Pinneberg
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Pinnebergs Ruf als Sportstadt ist in Gefahr

Foto: Andreas Daebeler / HA

Reck und Basketballkörbe: Marode Geräte in städtischen Hallen müssen aus dem Verkehr gezogen werden, Kunstrasen-Planung stockt.

Pinneberg.  Die Stadt Pinneberg schafft es nicht mehr, ihre Sporthallen vernünftig auszustatten. Das ist Tenor der Prüfung einer extra beauftragten Fachfirma, die das häufig auch für den Schulsport benötigte Interieur in den Hallen untersucht – und Sicherheitsmängel festgestellt hat. Die Rede ist von erheblichem Sanierungsstau. Der kann nicht sofort behoben werden, weil Pinneberg noch immer keinen vom Innenminister genehmigten Etat 2016 hat. „Während der vorläufigen Haushaltsführung ist eine Reparatur beziehungsweise Ersatzbeschaffung grundsätzlich nicht möglich“, bestätigt Stefan Krappa, Sprecher der Stadtverwaltung.

Sportgeräte, darunter Reck, Barren und Basketballkörbe müssen jetzt aus dem Verkehr gezogen werden. Eine Situation, die fatal an das Drama um Pinnebergs verschleppte Schulsanierung erinnert. Eine fundierte Sportentwicklungsplanung, die seit Jahren von Vereinsvertretern gefordert wird, gibt es in der 40.000-Einwohner-Stadt bis heute nicht. Das bemängelt auch Bürgermeisterin Urte Steinberg: „Als Ausgangslage und Basis für die weitere Entwicklung des Sports, der Vereine und Sportstätten ist der Entwicklungsplan unerlässlich. Ich hätte ihn nach wie vor gern“, sagt sie.

Pinneberg – eine Sportstadt? Uwe Hönke atmet tief durch. Dann erst antwortet der Geschäftsführer des VfL: „Nein, das kann man so nicht mehr sagen.“ Seit langem werde nur mehr das allernötigste investiert. Dem Sport, der den Bürgern große Vielfalt biete, werde nicht die Wertschätzung entgegen gebracht, die er verdiene. Andere Kommunen wie Tornesch zögen an der Kreisstadt vorbei.

Beim mit 13.000 Einwohnern wesentlich kleineren Nachbarn im Nordwesten ist in den vergangenen Jahren mit dem Torneum ein Sportpark entstanden, der seinesgleichen sucht. Auch in der Gemeinde Tangstedt werden derzeit Weichen gestellt. Dort schießt die Kommune dem TSV, der einen Kunstrasenplatz plant, sogar 230.000 Euro zu. Ein solcher Platz fehlt Pinneberg noch immer, obwohl seit Jahren diskutiert wird – und der VfL die Finanzierung mit 300.000 Euro allein schultern würde. Die Stadt schafft es nicht, dem Verein ein geeignetes Grundstück zu vermitteln. Nachdem zunächst ein Grundstück in der Straße An der Raa gefunden schien, steht auch dieser Standort mittlerweile wieder massiv in Frage. Umweltschützer haben die Stadt darauf hingewiesen, dass auf dem Areal nicht wie geplant gebaut werden darf. Hönke: „Da sind im Rathaus Hausaufgaben nicht gemacht worden.“ Für den VfL gehe es um die Zukunft der in den vergangenen zehn Jahren auf 200 Mitglieder angewachsenen Abteilung, die im Norderstedter Exil trainiert und spielt. „Bis heute haben unsere Hockespieler nicht ein einziges Heimspiel in Pinneberg ausgetragen.“ Hönke fürchtet, dass sie bald das Handtuch werfen und in andere Vereine abwandern könnten.

„Sportstadt darf sich nur nennen, wer eine funktionierende Infrastruktur bietet“, betont der VfL-Geschäftsführer. Er werde weiter für das Kunstrasenprojekt kämpfen. „Auch wenn ich zugeben muss, dass bei uns die Motivation merklich schwindet.“ Dass zudem Sportgeräte wegen mangelhafter Wartung aus dem Verkehr gezogen werden müssten, sei nur eine weitere Stufe, die auf der Eskalationsleiter erklommen werde. „Irgendwann kommen die Behörden und ordnen die Schließung von Sporthallen an“, schwant Hönke Böses.

Geht es nach Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg werden sich Sportfunktionäre künftig übrigens auf einen neuen Ansprechpartner im Rathaus einstellen müssen. Sie kündigte unlängst eine Personalrotation an, um Probleme zu beheben. Mit Michael Artus soll der bisherige Amtsleiter für Finanzen künftig für den Bereich Sport zuständig sein. Vorgängerin Traudchen Perrefort soll weichen.