Pinneberg
Hemdingen

Hammer-Attacke auf Trecker schockt Bauern

Inzwischen ist die Scheibe des Treckers wieder repariert.

Inzwischen ist die Scheibe des Treckers wieder repariert.

Foto: Burkhard Fuchs

Unbekannter Mann rastet aus, als abends in Hemdingen geerntet wird und zertrümmert eine Traktorscheibe mit einem Dachdeckerhammer.

Hemdingen.  Der Schreck sitzt ihm immer noch in den Gliedern. „Ich hatte echt Todesangst“, sagt Jonas Schenk mit bewegter Stimme. Ein unbekannter Mann hatte den 19-Jährigen aus Bilsen, der eine Ausbildung zum Landwirt macht und zurzeit an der Ostsee ist, spätabends mit einem Dachdeckerhammer bedroht und die Scheibe seines Treckers eingeschlagen, als er gerade beim Grashäckseln in Hemdingen war. Der Täter konnte zu Fuß und mit dem Rad in der Dunkelheit entkommen. „Aber wir wissen, wo er herkommt“, sagt Harald Münster, für den Schenk gearbeitet hat. „Wir haben ihn noch nicht zu fassen, sind aber auf der Suche.“

Was war passiert? Es ist Sonnabend gegen 22.15 Uhr und fast windstill. Schenk muss sich mit der Feldarbeit beeilen, damit die Silage endlich in die Scheune kommt. Seit Tagen hat es geregnet, und die Arbeit musste ruhen. Nun ist es endlich trocken, und er und zwei Kollegen sind mit Traktor und Häcksler auf dem Feld im Auftrag des landwirtschaftlichen Lohnunternehmers Münster am Ortsrand von Hemdingen dabei, das Gras für das Vieh zu häckseln.

„Es war schon dunkel und der nächste Regenschauer kündigte sich an“, erinnert sich Schenk. Plötzlich taucht vor ihm ein Schatten auf, ein Mann schlägt wild gestikulierend und schreiend mit einem Gegenstand auf den Vorderreifen seines Treckers ein. Schenk weiß nicht, was der Typ von ihm will, kann ihn nicht verstehen, stoppt seine große Zugmaschine, damit diese den seltsamen Angreifer nicht überrollt. „Das Ding wiegt 30 Tonnen.“

Schenk steigt aus, und der Mann, der bereits umgefallen war, berappelt sich wieder, steht auf und fuchtelt plötzlich mit einem schweren Hammer vor seinem Gesicht herum – und zwar mit der spitzen Seite, die Dachdecker und Zimmerleute für ihre Arbeit brauchen. „Das war richtig beängstigend“, sagt Schenk. „Der rastete völlig aus und brüllte ständig, bei dem Lärm könne er nicht in Ruhe auf seinem Balkon sitzen, er müsse früh um vier wieder zur Arbeit raus.“ Dabei wäre das doch ein Sonntag, wundert sich Schenk noch, ständig auf der Hut, dass er nicht plötzlich von dem Verrückten mit dem Hammer verletzt wird.

Dann holt der aus und schlägt mit aller Kraft gegen die Seitenscheibe des Treckers, die er so total zertrümmert. „Ich habe immer noch die Scherben davon in meinen Schuhen“, erzählt der Jung-Landwirt. Als er gerade denkt, jetzt sei es um ihn geschehen, kommen ihm schließlich seine Kollegen Matthias Borkowski und Henning Witt vom Häcksler zu Hilfe. Gemeinsam schlagen sie den Angreifer in die Flucht, der zu einem Fahrrad rennt, das er am Feldrand abgestellt hat und mit dem er in der Dunkelheit verschwindet – während er immer noch bedrohlich den Hammer in der Luft schwenkt.

Andrea Münster, die zu Hause wenige hundert Meter Luftlinie entfernt ihren Geburtstag feiert, hört, dass da in der Nähe etwas Erschreckendes passiert sein musste. „Es war auf einmal ein tierisches Geschrei, als die Maschinen stoppten. Und dann war es plötzlich ganz still.“ Davon beunruhigt, setzte sie sich sofort ins Auto und fuhr zum Feld. Da sah sie noch, wie jemand mit einem silberfarbenen Fahrrad in Richtung Hemdingen davon radelte. Sie ahnte ja nicht, dass das der Angreifer war. Das hörte sie erst später von ihren Mitarbeitern auf dem Feld. „Das war echt der Hammer“, sagt die Frau.

Ihr Mann Harald Münster, der in zweiter Generation Landwirten Landmaschinen und Mitarbeiter für die Erntearbeit zur Verfügung stellt, hat so etwas noch nie erlebt. „Bei diesem nassen Sommer müssen wir manchmal bis spätabends die Ernte einfahren und Gas geben, wenn’s mal nicht regnet. Das geht nun mal nicht anders.“ Bisher zeigten die Anwohner im Dorf dafür auch Verständnis. „Es war ja auch Wochenende und erst kurz nach 22 Uhr.“

Auch der immer noch geschockte Schenk kann das aggressive Verhalten nicht nachvollziehen. „Ich kann mir auch was Besseres vorstellen, als spätabends auf dem Trecker zu sitzen.“

Natürlich haben sie den Fall bei der Polizei angezeigt. Die ermittelt jetzt wegen Sachbeschädigung, erklärt Quickborns Polizeichef Götz Nowobilski. Es gebe bereits eine Spur. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Fall bald aufklären können.“ Gesucht wird ein Mann zwischen 40 und Mitte 50. Der Straftatbestand der Körperverletzung sei allerdings nicht gegeben, so der Stationsleiter. „Es ist aber rechtlich völlig in Ordnung und von den Anwohnern zu erdulden, wenn Landwirte in der Erntezeit spätabends noch auf dem Feld arbeiten.“