Pinneberg
Rückführung

Quickborn: Asylsuchender springt aus Fenster

Andja Zdravac-Vojnovic von der Caritas: „Das war natürlich sehr tragisch“

Andja Zdravac-Vojnovic von der Caritas: „Das war natürlich sehr tragisch“

Foto: Burkhard Fuchs

Die neunköpfige Familie aus Afghanistan sollte nach Bulgarien gebracht werden. Der 21-Jährige verletzte sich bei dem Sprung schwer.

Quickborn.  Diese Behördenaktion hatte dramatische Folgen. Als die Ausländerbehörde in der Nacht zum Dienstag eine afghanische Familie, die zurzeit in Quickborn untergebracht ist und einen Asylantrag gestellt hat, dort abholen und zum Flughafen bringen wollte, stürzte sich plötzlich der 21 Jahre Sohn aus dem Fenster.

Der junge Mann fiel aus dem ersten Stock vier Meter tief auf den Steinboden vor dem Mehrfamilienhaus am Harksheider Weg und verletzte sich schwer. So soll er mit mehreren Knochenbrüchen auf der Intensivstation eines Hamburger Krankenhauses liegen.

Unter den 170 Flüchtlingshelfern in Quickborn, die zurzeit die dort lebenden 366 Asylbewerber betreuen, sorgte dieser Vorfall für Unverständnis und Betroffenheit. Der Koordinator Mathias Wittig etwa sagt: „Das ist eine so nette Familie.“

Gerade der verletzte Junge würde sich sehr um seine Landsleute kümmern und bereits gut Deutsch sprechen, ergänzt Andja Zdravac-Vojnovic von der Caritas, die mit der Diakonie die Flüchtlingshilfe in Quickborn organisiert. Sie persönlich finde diesen Vorfall sehr tragisch, sagte sie, auch wenn die Rechtsgrundlage für das Vorgehen der Behörde gegeben sei.

Es handelt es sich um eine insgesamt neunköpfige Familie aus Afghanistan. Aber nur fünf Personen, die Mutter und vier erwachsene Söhne, sollten jetzt nach Bulgarien zurückgebracht werden, weil sie dort als Erstes eingereist seien und nach dem Dublin-Abkommen dort ihr Asylverfahren bestreiten sollten, erklärt Jürgen Tober, zuständiger Fachbereichsleiter der Ausländerbehörde. Die anderen Familienmitglieder sollen über Griechenland eingereist sein. Sie blieben bislang unbehelligt.

Zu solchen Rückführungen werde die Ausländerbehörde vom Land aufgefordert, erläutert Jürgen Tober. 17 solcher Abschiebungen seien in diesem Jahr vorgenommen worden – bei 3805 Asylverfahren im Kreis. Der Kreismitarbeiter habe sich dazu mit drei Vollzugsbeamten Zugang zur Wohnung verschafft. Nachbarn wiederum, die von dem Geschrei mitten in der Nacht aufgeschreckt wurden, alarmierten ihrerseits die Polizei.

„Wir haben die Aktion dann abgebrochen“, erklärt Tober. Jetzt werde das Asylverfahren der Familie doch hier im Kreis Pinneberg abgewickelt. „Die Kollegen sind über den Vorfall sehr bestürzt und unsere Gedanken sind bei dem Verletzten und seinen Angehörigen.“