Pinneberg
Kreis Pinneberg

Scharfe Kritik an geplanter Skipper-Maut

Ulrich Grobe, Geschäftsführer des Traditionsseglers Ewer „Gloria“, hält die Idee einer Wasser-Maut für „schlichten Unsinn“ und eine „Schnapsidee des Ministers“

Ulrich Grobe, Geschäftsführer des Traditionsseglers Ewer „Gloria“, hält die Idee einer Wasser-Maut für „schlichten Unsinn“ und eine „Schnapsidee des Ministers“

Foto: Anne Dewitz / HA

Wassersportler und Politiker haben kein Verständnis dafür, dass Bundesverkehrsminister Dobrindt Freizeitschipper abkassieren will.

Kreis Pinneberg/Berlin.  Mit seiner Idee, Freizeitkapitäne, die auf Binnengewässern ihrem Segel- und Sportboot-Hobby frönen, abzukassieren, stößt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hierzulande auf völliges Unverständnis. „So ein Quatsch. Das ist schlichter Unsinn“, wundert sich Ulrich Grobe über diesen Vorschlag, der bis 2019 umgesetzt werden soll und bundesweit 2800 Kilometer Flüsse und Kanäle beträfe – einschließlich Pinnau, Krückau und Stör. „Warum führt er nicht auch noch eine Maut für Fußgänger, Radfahrer und Reiter ein?“, wundert sich der Vorsitzende des Fördervereines des Traditionsseglers Ewer „Gloria“ in Elmshorn.

Auch bei seinen Kollegen in der Bundesregierung kommt Dobrindts Gebührenvorschlag nicht gut an. „Mir scheint, als ob Bundesverkehrsminister Dobrindt sein Trauma aus der nicht realisierbaren Pkw-Maut mit einer neuen Schnapsidee heilen will“, kritisiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann. Dobrindt sollte diese Idee so schnell wie möglich wieder versenken, „weil sie nicht nur der Bewegungsfreiheit der Freizeitkapitäne schadet, sondern auch dem Tourismus.“

CDU-Bundestagsabgeordneter Ole Schröder aus Rellingen kann dem Vorstoß seines Union-Fraktionsmitgliedes aus Bayern ebenfalls wenig abgewinnen. „Wir sind uns in der CDU-Landesgruppe Schleswig-Holstein einig, dass ein solches Konzept nicht dazu führen darf, dass nun die Freizeitskipper mit Gebühren belastet werden.“ Höhere Abgaben für die Freizeitschifffahrt sei „nicht die richtige Lösung. Im Gegenteil, sie schaden dem Tourismusstandort Schleswig-Holstein.“

Vor allem die Segler und Sportbootfahrer in der Region hätten überhaupt kein Verständnis, wenn sie künftig für ihren Freizeitspaß zusätzliche Steuern an den Bund abführen müssten. „Der Staat braucht Geld, und jetzt müssen die Sportbootfahrer leiden“, ist Peter Peyn vom Wassersportverein (WSV) Moorrege auf der Zinne, der 35 Freizeitsportler vertritt. Schon heute vernachlässige der Bund seine Pflicht, die Wasserstraßen schiffbar zu halten, ärgert sich Peyn. „Hier passiert gar nichts. Die Krückau ist inzwischen nur noch ein Wassergraben.“

Auch sein Kollege Frank Wisch vom WSV Uetersen, der 270 Skipper und Motorbootfahrer an der Unterelbe vertritt, weist darauf hin, dass der Bund seit Jahren durch Nichtstun dafür gesorgt habe, dass immer mehr Binnenflüsse verschlicken. „Wir können uns ja glücklich schätzen, dass die Feldmühle in Uetersen über die Pinnau mit Zellstoff für die Papierproduktion beliefert wird.“ Sonst wäre diese Elbzulauf auch längst so sehr verschlickt, dass er nicht mehr schiffbar wäre wie die Krückau.

Der Uetersener WSV-Vorsitzende setzt aber darauf, dass die Bundesvereinigungen wie der Deutsche Segler-Verband (DSV) und der Motoryachtverband, die zusammen etwa 200.000 Freizeitsportler in 2000 Vereinen repräsentieren, diese Gesetzesinitiative noch verhindern können. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Maut eingeführt wird.“

Der DSV hat bereits reagiert. „Eine solche Maut widerspräche dem europäischen Gedanken und würde dem aufkeimenden Wassersport und Wassertourismus in Deutschland mehr schaden als nützen“, sagt deren Präsident Andreas Lochbrunner. „Sport, Bewegung und Erholung müssen im öffentlichen Raum gebührenfrei möglich sein, gleich, ob die Menschen dort per Rad, Boot oder zu Fuß unterwegs sind.“

Zudem würde diese Maut ungerechterweise einen Großteil der Wassersportler ausschließen, nämlich die Segelfreunde von der Nord- und Ostseeküste, weist Grobe auf einen weiteren Schwachpunkt des Dobrindt-Vorschlages hin. „Wenn er neue Steuern erheben will, muss er alle Gewässer mit einbeziehen. Wieso sollte man für das Segeln auf den Flüssen bezahlen aber nicht auf dem Meer?“ Abgesehen davon würde bei einer solchen Abgabe der bürokratische Aufwand ein Drittel bis zur Hälfte der ohnehin nur geringen Einnahmen wieder auffressen, warnt der Geschäftsführer der „Gloria“.

Als ehemaliger Zweigstellenleiter der Industrie- und Handelskammer zu Kiel in Elmshorn sieht es Grobe kritisch, wie der Staat ähnlich wie bei den Straßen und Brücken auch mit der Verkehrsinfrastruktur seiner Flüsse Schindluder treibe. „Das ist ja das Traurige, dass immer weniger Güterverkehr auf den Flüssen wie Pinnau und Stör möglich ist.“ Weil Schleusen nicht instandgesetzt werden und gegen die Verschlickung nichts getan werde.