Pinneberg
Bönningstedt

Gemeinde droht Rechtsstreit um Supermarkt

Rolf Mensching, Eigentümer des Rewe Marktes am Markt in Bönningstedt: Ich werde klagen.

Rolf Mensching, Eigentümer des Rewe Marktes am Markt in Bönningstedt: Ich werde klagen.

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Doch kein Bürgerentscheid in Bönningstedt. Die Gemeindevertreter beschließen Edeka-Projekt. Dagegen will der Rewe-Vermieter klagen.

Bönningstedt.  In Bönningstedt wird Politik gern einmal kompliziert gemacht. So stimmte nach einstündiger Diskussion im Gemeinderat zunächst die Mehrheit von BWG, BfB und Grünen gegen die von CDU und SPD gewünschte Absetzung eines Bürgerentscheids zur Frage, welcher Supermarkt im Ort sich vergrößern oder neu ansiedeln darf.

Eine weitere Stunde und drei Pausen später dann votierte der Gemeinderat fast einmütig mit 13 gegen eine Stimme für das Edeka-Aldi-Projekt, für das der örtliche Ford-Bunge-Händler – auf dessen Gelände an der Kieler Straße 70 es realisiert werden soll – seit vier Jahren um eine politische Entscheidung ringt. Er möchte sich woanders in Bönningstedt neu aufstellen.

Doch diese Grundsatzentscheidung pro Edeka und gegen Rewe ist nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Im Gegenteil. Es drohe ein „faktischer Stillstand“, warnte noch vor dem Ratsbeschluss die Grünen-Vertreterin Anja Ebens, die als einzige dagegen stimmte. Sie könnte Recht behalten. Rolf Mensching, der vor einem Jahr den Gebäude-Komplex am Bönningstedter Markt mit dem 800 Quadratmeter großen Rewe-Markt als Mieter gekauft hat, kündigte gegenüber dem Abendblatt an: „Ich werde die Gemeinde verklagen. Das ist ja Enteignung.“ Wenn sich Rewe nicht auf 1200 Quadratmeter vergrößern dürfe, „ist das eben so. Dann bleibt es aber wie es ist, und wir bleiben da.“ Rewe habe noch sieben Jahre Mietvertrag. Eigentümer Mensching: „Ich habe Zeit.“

Auch die Landesplanung lehnt entschieden die Ansiedlung eines zusätzlichen Lebensmittel-Frischemarktes neben Rewe in Bönningstedt ab, wo es mit Rewe, Aldi, Lidl und Krümet bereits vier Märkte gibt. Nur wenn Rewe aufgebe, könnte ein neuer Frische-Markt genehmigt werden, machte im September 2016 Landesplaner Stefan Kosinski der Gemeinde Bönningstedt unmissverständlich deutlich. Das Schreiben liegt dem Abendblatt vor.

Das ist eine klarer Hinweis an die bereits etwas verkleinerten Pläne von Edeka, die 1400 Quadratmeter anstreben im Verbund mit Aldi (1000 Quadratmeter) und einem Drogerie-Markt mit 800 Quadratmetern. Bönningstedt müsste „sicherstellen, dass nur ein Lebensmittelvollsortimenter/-frischemarkt in der Gemeinde besteht“, betont der Landesplaner. Bönningstedt habe zwei Möglichkeiten: Rewe könnte sich an Ort und Stelle auf 1400 Quadratmeter vergrößern und Aldi mit 1000 Quadratmetern auf das Bunge-Gelände umziehen, wo auch ein Drogeriemarkt mit 700 Quadratmeter möglich wäre. Oder Rewe würde sich mit Aldi und dem Drogeriemarkt zusammentun, um sich mit 1400 Quadratmetern das Bunge-Gelände mit dem Discounter und Drogerieanbieter in den beschrieben Größen zu teilen.

Es sieht also so aus, als ob Rewe als Platzhirsch im Ort die besseren Karten hat. Diese Gemengelage wird wohl auch der jetzige Ratsbeschluss kaum entflechten können, es sei denn, der Gemeinde gelänge es endlich, die widerstrebenden Investorenpläne miteinander zu vereinen.