Pinneberg
Museum

Der Uetersener Porzellan-Krimi ist gelöst

Museumsleiterin Ute Harms und der stellvertretende Wedeler Fielmann-Filialleiter Artur Hinz präsentieren wertvolles Porzellan und ein Poesiealbum aus der Sammlung Tartsch & Meyer. Mit Unterstützung der Fielmann AG hat Harms zwei Jahre lang nach dem Verbleib der umfangreichen Uetersener Sammlung geforscht

Museumsleiterin Ute Harms und der stellvertretende Wedeler Fielmann-Filialleiter Artur Hinz präsentieren wertvolles Porzellan und ein Poesiealbum aus der Sammlung Tartsch & Meyer. Mit Unterstützung der Fielmann AG hat Harms zwei Jahre lang nach dem Verbleib der umfangreichen Uetersener Sammlung geforscht

Foto: Fabian Schindler / HA

Wie konnte die wertvolle Tartsch-&-Meyer-Sammlung verschwinden? Ute Harms, Leiterin des Museums Langes Tannen hat es herausgefunden.

Uetersen.  Verkannt, verscherbelt, fast vergessen: So lässt sich die unrühmliche Geschichte der sogenannten Tartsch-&-Meyer-Sammlung zusammenfassen, von der sich heute viele wünschen, dass sie hätte dereinst eine andere Wendung genommen hätte. Hat sie aber nicht, und so sind viele Exponate, die der Uetersener Tischler Hermann Tartsch (1886–1970) und dessen Ziehsohn Emil Meyer (1900–1974) zusammengetragen haben: weg.

Ute Harms, die Leiterin des Museums Langes Tannen, hat seit 2014 recherchiert, wie es dazu kommen konnte. Sie wollte wissen, wo die Sammlerstücke geblieben sind, welchen Wert sie hatten beziehungsweise haben und wie viele es eigentlich waren. Nun hat sie das Ergebnis ihrer Forschung präsentiert, die im Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2016 im Detail nachzulesen sein werden. Die Fielmann-Stiftung hat das Forschungsprojekt finanziert.

Eine aufwendige Detektivarbeit sei es gewesen, eine Recherche in Museen und Archiven, sagt Harms. Und eine, die nach wie vor Kopfschütteln bei ihr hervorrufe. Denn die Sammlung, die einst relativ ungeachtet verscherbelt wurde, gilt heutzutage als durchaus wertvoll. Tartsch und Meyer hatten sie seit 1919 aufgebaut. Knapp 500 Gegenstände umfasste sie nach aktuellen Schätzungen. „Keiner weiß wirklich genau, wie groß die Sammlung wirklich gewesen ist“, sagt Museumsleiterin Harms. Einiges, so vermutet sie, sei wohl für immer abhanden gekommen oder zerstört.

Tische, Schränke, Porzellan, Fotografien, Poesiealben, Bilder vom Hamburger Künstler Oskar Schwindrazheim, Textilien aus dem 19. Jahrhundert und Grafiken: „Tartsch und Meyer wollten ihre Sammlung ursprünglich bei der Stadt Uetersen gegen eine Rente bis Lebensende eintauschen“, sagt Harms. Die Gegenstände sollten den Grundstock für ein künftiges Uetersener Museum bilden. Doch erst nach dem Tod Hermann Tartschs 1970 ist die Sammlung mittels eines Vertrages mit Emil Meyer an die Stadt übergeben worden. Dort wusste aber offenbar niemand, was er mit der Sammlung anfangen sollte, geschweige denn, wie wertvoll war. „Die Stadt hat sich daraufhin an das Altonaer Museum gewandt“, sagt Harms. Dessen damaliger Leiter Gerhard Kaufmann begutachtete die Sammlung und empfahl, sie zu veräußern – es seien keine wertvollen Stücke dabei. Die Verantwortlichen in der Stadt waren enttäuscht und verkauften ein Jahr später für wenig Geld an die Stiftung Landdrostei. „In den 70er-Jahren war angedacht, die Pinneberger Drostei zu einem Museum zu machen. Doch daraus wurde nichts, und die Gegenstände wurden zunächst eingelagert“, sagt Harms. Und das ziemlich schlecht. Viele Stücke wurden in feuchten Räumen abgestellt.

Pikant ist, dass Gerhard Kaufmann mehrere Stücke aus der Uetersener Sammlung wohl klammheimlich in sein Altonaer Museum geschafft hat, unter anderem 39 Grafiken, die erst kürzlich dort entdeckt wurden. Harms vermutet, dass Kaufmann den Wert bei seinem Kontakt mit den Uetersenern zuvor bewusst zu niedrig angesetzt hatte. Doch nicht nur im Altonaer Museum sind Sammlerstücke aus Uetersen zu finden, die auf dubiose Weise den Besitzer gewechselt hatten. Andere dürften auf ähnliche Art und Weise ihren Weg in Museen in ganz Deutschland gefunden haben.

Damit nicht genug. Nachdem gut zwei Jahrzehnte später die Museumspläne für die Drostei gescheitert waren, wurden von 1990 an Gegenstände aus dem ehemaligen Eigentum von Tartsch und Meyer daher verkauft und versteigert. Das war entgegen der Vertragsbedingungen mit Stadt Uetersen, denn die sahen vor, dass die Sammlung „im Wesentlichen zusammenbleiben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“ solle, so Harms. Die Stadt wollte die Auktion stoppen, doch vergeblich. Uetersen verklagte daraufhin die Stiftung und erhielt zumindest eine Entschädigung. „Die Summe konnte aber kein Ersatz für den Verlust der Exponate sein“, sagt Harms.

Viele Gegenstände seien wohl in der Region geblieben, vieles sei bis heute aber unauffindbar. Immerhin: Kürzlich hat Harms eine private Schenkung mit Porzellantassen erhalten. Sie gehören zur Sammlung. Harms hofft nun, dass weitere Gegenstände dem Museum übergeben werden. Die Fielmann-Stiftung will den Erwerb unterstützen und 2019, zum 100-jährigen Bestehen der Sammlung, im Museum möglichst viele Exponate präsentieren.