Pinneberg
Klosterkirche

Wasserschäden bedrohen Uetersens Wahrzeichen

Foto: Fabian Schindler / HA

Das historische Wahrzeichen Klosterkirche muss dringend saniert werden. Ausblühende Kristalle zerstören das alte Mauerwerk.

Uetersen.  Das Wahrzeichen der Stadt Uetersen, die Klosterkirche, muss dringend saniert werden. Der Kirchengemeinderat und der Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein sind mitten in den Planungen, um das historische Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen. Doch es gibt Rückschläge. Weil Unbekannte mehrfach Messsonden umgetreten haben, verzögert sich die Sanierung.

Erhard Vogt vom Vorstand des Kirchengemeinderates und Architekt Robert Masou sind verärgert. Sie sprechen von Vandalismus, der Zeit und Geld koste. „Jedes mal, wenn die Sonden umgetreten werden, müssen wir von vorne messen“, sagt Masou. Denn das „ewige Problem“ der Kirche liege im Untergrund, der daher erforscht werden soll.

Das Gemäuer der Klosterkirche kämpft seit Jahren mit übermäßiger Feuchtigkeit. Diese trete insbesondere im Sommer auf. Von unten saugen sich die Fundamente der Kirche mit Wasser voll, Salze lagern sich im Mörtel, Putz und Gestein der Mauern ab. Problematisch werde es, wenn die Mauer wieder etwas abtrockne. Dann würden die Kristalle ausblühen, wachsen und sich ausbreiten, erklärt Masou. Dieses Hin und Her von Feuchtigkeit und Trocknung müsse gestoppt werden. „Wenn nichts passiert, würde die Bausubstanz nachhaltig geschädigt werden. Die Kristalle wachsen, nehmen an Volumen zu und sprengen irgendwann das Material“, sagt der Architekt und Bauingenieur.

Messsonden werden immer wieder umgetreten

Um das in gen Griff zu bekommen, sind umfangreiche Voruntersuchungen notwendig. Zunächst muss herausgefunden werden, woher das ganze Wasser kommt. „Das Grundstück leidet unter einem Wasserrückstau“, sagt Vogt. Eine Art Wassersack entstehe regelmäßig rund um das Kirchenschiff. Noch sei nicht ganz klar, ob es einen generellen Anstieg des Grundwassers gebe, oder ob der Anstieg temporär von Niederschlägen herrührt. Masou geht davon aus, dass der Klimawandel, der vermehrt Starkregen in der Region produziere, maßgeblich Einfluss hat. „Wir wissen aber erst genaueres, wenn die Messungen abgeschlossen sind“, sagt er.

Dafür sind mehrere Sonden fünf Meter tief in das Erdreich eingelassen worden. Sie sind in kleinen Röhren versteckt. Diese Röhren standen bislang unumzäunt auf dem Kirchengelände – und wurden umgetreten. Und das ärgert Masou und Vogt. Denn jedesmal, wenn das Kabel geknickt oder verschoben wird, ändert sich die Position der Messsonde in der Erde. Die Messwerte sind damit unbrauchbar.

„Wir brauchen mindestens zwei Monate störungsfreier Messungen“, sagt Masou. Im 15-Minuten-Takt sollen die Sonden Daten liefern, mit denen die Entwicklung im Untergrund dokumentiert werden kann. Dafür braucht es Ruhe und gleichbleibende Verhältnisse. Um das zu gewährleisten, wird nun überlegt, die Sonden zusätzlich zu sichern. Rund um die Kirche könnten Flächen abgesperrt werden oder aber schützende schwere Betonringe um die Sonden platziert werden. „Es gibt mehrere Optionen. Welche am sinnvollsten ist, wird geprüft“, sagt Masou.

Vogt geht davon aus, dass viele Passanten gar nicht wüssten, wofür die blauen Rohre da sind und daher unbedacht vorgingen. „Wir haben uns auch daher jetzt an die Öffentlichkeit gewendet, damit das hoffentlich nicht nochmal passiert“, sagt Vogt.

Denn die Zeit drängt, und um die Kirche vor dauerhaften Schäden zu schützen, müssen bald Ergebnisse vorliegen, die das weitere Vorgehen skizzieren können. Zwei Optionen stehen schon jetzt zur Debatte: Eine konsequente Horizontalabdichtung des Mauerwerks oder eine Abdichtung des Außenwandversprungs knapp unter der Geländeoberkante. Welche Option die passende ist, das hängt auch von den Messergebnissen unter der Erde ab.

Egal, welche Option am Ende zum Zuge kommt, günstig wird sie nicht. Vogt rechnet mit Kosten in Millionenhöhe, die für den Erhalt des gesamten Kirchenschiffes notwendig sein werden, also sowohl des Innen- als auch des Außenbereiches. Denn abseits des Mauerwerks kämpft die Kirche im Innenraum ebenfalls mit den Folgen der hohen Luftfeuchtigkeit: Schimmelsporen setzten sich immer wieder am Altar und insbesondere an der Orgel ab. Auch das müsse bekämpft werden. Daher sei es wichtig, die Feuchtigkeit im Mauerwerk in den Griff zu bekommen.Und zwar möglichst rasch.