Pinneberg
Musical-Premiere

Pinneberg: Drei Nerds außer Rand und Band

Wehe, wenn sie losgelassen: Matthias (Andreas Hettwer), Mark (Martin Gosch) und Andreas (André Eilers) können mehr als programmieren, nämlichen singen und tanzen

Wehe, wenn sie losgelassen: Matthias (Andreas Hettwer), Mark (Martin Gosch) und Andreas (André Eilers) können mehr als programmieren, nämlichen singen und tanzen

Foto: Elvira Nickmann / HA

Könige der Herzen bei der Premiere des neuen Stücks der Pinneberger Musical-Company waren die drei Hauptdarsteller. Eine Kritik.

Pinneberg.  Drei Männer tanzen entfesselt zu den Klängen des Songs „Y.M.C.A.“ der Village People auf der Bühne. Einer trägt ein Bauarbeiter-Outfit, ein Zweiter einen Lederdress, und der Dritte im Bunde hat sich in einen Glitzerfummel geworfen. Die Berufe der drei zu raten, dürfte zum jetzigen Zeitpunkt schwerfallen: Tatsächlich sind sie Programmierer und damit das, was man landläufig unter der Bezeichnung „Nerds“ kennt – dem Inbegriff von Langeweile schlechthin.

Dass Nerds aber auch völlig andere Seiten haben können, zeigten die Hauptdarsteller des Stücks „Nerds – Wenn Theorie auf Liebe trifft“ der Pinneberger Musical-Company bei der Premiere am Sonnabend im Gugs-Theater auf mitreißende und humorvolle Weise. Autor Stefan thor Straten Wolf kommt aus den Reihen der Company-Mitglieder und bringt damit sein Erstlingswerk auf die Bühne, das sich durch actionreiche Szenen, liebevolle Details, witzige Dialoge und einen durchdachten Plot auszeichnet.

Die Programmierer Mark, Matthias und Andreas, drei völlig unterschiedliche Charaktere, teilen sich ein Kellerbüro. Sie müssen die Launen immer wieder neuer Chefs ertragen, eine Hotline bedienen, von der Firmenleitung werden ihre Bedürfnisse chronisch missachtet. Mark (Martin Gosch) hat es zumindest geschafft, sich eine Familie aufzubauen. Davon ist Andreas (André Eilers) noch weit entfernt, sein Liebesleben zeichnet sich eher durch schnell wechselnde Partnerschaften aus. Matthias (Andreas Hettwer) dagegen hat nicht nur Probleme mit Veränderungen, die er generell schlecht verkraftet, sondern auch mit Schüchternheit und einem grottenschlechten Modegeschmack – beides wie gemacht, um von vornherein eine abschreckende Wirkung auf Frauen auszuüben. Die drei sind aber nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde. Gegen den Frust im Job wappnen sie sich mit Humor und kleinen Wettspielchen und gehen auch schon mal unkonventionelle Wege wie beim nächtlichen Klau einer von ihnen lang beantragten, aber nie gelieferten Couch. Mittels Nachsichtgeräten stibitzen sie ein gleiches Stück aus der Abteilung, deren Chefin ihnen das Leben mit einer fast unlösbaren Zeitvorgabe zur Fertigstellung eines neuen Projekts schwer macht. Nebenbei suchen die Männer auf ihre Weise nach dem privaten Glück, wodurch immer neue Verwicklungen entstehen, zu denen die Frauen in ihrer Umgebung ein Gutteil beitragen, vor allem Karin (Diana Kruse), die neue Abteilungsleiterin auf Männerfang.

Doch Aufgaben sind dazu da, an ihnen zu wachsen. So machen alle Hauptfiguren eine persönliche Entwicklung durch, aus der sie letztlich gestärkt hervorgehen. Das ist überzeugend und immer mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt. Die Protagonisten glänzen dabei durch ihren uneingeschränkten Enthusiasmus auf sängerischer, tänzerischer und darstellerischer Ebene.

Die Songs, die in dem Stück von einer fünfköpfigen Band gespielt werden, sind Coverversionen bekannter Hits, darunter deutsche Stücke wie „Sie ist weg“ von den Fantastischen Vier, „Bruttosozialprodukt“ von Geier Sturzflug, aber auch der Schlager „So ein Mann“ von Margot Werner. Bestand die Musikauswahl in der Grundfassung noch aus ausschließlich englischen Titeln, wurden diese später teilweise durch deutsche Hits ersetzt. „Wir haben Songs auf Deutsch mit dazu genommen, weil das Publikum die Texte versteht“, erklärt Autor thor Straten Wolf. Die große Bandbreite verlangt den Darstellern, die allesamt auch singen, einiges ab. Bei dem Lied „Ich kenne nichts, das so schön ist wie du“ füllt zusätzlich zu den Hauptakteuren gleich ein ganzer Chor die Bühne, beeindruckend ganz in Weiß in Szene gesetzt.

Bei „It’s raining Men“ von den Weather Girls kommen drei Backgroundsängerinnen wie Mitglieder eines Gospelchors daher. Unter ihnen Janina Padrock, deren kräftige Stimme hervorsticht. Einige schräge Töne und unsaubere Intonationen dagegen beim Gesang von Anja (Kerstin Meyer) und selten bei Heidi (Sabine Stelling) sind noch kleinere Schwächen, die den Genuss des Musicals nur unwesentlich trüben können.

Das Publikum, das zahlreich erschienen war, ging begeistert mit und quittierte die Leistung des Ensembles mit lang anhaltendem Applaus. Fazit des Abends: Geheimtipp – hingehen!

Zu sehen ist „Nerds“ noch an den Wochenenden 28. und 29. Mai sowie 4. und 5. Juni, sonnabends um 19.30, sonntags um 17 Uhr, im Gugs-Theater in der Grund- und Gemeinschaftsschule, Richard-Köhn-Straße 75. Karten zu 10/ermäßigt 8 Euro online über www.musical-company.net oder bei der Buchhandlung Bücherwurm, Dingstätte 24, Tel. 04101/232 11