehrerin Beate Winkler.

Den passenden Rahmen bietet das Gebäude selbst. 1985 wurde das Haus restauriert. Dabei wurden kunstvolle Deckenmalereien aus der Biedermeierzeit sowie filigraner Stuck im Salon freigelegt. Im älteren Teil des Hauses befindet sich der „Pesel“, eine gemütlichen Stube, mit Original Delfter Kacheln und historischen Holzpaneelen.

Nach drei Jahren wurde der Restaurantbetrieb umgestellt

Die Porträts der Familie Kremer im Flur zeugen davon, dass das Haus deren einstiger Stammsitz war. Die Kremers verkauften es, als sie mit ihrer Werft 1975 Konkurs gingen. Ernsthermann Kölln kaufte Haus und Grundstück und machte daraus ein Restaurant. „Drei Jahre haben wir hier auf normalen Restaurantbetrieb gesetzt“, sagt Früchtenicht. Das rechnete sich nicht. „Das Restaurant war nicht immer voll, und mit zwölf Angestellten waren die Personalkosten zu hoch“, so Früchtenicht. Heute gibt es fünf Angestellte. „Wir bilden auch Köche aus.“ Der Vorteil für den Azubi: Er lernt nicht nur die Gerichte einer Speisekarte rauf und runter zu kochen, sondern flexibel zu bleiben. „Unsere Auszubildenden schneiden oft sehr gut ab und machen Karriere“, sagt er. So hätten es einige in leitende Positionen – zum Beispiel bei Fly Emirates oder im Hotel Adlon in Berlin – geschafft. Für ihn ist der Beruf immer noch ein Traumjob. „Er ist krisenfest, abwechslungsreich und hoch angesehen.“ Bei entsprechender Qualifikation würden im In- und Ausland viele Türen offen stehen.

Er selbst lernte im „Glückstädter Ratskeller“ und verfeinerte sein Können im Münchner „Vier Jahreszeiten“ und weiteren renommierten Häusern wie dem Carlton Hotel St. Moritz oder im Atlantik Hotel Hamburg. Der Küchenchef kann ein breites Repertoire an internationalen Gerichten ab-
decken. „Letztens hatten wir eine Firma hier, die mit Indern verhandelt. Für die habe ich dann neue indische Rezepte ausprobiert“, sagt der 54-Jährige, dessen Frau ebenfalls im Mercator arbeitet. Getestet werden die Neuerungen zunächst in der Familie. Wenn`s ihr schmeckt, wird es den Gästen serviert.

Das „Lyrikate Klangmenü“ findet am Sonnabend, 3. September, von 19 Uhr an im Restaurant Mercator, Hafenstraße 16, in Elmshorn statt. Die Karten kosten 58 Euro. Im Preis enthalten ist ein Fünf-Gänge-Menü. Getränke werden extra berechnet. Reservierungen sind unter 04121/636 38 möglich.

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