Pinneberg
Tornesch

So funktioniert die Wanderbaustelle der Bahn

Am Bahnhof Tornesch werden die Gleise erneuert. Im Vordergrund ist die Stopfmaschine zu sehen, dahinter steht der Gleisumbauzug

Am Bahnhof Tornesch werden die Gleise erneuert. Im Vordergrund ist die Stopfmaschine zu sehen, dahinter steht der Gleisumbauzug

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Bis 2. Mai werden sechs Kilometer Strecke zwischen Pinneberg und Elmshorn erneuert. Fahrgäste beschweren sich über die Folgen.

Tornesch.  Der Lärm ist ohrenbetäubend, die Staubwolke riesig: Ganz langsam fährt der Stopfzug am Dienstag über die neu verlegten Gleise im Bereich des Bahnhofs Tornesch – beobachtet von den Reisenden auf dem Bahnsteig gegenüber. Die warten auf einen der wenigen Züge, die noch fahren. Die Bahn erneuert seit dem 29. März Gleise, Schwellen und den Unterbau auf einem Abschnitt zwischen Pinneberg und Elmshorn. Sechs Millionen Euro werden bis zum 2. Mai investiert. Bis dahin müssen sich Pendler und Reisende auf erhebliche Behinderungen einstellen – ebenso wie die Autofahrer, da viele Bahnübergänge gesperrt sind.

„Die Gleise sind 25 bis 30 Jahre alt und haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Daher seien die Arbeiten unumgänglich. „Wir haben uns extra die Ferienzeit ausgesucht, um so wenige Pendler wie möglich zu treffen. Reisende sind nur einmal betroffen, Pendler aber jeden Tag“, sagt der Bahnsprecher. Der erste Abschnitt zwischen Pinneberg und Tornesch (2124 Meter Länge) sei planmäßig am 5. April abgeschlossen worden. Meyer-Lovis: „Derzeit arbeiten wir bis zum 12. April am zweiten Abschnitt, der ein 1939 Meter langes Teilstück zwischen Tornesch und Elmshorn betrifft.“ Es folge bis 2. Mai das andere Gleis zwischen Tornesch und Pinneberg auf 2020 Meter Länge.

Auf den sechs Kilometer, auf denen die Gleise erneuert werden, baut die Bahn zudem 10.000 neue Schwellen ein und lässt 10.000 Tonnen Schotter austauschen. Bis zu 100 Bauarbeiter sind in Spitzenzeiten im Einsatz, um so schnell wie möglich fertig zu werden. Der Großteil der Arbeiten erfolgt mithilfe von Spezialmaschinen. So kommt ein Gleisumbauzug zum Einsatz, der gleichzeitig die alten Schwellen aufnehmen und abtransportieren und in einem weiteren Arbeitsschritt die neuen Schwellen einsetzen und den Schotter ausbringen kann. Anschließend erfolgen Lasermessungen durch einen Messtrupp, ehe ein Stopfzug den Schotter richtig verteilt und eventuelle Unebenheiten in den Gleisen zurechtbiegt.

Wegen der Bauarbeiten steht zwischen Pinneberg und Elmshorn nur eines von zwei Gleisen zur Verfügung. „Die Folge ist, dass wir nur die Hälfte der Züge durchkriegen“, sagt Meyer-Lovis. Weil der Großteil der Passagier- und Güterzüge in Schleswig-Holstein dieses Nadelöhr passieren müsse, sei die Planung schwierig. „Wir versuchen, so viel wie möglich fahren zu lassen. Daher passen wir ständig das Fahrplankonzept dem Baustellenverlauf an.“ Er empfiehlt, in den elektronischen Medien nachzusehen, welche Verbindungen möglich sind. Meyer-Lovis spricht von „wenigen Beschwerden“, die die Bahn bezüglich der Baustelle erreichen.

Anders sieht es beim Nahverkehrsverbund nah.sh aus. Sprecher Dennis Fiedel spricht von einer „deutlich wahrnehmbaren Zahl an Beschwerden“. Moniert würden ausgefallene Züge, erhebliche Verspätungen sowie fehlende beziehungsweise falsche Fahrgasthinweise. Fiedel: „Bei uns kommt an, dass es nicht rund läuft.“ Nach seiner Kenntnis seien die Züge, die noch fahren, völlig überfüllt. Der Busersatzverkehr, der zusätzlich zwischen Pinneberg und Elmshorn angeboten wird, werde dagegen nur in Spitzenzeiten genutzt. „Weil die Busse viel länger brauchen, warten die Menschen im Zweifelsfall lieber auf den nächsten Zug“, so Fiedel weiter. Er berichtet, dass vorige Woche technische Probleme bei DG Regio die Lage zusätzlich verschlimmert hätten. „Einige Züge konnten nur mit vier statt mit acht Wagen verkehren. Wir wissen von Fahrgästen, die nicht mehr mitgenommen werden konnten.“

Bahnkunden haben keinen Anspruch auf Entschädigung

Sein Unternehmen beantworte die Beschwerden selbst oder leite sie an die betroffenen Bahnunternehmen weiter. Anspruch auf eine Entschädigung gebe es nur bei Zugverspätungen von mehr als 20 Minuten, nicht jedoch aufgrund der Baustellenproblematik. „Die Bauarbeiten müssen sein“, sagt der Sprecher von nah.sh. Er kritisiert jedoch, dass DB Netz als Betreiber des Schienennetzes viele Jahre deutlich zu wenig in die Infrastruktur investiert habe. „Jetzt beobachten wir seit drei bis vier Jahren eine intensive Bautätigkeit.“

Immerhin hat Bahnsprecher Meyer-Lovis auch positive Nachrichten parat. „Wir liegen im Zeitplan und haben noch einen Puffer eingeplant. Daher gehen wir davon aus, dass wir am 2. Mai wie geplant fertig werden.“ Der Abschnitt zwischen Pinneberg und Elmshorn bleibe außerdem mindestens für zwei Jahre von weiteren Bautätigkeiten verschont. „Wir werden nächstes Jahr nördlich von Elmshorn etwas machen.“