Pinneberg
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Hier kann Theater künftig Schule machen

Foto: Elvira Nickmann / HA

Neue Technik in alter Aula beschert Musical Company Spielstätte. Vor allem der Ganztagsunterricht soll von der Kooperation profitieren.

Pinneberg.  Noch kann Thomas Gerdes, der die Grund- und Gemeinschaftsschule (GuGs) im Pinneberger Stadtteil Quellental leitet, in einer klassischen Schulaula Platz nehmen. In weniger als vier Wochen wird es die unter diesem Namen nicht mehr geben. Denn dann wird sie umbenannt — als „Gugs-Theater“ soll sie 181 Plätze bieten und ein kulturelles Angebot an die Schule holen. Das neue Theater, das durch eine Kooperation zwischen Schulleiter Gerdes und dem Vorstand der Pinneberger Musical-Company entstand, wurde technisch aufgerüstet und bietet sich dadurch als professionelle Aufführungsstätte an. Das erste Stück kommt in drei Wochen auf die Bühne, es ist das Musical „Nerds – Wenn Theorie auf Liebe trifft“ der Musical-Company.

Thomas Gerdes stehen dann wohl auch keine Situationen mehr wie diese ins Haus: Nach einer Einschulungsveranstaltung nahm ein Teilnehmer den Rektor zur Seite und monierte, dass nur ein tragbarer CD-Spieler für die musikalische Untermalung zur Verfügung gestanden hatte. „,Das war jetzt echt peinlich‘, sagte er“, erinnert sich Gerdes.

Dieser Vorfall sei jedoch nicht ausschlaggebend für die Initiative zur Umwandlung der Aula gewesen, sondern sein Besuch einer Probe der Musical-Company in dem Saal, bei der er mit Mitgliedern des Vereins ins Gespräch kam. „Innerhalb von zehn Minuten haben sich ganz viele Ideen von beiden Seiten aufgetan“, so Gerdes. Es gebe wenig Musik-Lehrkräfte an seiner Schule, gerade auch in der offenen Ganztagsschule klaffe bisher im musikalisch-künstlerischen Angebot eine Lücke.

Das soll durch eine weitreichende Kooperation nun anders werden. Also wurde neue Lichttechnik fest installiert, die Lautsprecher, Mischpult und Zusatzgeräte vor Ort stammen von der Musical-Company. „Bei Bedarf können wir der Schule auch die benötigten Kabel für Veranstaltungen zur Verfügung stellen“, ergänzt Arny Oprotkowitz, der Vorsitzende des Vereins. Der umständliche Transport des technischen Equipments zu jeder einzelnen Probe entfalle nun glücklicherweise, da diese jetzt vor Ort vorhanden sei und auch für Aufführungen – und nicht nur Proben – wie für schulische Veranstaltungen genutzt werden könne.

Eine Firma bekam den Auftrag, die veraltete Technik zu ersetzen beziehungsweise zu erweitern. Finanziell möglich wurde das durch Spenden und den Einsatz fast der Hälfte des kompletten Schulbudgets, Extra-Gelder von der Stadt gab es nicht dafür. „Pinneberg ist eine kulturell wache Stadt und es ist schade, wenn Stücke einfach nicht zur Aufführung kommen können“, findet Gerdes. Auch wenn die Schule in anderen Bereichen jetzt sparen müsse, gelte es Schwerpunkte zu setzen, sonst komme man nicht voran.

Der Zusammenarbeit mit der Schule sieht Oprotkowitz genauso freudig entgegen wie der Schulleiter. „Beide Seiten werden davon profitieren“, sagt er. In seinem Team gebe es ausgebildete Darsteller und angehende Profis. Deren Tätigkeit im Angebot der offenen Ganztagsschule könne er sich gut vorstellen. Bereits zuvor gab es Schnittstellen zwischen Schülerschaft und Mitgliedern der Musical-Company: Mindestens zwei Schüler waren schon als Darsteller in den Stücken dabei. Die Theater-AG der Schule, die sich gerade im Aufbau befindet, kann Berater aus den Reihen der Musical-Company gut gebrauchen.

Diese wiederum kann für den Bühnenbau die Werkräume mit Kreissäge und Werkzeugen nutzen. „Wir sind bis zu fünfmal pro Woche hier, teilweise finden bis zu drei Produktionen statt, die sich überschneiden“, zählt Oprotkowitz auf. Außer dem Verein nutzen auch das Collegium Musicum und die Pinneberger Bühnen die schulischen Räume, Aula und Technik. „Selbst wir müssen schon teilweise ausweichen auf Klassenräume“, sagt der Vereinsvorsitzende. Das Boot sei damit voll, für weitere außerschulische Nutzer kein Platz mehr, so der Rektor. Zudem gehe die schulische Nutzung in jedem Fall vor.

Die Musical-Company will hier andere Stücke auf die Bühne bringen als die großen Musicals im Hotel Cap Polonio. Projektarbeiten, Musiktheater, Liederabende oder Chorauftritte mit Schülern könne er sich vorstellen, sagt Oprotkowitz. Die Zeitersparnis durch den entfallenden Techniktransport komme der Qualität der Stücke zugute, hofft er.

Das Musical „Nerds“ feiert am 21. Mai Premiere

An Ideen jedenfalls mangelt es den beiden Initiatoren nicht. Klar ist auch, dass die Karten für die Aufführungen der Musical-Company erschwinglich bleiben sollen. „Die Schwelle für Eltern und Kinder wird somit niedriger“, sagt der Schulleiter. „Nerds – Wenn Theorie auf Liebe trifft“ wird am Sonnabend, 21. Mai, gleich in doppelter Hinsicht eine Premiere sein: Es ist eine Welturaufführung, und an diesem Tag wird auch das Gugs-Theater eingeweiht: Erstmals heißt es dann „Bühne frei“ in der Ex-Aula an der Richard-Köhn-Straße.

Einweihung des GuGs-Theaters und Aufführung des Musicals am Sonnabend, 21. Mai, um 19.30 Uhr. Karten für zehn/ermäßigt acht Euro gibt es online über die Internet-Adresse www.musical-company.net und an der Abendkasse eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn.