Pinneberg
Tourismus

Helgoland soll Feinschmecker-Insel werden

Das Restaurant am Hotel auf den Hummerklippen Maxses Dining Room wurde saniert und bietet nun englische Tea Time.

Das Restaurant am Hotel auf den Hummerklippen Maxses Dining Room wurde saniert und bietet nun englische Tea Time.

Foto: Katy Krause / HA

Fernsehkoch und Spitzengastronom entwickelt als Berater neues Gastro-Konzept mit. Von Juli an kommen Gäste in den Genuss.

Helgoland.  „Es wird jetzt etwas schneller – gut festhalten!“, ruft Unternehmer Detlev Rickmers den Gästen auf dem neuen Boot „Hel go Land“ noch zu. Dann geht es mit voll Karacho über die Wellen vor der Hochseeinsel Helgoland. Der rote Kreidefelsen wird ins Abendlicht getaucht, der Horizont wirkt grenzenlos. Es ist eine traumhafte Kulisse, vor der Besucher dank des neuen Bootes zukünftig dinieren können. Denn die „Hel go Land“ ist Teil einer Gastro-Initiative, an der der Helgoländer Hotelier Rickmers maßgeblich mitwirkt und mit deren Hilfe die Insel weiter an Fahrt im Tourismusgeschäft aufnehmen will.

Bei der neu gegründeten Klippen Kulinarik GmbH und Co. KG geht es darum, die Ressourcen besser zu nutzen und die Insel so aus ihrem gastronomischen Dornröschenschlaf zu erwecken. Die Inselbesucher sollen mehr Anlaufstationen und vor allem mehr Vielfalt geboten bekommen – und das eben auch zu Wasser als SchwimmBar und an Land mit einer beweglichen Bar. Zudem eröffnen Restaurants wieder, die in den vergangenen Wochen aufwendig modernisiert und deren Speisekarten umgestellt wurden. Helgoländer und Besucher kommen von Juli an so in den Genuss thailändischer Küche (Restaurant Lung Wai, Friesenstraße 56), englischen Flairs (Maxses Dining Room, Am Falm 302) und eines Hummerrestaurants in den Hummerbuden (Seafood).

Anlass für die Genussinitiative war eine Befragung der Gäste, die den kulinarischen Bedarf offenbart hatte. Die Besucher bemängelten das fehlende Angebot, wünschten sich unter anderem ein asiatisches Restaurant auf der Insel. Außerdem stellte sich dabei heraus: Desto einkommensstärker die Besucher sind, desto weniger geben sie auf der Insel aus. „Anspruchsvollere Gäste finden hier einfach nichts, um ihr Geld auszugeben“, folgert Rickmers daraus, der das ändern will. Sein Gegenrezept stellte er der Helgoländer Gemeinde 2017 vor. Mit Erfolg. Die Politiker stimmten dem Konzept zu, das Anfang jetzt auch für die Gäste deutlich sichtbar umgesetzt wird.

Bewegliche Bar darf bis zur Langen Anna fahren

Ins Rollen soll unter anderem die BewegBar kommen. Dem knallroten Imbisswagen sind dank Genehmigung der Gemeinde fast keine Grenzen gesetzt. Er darf sich sogar auf dem Oberland im Bereich des gut besuchten Wahrzeichens Lange Anna bewegen. Dort gibt es bislang weit und breit keine gastronomische Anlaufstation. „Ich halte es für einen der größten Fehler beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, dass an diesem zentralen Urlaubserlebnis nicht wieder eine Gastronomie vorgesehen wurde“, sagt Rickmers. Wenn das elektrisch betriebene Vehikel die Kennzeichen hat, soll es losgehen. Rickmers hofft, dass es in der kommendende Woche so weit ist. Auf der Karte stehen dann: Knieper-Wraps, Cookies, dazu gibt’s Kaffee und Champagner. Als Sitzgelegenheit werden durch Wind aufblasbare Gummimöbel angeboten.

Not macht erfinderisch. Denn der Plan, wieder wie einst ein richtiges Café an der Langen Anna zu etablieren, ist aufgrund der Auflagen im Naturschutzgebiet mit zahlreichen Hürden verbunden. „Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Helgolands Tourismuschef Lars Johannson. Er betont aber, dass langfristig an dem Ziel festgehalten wird. Der Tourismuschef begrüßt Rickmers’ Engagement und stellt fest, dass die Gastronomen auf der Insel allgemein erkannt haben, dass sich mehr bewegen muss. So wurde auf Initiative der Gemeinde hin eine Stammtisch für die Inselgastronomen ins Leben gerufen. Herausgekommen sind bislang Ideen wie eine gemeinsame Facebook-Seite, ein Infoflyer sowie abgestimmte Öffnungszeiten. Zudem wurde ein Workshop mit Fernsehkoch Ole Plogstedt organisiert.

Mit seiner kürzlich gegründeten Kulinarik-Firma geht Rickmers aber einen Schritt weiter. Mit einer im Oberland angesiedelten zentralen Produktionsküche will er die Voraussetzung für eine rentablere Inselgastronomie schaffen. Ziel ist es, dass die Restaurants auch in den Wintermonaten geöffnet bleiben und dadurch das Tourismusgeschäft in der Nebensaison weiter angekurbelt wird. Fast eine Viertelmillion Euro investiert der Unternehmer in den Küchenumbau des Hotels auf den Hummerklippen. Bis zum 29. Juni soll die 240 Quadratmeter große Produktionsküche fertig sein, mit der bis zu 300 Essen zubereitet werden können. „So etwas gab es auf Helgoland bislang nicht“, betont Rickmers. Mit der Produktionsküche will er seine mittlerweile sieben Restaurantbetriebe versorgen sowie externe Anfragen für Cateringevents oder andere interessierte Inselunternehmer abwickeln. Der aufkommenden Sorge vor einer einseitigen Systemgastronomie begegnet er gelassen. Nur weil die Speisen aus einer Küche kämen, wären nicht alle Speisen gleich, so Rickmers.

Berater Otto Koch war Chef einiger Sterne-Küchen

Damit das Gastkonzept zündet, hat sich der Hotelier zudem einen prominenten Experten ins Boot geholt. Szenekennern ist Otto Koch schon lange ein Begriff, Laien kennen den Süddeutschen aufgrund seiner zahlreichen Fernsehauftritte. Koch leitete Sterne-Küchen, unter anderem eine in München. Nun wirkte er an der kulinarischen Weiterentwicklung der Hochseeinsel mit. „Die Erwartungen der Menschen an die Gastronomie sind einfach höher geworden, weil sie die Welt bereisen und dadurch mehr kennenlernen“, erläutert Koch. Helgoland müsse dem Rechnung tragen. Rickmers verweist zudem auf die seit 2006 stagnierenden Besucherzahlen, die bei etwas mehr als 300.000 Gästen pro Jahr liegen. „Das ist für Helgoland das unterste Niveau. 500.000 müssten Ziel sein“, so Rickmers.

Ob die Feimschmecker-Offensive mit echtem Helgoländer Hummer, asiatischem Mittagsmenü für 29,50 Euro und englischer Tea Time am Ende den Gästen schmeckt, wird sich zeigen. Klar ist: Damit das Konzept aufgeht, braucht es Personal. 48 Mitarbeiter werden benötigt, und noch hat Rickmers die Mannschaft nicht beisammen.