Pinneberg
Haseldorf

Geschichten von harter Arbeit in der Marsch

Zwei Männer beim Gebrauch der Schöpfschaufel in der Elbmarsch – eine körperlich sehr anstrengende Arbeit

Zwei Männer beim Gebrauch der Schöpfschaufel in der Elbmarsch – eine körperlich sehr anstrengende Arbeit

Foto: Industriemuseum / HA

Haseldorfer Elbmarschenhaus zeigt Sonderausstellung mit Filmen und Informationen über historische landwirtschaftliche Gerätschaften.

Haseldorf.  Früher war nun wirklich nicht alles besser. Eine körperlich ziemlich anstrengende Arbeit war etwa die in der Elbmarsch übliche Grabenreinigung, das sogenannte Grabenkleien. Die Arbeit war notwendig, um die hinter dem Deich liegenden Flächen trockenzulegen und sie überhaupt landwirtschaftlich nutzen zu können. Wie das genau vor sich ging und welche Gerätschaften man dafür benutzte, zeigt die Sonderausstellung „Historische landwirtschaftliche Gerätschaften. Staunen–Verstehen–Ausprobieren“ im Elbmarschenhaus, die am 15. Februar, eröffnet wird.

Das plattdeutsche Wort „kleien“ bedeutet in diesem Zusammenhang: in etwas herumwühlen. Eine großartige Sache für kleine Jungen und Mädchen. In der Landwirtschaft der 50er- und 60er-Jahre war es jedoch kein Kinderspiel, sondern reine Männersache. Die Marsch war von vielen parallel verlaufenden Gräben durchzogen. Sie mündeten in Vorfluter, genannt Wettern. Ein Schöpfwerk entleerte die Wettern dann in die Elbe oder die Pinnau.

Mitmachaktionen und Filmvorführungen

Um die Gräben frei zu halten, wurde eine Reihe unterschiedlicher Schaufeln benötigt: die Rabeitz, die Kleischüffel, auch Mops genannt, und die große Wörbschüffel zum Abschöpfen des Oberflächenwassers. Die Männer rieben sich die Hände mit Melkerfett ein, um Rissen in der Haut vorzubeugen. Gummistiefel waren noch unbekannt, die Arbeiter trugen Lederstiefel, die ebenfalls eingefettet werden mussten, damit sie wasserdicht blieben. Später erleichterten der Bau von Drainagen und der Einsatz von Motorpumpen diese schlecht bezahlte Arbeit.

Immerhin: Die Fische, die die Männer fanden, sobald das Wasser abgelassen war, durften sie behalten. Es soll damals noch viele Aale, Schleichen, Hechte und Weißfische in den Gräben gegeben haben.

„Auch ich stand im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal im Kleigraben und musste mit den alten Hasen Schritt halten. Die anfangs zum Teil blutigen Hände schmerzten, ich war oft dem Weinen nahe, war aber dankbar, wenn man mir half, den steckengebliebenen Stiefel aus dem Schlick zu ziehen. Es war eine verdammt harte Arbeit“, erinnert sich Zeitzeuge Dieter Günther in den „Haseldorfer Nachrichten“.

Das Elbmarschenhaus zeigt die Gerätschaften und erläutert das Grabenkleien mithilfe von Texten und Filmen. Bei Mitmachaktionen kann selbst Hand anlegt werden.

Weiterhin gibt es am Donnerstag, 22. Februar, um 20 Uhr eine Filmvorführung über Techniken der historischen Landarbeit im Bürgerhaus Seestermühe. Einen Film mit ähnlicher Thematik zeigt am Sonntag, 11. März, von 11 Uhr an das Burgkino Uetersen. Die Ausstellung endet Sonntag, 25. März, mit einem Aktionstag.

Sonderausstellung historische landwirtschaftliche Geräte: 15.2. (Eröffnung 18 Uhr) bis 25.3., Elbmarschenhaus Haseldorf, Hauptstraße 26, Öffnungszeiten Mi–So, 10–16 Uhr