Pinneberg
Haselau

Leni Rieke: Die spät berufene Galeristin

Leni Rieke in ihrer Haselauer Galerie Cavissamba. Sie stellt Malerei, Skulpturen und Fotografien aus

Leni Rieke in ihrer Haselauer Galerie Cavissamba. Sie stellt Malerei, Skulpturen und Fotografien aus

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Erst als das Kind erwachsen war, erfüllte sich die 53-Jährige ihren Traum von der eigenen Galerie. Gerade beginnt eine neue Austellung.

Haselau.  „Ich mache das aus Leidenschaft. Kunst ist eigentlich ein hartes Geschäft“, sagt Leni Rieke mit Blick auf ihre Galerie Cavissamba. In Haselau präsentiert die 53-Jährige nicht nur zeitgenössische Kunst, sondern hat ein kleines Kulturzentrum geschaffen.

Der Name der Galerie verweist auf ihre Wurzeln. Geboren wurde Leni Rieke in Angola. Die Großeltern väterlicherseits waren nach dem Zweiten Weltkriegs von Schlesien in den Süden Afrikas ausgewandert. Ihr Vater heiratete eine Einheimische. Cavissamba heißt „Herzlich willkommen“ in der Sprache der angolanischen Ureinwohner. Denselben Namen trug die Farm, die ihre Eltern bis 1975 bewirtschafteten. Wegen den Unruhen vor und nach der Unabhängigkeit Angolas verließ die Familie das Land und siedelte nach Hamburg über.

Als 14-Jährige wurde Leni Rieke auf Leni Riefenstahl aufmerksam. Erst war sie nur von deren Vornamen fasziniert, sie hatte vorher keine zweite Leni gekannt. Dann fiel ihr Fokus auf Riefenstahls Fotografien und Filmen. Die Propaganda für die Nazis mal ausgeklammert, ist Leni Rieke nach wie vor von der Ästhetik der Riefenstahlschen Werke beeinflusst.

Mit 14 bekam sie zum Geburtstag ihre erste Kamera, später machte sie eine Ausbildung zur Industriefotografin. Ihre künstlerischen Ambitionen musste sie als alleinerziehnde Mutter dann allerdings hintanstellen. In der Pflege wurde das nötige Geld verdient.

Vor sieben Jahren – die Tochter war selbstständig und aus dem Haus – begann Leni Rieke wieder als Fotografin zu arbeiten, Schwerpunkt Porträt- und Hochzeitsfotografie. Doch: „Es gab nur wenige Möglichkeiten, meine Bilder ausszustellen“, klagt sie. Deswegen eröffnete sie für sich und andere Künstler die Haselauer Galerie. „Kunst und Genuss, das wollen die Menschen haben“, hat die agile Frau entdeckt.

2017 musste die Galeristin aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten, doch jetzt legt sie wieder los. Ein Ausstellung mit vier Künstler steht an. Seit Kurzem ist Leni Rieke auch Vorsitzender des Haselauer DRK-Ortsvereins, will dabei das Thema Kunst und soziales Engagement auf die Tagesordnung setzen.

Vernissage: Sa 24.3., 16 Uhr, Werke von Gudrun Probst, Martin Musiol, Saskia Stüben, Moses Dirutwe, Haseldorfer Chaussee 45, geöffnet Fr–So 14–18 Uhr