Pinneberg
Artenschutz

Der Kreis „Bieneberg“ soll wieder summen

Kressen Thomsen und Imker Sebastian Rolke bei der Arbeit am Bienenstock: 155.000 Bienen residieren in den kommenden Wochen an der Futterhaus-Zentrale in Elmshorn

Kressen Thomsen und Imker Sebastian Rolke bei der Arbeit am Bienenstock: 155.000 Bienen residieren in den kommenden Wochen an der Futterhaus-Zentrale in Elmshorn

Foto: Nadine Giese-Schulz / HA

Viele Firmen, Gemeinden und Städte im Kreis Pinneberg gehen auf kreative Art und Weise gegen das Bienensterben vor.

Kreis Pinneberg.  Rund um die Futterhaus-Zentrale in Elmshorn summt und brummt es: Mehr als 150.000 Honigbienen haben in zwei grün-gelben Kästen auf der Wiese hinter dem Bürogebäude des Fachhändlers über den Sommer eine Bleibe gefunden. Das Projekt soll Natur und Mitarbeitern gleichermaßen zugute kommen.

Die beiden Bienenvölker gehören der sozialpädagogischen Imkerei Meise3 in Moorrege. Mit dem Aufstellen der Bienenkästen auf der naturbelassenen Ökofläche engagiert sich der Elmshorner Fachhändler für Tiernahrung und -zubehör für den Natur- und Artenschutz. Orlen Deutschland hat die Fläche zur Verfügung gestellt.

Bienen sind vom Aussterben bedroht. Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes ist die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als eine Million zurückgegangen. Ursächlich sind Pflanzenschutzmittel, Parasiten und immer kleiner werdende Lebensräume. Dabei spielen Bienen eine große Rolle für das Ökosystem, denn der Großteil der Pflanzenarten – etwa Nutzpflanzen oder Obst- und Gemüsepflanzen – sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen und somit für die Ernährung der Menschen wichtig.

Kreis will Grünflächen für Bienen attraktiver machen

Doch nicht nur die Natur profitiert vom Bienenprojekt. Unter Anleitung des erfahrene Imkers Sebastian Rolke können sich die Mitarbeiter in den kommenden Wochen aktiv an der Pflege der Bienenstöcke beteiligen. „Die Auseinandersetzung mit diesem faszinierenden und auch wichtigen Tier bedeutet nicht nur, die Bienen in ihrer Umwelt zu beobachten, sondern sich dabei ebenso selbst wahrzunehmen“, erklärt der Imker aus Moorrege, der mit seinen Bienen seit mehreren Jahren in der Jugendarbeit tätig ist.

Herwig Eggerstedt, geschäftsführender Gesellschafter von Das Futtehaus, freut sich auch aus persönlichen Gründen sehr über die Bienen hinter seiner Firmenzentrale: „Ich selbst finde Bienen total interessant und bin sehr gespannt auf die Workshops mit unserem Imker. Eine Stunde am Bienenkasten an der frischen Luft macht den Kopf frei und stärkt das Miteinander. Wir freuen uns schon auf den ersten eigenen Honig.“

Die Notwendigkeit, Bienen und andere nützliche Insekten zu schützen, dringt auch andernorts immer mehr ins Bewusstsein vor. Auf Kreisebene kommt etwas in Bewegung. In seiner Sitzung am 21. Februar forderte der Pinneberger Kreistag die Verwaltung auf, ein Konzept für die insekten- und vogelfreundliche Gestaltung und Pflege der Grünflächen bei allen Kreis-Liegenschaften zu erstellen. Dabei sollen die Erfahrungen aus kreisangehörigen Gemeinden einbezogen werden, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Gepflanzt werden sollen Gehölze und Pflanzen, die sich als Schutzgehölze für Vögel oder als Nahrungsquelle für Insekten gut eignen. Diese Gehölze und Pflanzen sollen aus der Region stammen oder typisch für die hiesige Region sein. Die Grünflächen sollten so konzipiert werden, dass in der Pflege auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann. Umgesetzt werden sollen die Maßnahmen aber erst ab 2019.

Der Kreistag regte außerdem an, dass auch die kreisangehörigen Gemeinden ihre Grünflächen insekten- und vogelfreundlich gestalten sollen.

Tornesch geht bereits mit gutem Beispiel voran. Der städtische Bauhof sät seit drei Jahren in jedem Frühjahr eine Blumenwiese aus. Diese dient nicht nur der Verschönerung des Stadtbildes, sie bietet auch Insekten eine Basis zum Leben. „Tornesch ist schon vor 20 Jahren als umweltfreundliche Gemeinde ausgezeichnet worden“, sagt Bürgermeister Roland Krügel.

In diesem Jahr hatten der Gärtnermeister und stellvertretende Leiter des Bauhofes, Marcel Möller, und sein Team unter anderem eine Blumenwiese am Kleiner Moorweg/Ecke Kuhlenweg angelegt, an der eine neue Eigenheimsiedlung angrenzt. Oft sind deren Gärten oft alles andere als insektenfreundlich. In vielen Vorgärten bestimmen kurzgemähter Rasen und Kieselbeete das Bild. „Hier könnte noch einiges umweltfreundlicher gestaltet werden“, so Krügel. Zum Beispiel durch die Auswahl insektenfreundlicher Pflanzen. Zudem bräuchten Insekten Totholz.

Auch im Oha-Gewerbegebiet in Tornesch sind Bienenstände zu finden.

Am Rand von Feldern blühen gelegentlich Persischer Klee, Sonnenblumen, Phacelia, Wicke und Ringelblumen. Die Blühstreifen werden von Landwirten angelegt, um Bienen und Co. eine Nahrungsquelle zu bieten. Offiziell waren 2017 im Kreis Pinneberg 200 Hektar Blühstreifen gemeldet. Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, geht davon aus, dass diese Zahl mindestens gleich geblieben, wenn nicht sogar gestiegen ist. Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor.

Er schätzt aber, dass die doppelte Fläche als Bienenweide genutzt wird, sowohl in der Geest als auch in der Marsch. Die EU zahlt für Blühstreifen einen Zuschuss für die Saat und den Arbeitsaufwand von 750 Euro pro Hektar. Nicht jeder Landwirt beantragt die Prämie, denn sie ist an viel Bürokratie gebunden.