Bundesliga im TV

So können Sie heute doch noch HSV gucken

Der Pinneberger Wirt Benjamin Gadow zahlt 471 Euro monatlich für Sky, jetzt musste er Eurosport hinzubuchen, um den HSV zeigen zu können

Der Pinneberger Wirt Benjamin Gadow zahlt 471 Euro monatlich für Sky, jetzt musste er Eurosport hinzubuchen, um den HSV zeigen zu können

Foto: Andreas Daebeler / HA

Wirte im Kreis Pinneberg setzen auf Eurosport und Sky-Kunden, die kündigen. Auch in Hamburg bieten viele Kneipen das Livebild an.

Kreis Pinneberg.  Benjamin Gadow atmet auf. Der Gastronom darf seinen Gästen an diesem Freitag kräftig einschenken. Am Tresen seiner Begas Bar an der Feldstraße in Pinneberg wird’s voll. Denn der HSV spielt auswärts in Köln. Nach dem Wirrwarr um die Neuvergabe der Fernsehrechte für die Fußball-Bundesliga hat Gadow ein Angebot des Bezahlsenders Eurosport angenommen. „Wir dürfen ohne zusätzliche monatliche Gebühr Freitagsspiele zeigen“, so der Wirt. Das hat er schriftlich von Eurosport.

Gadow ist einer von vielen Wirten, die das zunächst bis Ende 2017 befristete Angebot, mit dem Eurosport-Player Fußball zu zeigen, annehmen. Knapp 30 Euro werden jetzt fällig. „2018 wird es sicher teurer“, sagt der Gastronom, der für seine 471 Euro, die er monatlich an Sky überweist, nicht mehr das volle Programm bekommt.

Der VfL Pinneberg will weiter HSV-Spiele sehen

Auch Johannes Kunze, Inhaber des Highlight an der Bekstraße in Wedel, setzt auf Eurosport. Er investierte zusätzlich 120 Euro in einen TV-Receiver, um den Satellitensender HD+ empfangen zu können. „Ich kann nicht anders. Für unsere HSV-Fans muss ich das investieren“, sagt er. Da gerade die ersten drei Spiele des HSV an Freitagen stattfinden, sei seine Sportsbar voll. Ein Problem bei der Übertragung könne er da nicht riskieren. „Über das Internet mit dem Eurosport-Player wäre mir das einfach zu unsicher. Wer weiß, was es damit für Probleme geben könnte.“ Lichtblick: Viele private Sky-Kunden hätten bereits ihr Abonnement gekündigt und kämen nun zu ihm in die Bar.

Apropos Kündigung: Die hat auch Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, losgeschickt. Ab September ist die Zusammenarbeit mit Sky, die den Verein 390 Euro pro Monat kostete, beendet. „Unter den aktuellen Bedingungen lohnt sich das für uns nicht mehr“, so Hönke. Den Eurosport-Player werde der VfL sich zulegen. Die Übertragung der nächsten Spiele des HSV ist somit gesichert. „Allerdings erst an dem kommenden Freitag, wenn die Rothosen gegen Leipzig antreten. „Für diesen Freitag schaffen wir das noch nicht“, so Hönke.

Viele Wirte wollen nur die Spiele des HSV

Auch das Restaurant Lumberjack in Pinneberg hat sich vom Sky-Abonnement getrennt. „Eigentlich werden nur die HSV-Spiele hier geguckt, und das ist mir die 500 Euro im Monat einfach nicht wert“, so der Betreiber. Der Eurosport-Player hingegen könne eine Alternative darstellen. „Super Internet haben wir hier auf alle Fälle, ebenso wie einen an unsere Bildschirme angeschlossenen Computer.“

Für Agnes Schirmacher vom Flora-Stübchen an der Reichenstraße in Elmshorn bedeutet die Freitagsspiel-Problematik: Laptop auf, Beamer an und 30 Euro extra für den Eurosport-Player ausgeben. Für die Wirtin mehr als nur ein zusätzlicher Kostenaufwand. „Wir müssen jetzt ständig umstöpseln, was natürlich auch für uns ein zusätzlicher Arbeitsaufwand ist.“ Zudem empfinde sie es als Frechheit, dass Sky eine zusätzliche Preiserhöhung um 40 Euro vorgenommen habe. Mit dem Streaming über das Internet hat sie keine Probleme. „Wir haben eine super Datenübertragung und schnelles Internet. Das macht mir keine Sorgen.“

In Tornesch bleibt der Bildschirm dunkel

Die ist auch Mike Steingräber nun los. Der Inhaber der Köpi-Stube an der Rethwiese in Pinneberg hat die Bude stets voll, wenn der HSV gezeigt wird. Aber auch nur dann, andere Clubs ziehen nicht. Die Nachricht, drei der ersten vier Saisonspiele der Rothosen mit seinem monatlich 586 Euro teuren Sky-Abo nicht zeigen zu können, traf Steingräber hart. Jetzt hat er sich den Player von Eurosport zugelegt: „Ich habe schon alles getestet, das läuft gut“, sagt Steingräber. Auch das Barcode 23 an der Bahnhofstraße in Pinneberg zeigt Freitagsspiele der Bundesliga – und somit heute ab 20.30 Uhr den Auftritt des HSV in Köln.

Doch nicht alle Wirte atmen auf. In der Vereinsgastronomie des Torneums in Tornesch werde das heutige Spiel nicht gezeigt, sagt Wirt Swen Szaguhn. Er könne nicht einfach den Player buchen. Verträge müsse der FC Union absegnen. Szaguhn hat einen dicken Hals „Eine Frechheit von Sky, dass die kürzlich auch noch Preise angehoben haben.“

In Hamburg selbst haben sich inzwischen viele Sportsbars an die neuen TV-Verhältnisse angepasst. Die Unabsteigbar in Stellingen (Volksparkstraße 81) hat sich auf den letzten Drücker mit dem nötigen technischen Equipment ausgestattet. Auch das Old MacDonald in Eimsbüttel (Stellinger Weg 33) setzt auf die neue App. Public Viewings gibt es außerdem unter anderem in der Schramme 10 in Eppendorf (Schrammsweg 10), im Bahrenfelder (Bahrenfelder Chaussee 85), in der Rieckhof-Kneipe in Harburg (Rieckhoffstraße 12), im Windschirm in Rotherbaum (Hallerplatz 8) und im Knust auf St. Pauli (Neuer Kamp 30).