Pinneberg
Bönningstedt

Supermärkte liefern sich einen Wettlauf

Rolf Mensching ist Eigentümer des Rewe-Marktes in Bönningstedt. Er möchte die Verkaufsfläche verdoppeln und will in Kürze einen Bauantrag stellen

Rolf Mensching ist Eigentümer des Rewe-Marktes in Bönningstedt. Er möchte die Verkaufsfläche verdoppeln und will in Kürze einen Bauantrag stellen

Foto: Burkhard Fuchs

Während Edeka bei seiner stockenden Neuansiedlung auf neues Einzelhandelsgutachten setzt, will Rewe mit Erweiterung Fakten schaffen.

Bönningstedt.  In Bönningstedt zeichnet sich ein Wettlauf der Supermarkt-Giganten um neue Verkaufsflächen ab. Während das Vorhaben des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka, sich zusammen mit dem Discounter Aldi und einem Drogeriegeschäft neu in der Hamburg-nahen Gemeinde anzusiedeln, seit Jahren auf Eis liegt, kommt nun plötzlich der Mitbewerber Rewe aus der Deckung. Deutschlands Nummer zwei auf dem Lebensmittelmarkt will seine Verkaufsfläche vor Ort auf etwa 1600 Quadratmeter verdoppeln, kündigt der neue Eigentümer des Areals, Rolf Mensching, im Gespräch mit dem Abendblatt an.

Bereits im September will er den gemeindlichen Gremien die Pläne vorstellen, die auch eine attraktivere Umgestaltung des Bönningstedter Marktplatzes vorsehen würden. Zeitgleich soll das Einzelhandelsgutachten für das Projekt Edeka/Aldi/Drogerie vorliegen, das auf dem Gelände des jetzigen Ford-Händlers Bunge realisiert werden soll, kündigt Projektleiter Andreas Krause an. Beide Seiten betonen, die Planung des jeweils anderen hätten keinerlei Auswirkungen auf das eigene Vorhaben.

Neben Rewe sind im Ort Aldi, Lidl und Krümet präsent

Allerdings hatte die Landesplanung immer wieder deutlich gemacht, dass die 4500 Einwohner zählende Gemeinde schon heute ausreichend mit Lebensmittelmärkten bestückt sei, da es neben Rewe bereits Aldi, Lidl und den Restpostenmarkt Krümet im Ort gebe. Darum sei ein zusätzlicher Frischemarkt unnötig für die Dorfentwicklung, erteilten die Landesplaner den Edeka-Plänen und denen anderer Anbieter bislang immer eine klare Absage.

Als Platzhirsch, der sich nur erweitern möchte, könnte Rewe hierbei in der besseren Position sein. Grundstückseigentümer Mensching, der den Komplex mit dem Rewe-Markt, 25 Wohnungen, einer Apotheke, einem Café und Büroflächen 2015 von einem amerikanischen Investor gekauft hat, will den Marktplatz aus seinem Dornröschenschlaf holen. „Ich möchte den Marktplatz beleben und wieder zum Dorfmittelpunkt machen“, kündigt Mensching an. „Ob mir das gelingt, weiß ich nicht.“

Die Rewe-Pläne wären jedenfalls ein Kernstück dieser Strategie. Auch ein italienisches Restaurant und ein neues Nutzungskonzept für den Marktplatz, der Heimat für Flohmärkte, Fischmärkte und Kunstausstellungen sein könnte, gehörten zu seinen Plänen dazu. Sogar der Aufbau eines kleinen Gesundheitszentrums schwebt dem Hamburger Investor dabei vor.

Für die Erweiterung Rewes hält er bereits eine Fläche frei. Zudem könnte der Markt in der von der Kieler Straße abgewandten Seite noch anbauen, so Mensching. Platz wäre genug da, nur den Marktplatz möchte er keinesfalls in seiner Größe beschneiden. „Das ist der Wunsch der Gemeinde“, weiß er.

Die seit drei Jahren in der Schwebe hängenden Pläne von Edeka „stören diese Pläne überhaupt nicht“, betont Mensching. Ob sich dieses geplante „neue Einkaufszentrum“ in Bönningstedt verwirklichen lassen könne, müsse letztlich die Landesregierung entscheiden, sagt er. „Rewe will sich nur vergrößern.“

Die Landesplanung hatte in der Vergangenheit derartige Pläne immer wieder abgelehnt mit dem Argument, „mit seinem annähernd großflächigen Angebot an Waren und Gütern des täglichen Bedarfs (kann) nicht mehr von einem angemessenen Verhältnis der Gesamtstruktur des Einzelhandels in Bezug auf die Nahversorgung zur Bevölkerungszahl und der Sortiment-spezifischen Kaufkraft im Gemeindegebiet ausgegangen werden.“

Dass die Gemeinde Bönningstedt durchaus noch einen weiteren Frische-Markt vertragen könnte, will Projektleiter Krause mit dem Einzelhandelsgutachten beweisen, das im Einvernehmen mit der Gemeinde Bönningstedt im Frühjahr in Auftrag gegeben wurde und im September vorliegen werde. „Wir werden es dann sofort den Gremien zur politischen Beratung vorlegen“, kündigt Krause an.

Bürgermeister Liske setzt auf Fakten aus Gutachten

Zurzeit fehle in Bönningstedt ein solcher Lebensmittel-Vollversorger, wie ihn ein 1400 Quadratmeter großer Edeka-Markt ergänzt um einen Aldi-Marktauf 1000 Quadratmetern und etwa 800 Quadratmeter Drogeriefläche darstellen würde. Der vorhandene Rewe-Markt sei da in seinem jetzigen Zustand „nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Hamburger Projektentwickler. Er hoffe und erwarte, dass die Entscheider in Bönningstedt und Kiel dann den Empfehlungen des Gutachtens folgen werden. „Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass es klappt. Das letzte Wort hat die Gemeinde.“ Ob Rewe sich nun vergrößern wolle oder nicht – „das torpediert unsere Planungen für Edeka überhaupt nicht und steht ihnen auch nicht im Wege.“

Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske ist gespannt auf die Ergebnisse des Einzelhandelsgutachtens. „Durch das Gutachten, das Aussagen über den Lärm sowie die Verkehrs- und Käuferströme machen wird, können wir dieses Thema endlich mit Fakten belegt diskutieren“, sagt Liske. „Bislang besteht die Diskussion fast ausschließlich aus Hoffnungen und Ängsten.“