Pinneberg
Haseldorf

Konzerte im Dialog von Musik und Theologie

Foto: privat / HA

Veranstaltungsreihe in der Haseldorfer St. Gabrielkirche zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther in Wittenberge.

Haseldorf.  Für Jörg Dehmel gibt es „einen direkten Weg von Luther zu den Passionskonzerten Bachs“. Die große Bedeutung des Vaters des Protestantismus für die Kirchenmusik will der Haseldorfer mit Veranstaltungen zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ deutlich machen. Am Sonntag, 17. April, beginnen die Konzerte im Rahmen der Reihe „Musik und Theologie im Dialog“. Von 16 Uhr an ist in der Kirche St. Gabriel, Marktplatz 4, „Leçons de ténèbres“ von François Couperin (1668-1733) zu hören. Es treten auf Johanna Mohr, Sopran, Kerrin Brinkmann, Alt, Angelika Buchholz, Viola da gamba, und Dehmel am Cembalo. Pastor Helmut Nagel steuert die theologischen Erläuterungen bei. Eintritt: zehn Euro.

Die Worte der Bibel hatten für den Reformator zentrale Bedeutung, sagt Dehmel, „also warfen sich etliche Komponisten auf die Heilige Schrift, um sie zu vertonen.“ In dieser Tradition der Bibelvertonung stehe auch Bach. Zudem dichtete der Theologieprofessor eine ganze Reihe von Kirchenliedern. Luthers Liebe zur Musik spiegele auch wider, dass er gut gesungen und Laute gespielt haben solle, sagt der Kantor.

Für die Premiere hat er „eine überirdische ergreifende Musik“ mit der Vertonung der alttestamentarischen Klagelieder Jeremiahs durch François Couperin ausgesucht. Reizvoll ist das Werk für Dehmel, weil damals die französischen Komponisten ganz anders an die Texte herangegangen sind als ihre Kollegen aus Italien und Deutschland, zu denen auch Bach gehörte. Das Klagelied über die Zerstörung Jerusalems lässt sich zudem auf heutige Probleme wie Kriege, Flucht und Verfolgung übertragen. „Der Text ruft zur Umkehr auf, und die Musik sagt uns: ,Es lohnt sich’“, erklärt Dehmel.

So ambitioniert die Konzertreihe auch ist, steht sie doch unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit. Dehmel hatte auf Unterstützung aus den Sondertöpfen der Nordelbischen Kirche zum Reformationsjubiläum gehofft, denn Haseldorf gilt neben Rellingen als kirchenmusikalisches Zentrum im Kreis. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt. Größere Veranstaltungen mit Solisten und einem Ensemble aus historischen Instrumenten ähnlich den Passionskonzerten zum Karfreitag wird es deswegen nicht geben. Allerdings arbeitet Dehmel an mehreren kleinen Formaten. So sollen „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ von Haydn sowie eine Passion von Telemann zu hören sein. Termine gibt es für diese Konzerte noch nicht. Doch nach ein paar Gesprächen ist der Kirchenmusiker optimistisch, dass sich noch Sponsoren finden.