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Kreis Pinneberg

Eine Artisten-Dynastie will die Spur halten

Die Traber-Familie (v. l.): Hans-Lutz und seine Frau Petra, Enkel Louis, Sohn Johnny, Enkel Johnny junior und Schwiegertochter Silvana

Die Traber-Familie (v. l.): Hans-Lutz und seine Frau Petra, Enkel Louis, Sohn Johnny, Enkel Johnny junior und Schwiegertochter Silvana

Foto: Angelika Hillmer / HA

Der Name Traber steht seit 1799 für Hochseilakrobatik und andere Kunststücke. Ein Teil der Familie setzt auf starke Autos.

Mit seinen Monstertrucks waren sie schon in Fernsehshows von Mario Barth, Stefan Raab und Florian Silbereisen zu sehen. Nun kommen Hans-Lutz Traber und Familie mit ihren tollkühnen Darbietungen nach Pinneberg und Elmshorn. Die Stuntmen springen mit dem Motorrad über Menschen und Autos hinweg und durch Feuerbarrikaden hindurch. Sie fahren mit Autos und Traktoren auf zwei Rädern, machen 180-Grad-Wendungen, sodass es einem Ballett auf vier Rädern gleicht, inszenieren spektakuläre Saltos und Frontalcrashs.

Der Name Traber ist gewissermaßen ein Synonym für tollkühn. Dahinter steht eine der berühmtesten Artistenfamilien weltweit. Sie präsentiert nachweislich seit dem Jahr 1799 Hochseilartistik – über 14 Generationen hinweg. Drei Gruppen der verzweigten Dynastie ziehen noch immer als Artisten umher. „Die Hochseilartistik wird aber in der Familie in Zukunft keine Rolle mehr spielen“, sagt Hans-Lutz Traber.

Er selbst wagte sich als junger Mann noch in schwindelerregende Höhen. Seine Eltern – sein Vater ist Albert Traber – machten es ihm vor. „Als junger Mensch macht man sich nicht viele Gedanken“, sagt der heute 67-Jährige. Doch mit Mitte 30 kamen die Zweifel, und mit 36 Jahren hörte er mit der Hochseilartistik auf. „Ich konnte nicht mehr so gut gucken, und nach mehreren Todesfällen in der Familie war ich nicht mehr mit dem Herzen dabei.“ Bei den waghalsigen Kunststücken auf dem Hochseil gibt es kein Netz, keinen doppelten Boden. Jeder Fehltritt bedeutet den Tod. Tanten und Onkel starben bei Stürzen in die Tiefe.

Wie gefährlich der Drahtseilakt ist, zeigte auch ein Unfall am 21. Mai 2006: Johann Traber, damals 22 Jahre alt, verunglückte in Hamburg am Jungfernstieg, als der Mast knickte, auf dem er stand. Dabei wurde Traber schwer verletzt. Er entkam nur knapp dem Tod. „Die Ärzte hatten damals wenig Hoffnung, dass er überlebt. Und falls doch, dann als Pflegefall“, sagt Hans-Lutz Traber. Johann Traber ist der Sohn seines Cousins Johann Traber senior. „Nach vielen Jahren Reha ist Johann aber wieder selbstständig unterwegs. Er hat mittlerweile geheiratet und fährt wieder Auto.“ Doch der Unfall beendete seine Artistenkarriere.

Heute überkommt Hans-Lutz Traber schon ein Gefühl von Panik, wenn er auf den drei Meter hohen Wohnwagen klettern soll, um das Dach zu putzen. „Ich bin nicht mehr schwindelfrei“, sagt er. „Ich weiß gar nicht, wie ich das als junger Mann geschafft habe.“ An seinen Sohn Johnny (42) hat er die Kunst auf dem Hochseil nicht weitergegeben.

1967, bei einem Besuch in Mexiko, lernte er die Helldriver-Szene kennen. Die Mexikaner kamen anschließend auch nach Deutschland. So entstand die Idee, Stunts mit Fahrzeugen und Hochseilartistik zu kombinieren. Das kam beim Publikum viele Jahre gut an. In den 80ern allerdings ließ das Interesse nach. „Dann haben wir 1986 mit den Monstertrucks angefangen und sie als Erste aus den USA nach Europa gebracht“, so der Showman. „Man geht ja mit der Zeit.“

Die Bauteile aus den USA werden in Deutschland zusammengesetzt. Damit gleicht kein Truck dem anderen. Die Trabers besitzen zwei Monstertrucks, „Car Killer“ und „Hellboy“, gedrosselt auf 380 und 640 PS . „In den USA fahren die mit 1000 PS. Das ist in Europa nicht zugelassen“, sagt Traber. Auf engem Raum wäre ein Monstertruck mit 1000 PS auch kaum kontrollierbar. Drei Meter breit, drei Meter hoch, vier Tonnen schwer: Die Trabers zerquetschen damit Autos. Drei bis vier Wagen werden pro Show zu Schrott gefahren.

90 Minuten dauert die Vorstellung. Die einzelnen Stunts werden mit Musik und Animationen begleitet. „Wir erklären den Zuschauern einiges, sodass sie auch etwas lernen“, sagt Traber.

Bei all dem Spektakel habe die Sicherheit des Publikums immer oberste Priorität. In fast 40 Jahren Stuntshows sei nie etwas passiert. Traber verbürgt sich für ein seriöses, jedoch spannendes Programm. „Wir sind Profis. Was wir machen, nehmen wir ernst.“

Doch Unfälle in der Branche kommen vor. „Vor drei Jahren gab es bei der Show eines Hobbystuntfahrers in Holland einen tödlichen Unfall“, sagt Traber. Das habe sich auch auf sein Geschäft negativ ausgewirkt. Drei Jahre lang traten die Trabers mit ihrer Stuntshow nicht mehr auf.

Das Geschäft ist hart. Um die Zukunft seiner drei Enkelsöhne Marcel (26), Luis (17) und Johnny (13) macht sich Hans-Lutz Traber schon Gedanken. Sie treten auch in den Shows auf. „Marcel fährt die Monstertrucks und Auto-Crashs, Luis ist Motorradspezialist, und Johnny steigt gelegentlich aufs Quad“, sagt er nicht ohne Stolz. Doch er möchte, dass sie einen Beruf lernen, von dem sie leben können, wenn es als Artist nicht weitergehen sollte. Es wird immer schwieriger, mit den Stuntshows Geld zu verdienen, denn Veranstaltungsflächen sind rar. „Festplätze werden zugemacht, Jahrmärkte in die Fußgängerzonen verlegt“, sagt er. Die Trabers weichen auf Supermarkt-Parkplätze aus. Und mit 30 Gruppen in Deutschland, die ähnliche Shows anbieten, sei die Konkurrenz groß. Zudem gebe es heutzutage ein so breites Veranstaltungsangebot, dass es schwerer werde, das Publikum zu erreichen. Eine Veranstaltung pro Woche – davon könne man kaum leben. Hans-Lutz Traber seufzt. Zu Vater Alfreds Zeiten gab es solche Probleme nicht.

Und dennoch, das Artistenleben ist auch ein aufregendes. „In den letzten 30 Jahren haben wir die Welt gesehen“, sagt Traber, dessen fester Wohnsitz in Selfkant in Nordrhein-Westfalen liegt, ein Rückzugsort nach der Tournee, die von April bis Oktober geht. Und wenn die Kasse öffnet und die Besucher hereinströmen, steige bei ihm immer noch die Spannung. Wenn das Publikum am Ende applaudiert, ist er stolz.