Pinneberg
Ehe

Die Rosenstadt Uetersen erlebt einen Hochzeitsboom

Die Uetersener Standesbeamte Anke Schlüter und ihr Team steuern auf die Rekordmarke von mehr als 600 Hochzeiten in diesem Jahr zu

Die Uetersener Standesbeamte Anke Schlüter und ihr Team steuern auf die Rekordmarke von mehr als 600 Hochzeiten in diesem Jahr zu

Foto: Fabian Schindler

Die Zahl der Trauungen steigt seit Jahren. Mittlerweile kommen immer mehr Hamburger. Es gibt sogar einen 24-Stunden-Trauservice.

Uetersen.  Uetersen gilt als die Rosenstadt. Und Uetersen hat sich selbst den Titel Hochzeitsstadt gegeben. Ist irgendwie logisch: Von Rosen über Brautstrauß bis Hochzeit ist es nur ein kleiner gedanklicher Sprung. Und das zieht bei Paaren im ganzen Norden. Spätestens seit die Rosen- und Hochzeitsstadt einen 24-Stunden-Trauservice anbietet, erlebt sie einen regelrechten Eheschließungsboom. In jüngster Zeit fällt auf, dass auch immer mehr Hamburger weit in den Kreis Pinneberg fahren, um sich das Jawort zu geben.

Ein paar Zahlen: 1998, im letzten Jahr ohne 24-Stunden-Dienst, gab es 139 Einsätze für die Standesbeamten. Damals zählte das Uetersener Standesamt noch für sich allein, 2007 fusionierte es mit dem in Tornesch. 2012 registrierte die Stadt 439 Brautpaare, 2013 schon 512, 2014 und 2015 dann 533 beziehungsweise 571. Für das Jahr 2016 sind momentan 394 Trautermine reserviert. Das sei deutlich mehr als in den Jahren zuvor um diese Zeit. Ein weiteres Rekordjahr sei damit zu erwarten, sagt Standesamts-Leiterin Anke Schlüter: „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr die 600er-Marke knacken werden.“

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Da hilft das Internet, in dem viele Ehepaare durchaus positiv von ihrer Trauung berichten. Und dann sind da eben die Hamburger. In der Hansestadt werden etwa 6800 standesamtliche Trauungen pro Jahr geschlossen. Was Anke Schlüter in Uetersen in Gesprächen mit jungen Paaren oft hört: „Sie berichten, dass es in Hamburg kaum noch Kapazitäten gebe, dass fast keine Termine mehr frei seien.“ Und die, die es noch gibt, würden oft als eher unattraktiv angesehen. Und besonders groß sei der Andrang, wenn es um besonders beliebte, da besonders hübsche Orte für eine Trauung in der Hansestadt gehe. Um Orte wie das Altonaer Museum.

Also lieber gleich Uetersen. Schöne Orte gibt’s da auch. Die meisten Eheschließungen werden nach Schlüters Worten allerdings im Rathaus geschlossen – ungefähr 46 Prozent. Besonders beliebt seien aber auch Trauungen auf der Hochzeitsinsel im Rosarium während der Sommermonate und an den Wochenenden (25 Prozent). Von Mai bis September seien an 14 Sonnabenden Termine vergeben worden – mindestens sieben an einem Tag, insgesamt 160 in diesem Jahr. 2015 heirateten dort 155 Paare.

Weitere beliebte Orte sind das Museum Langes Tannen und das St.Esprit am Kloster (je elf Prozent), Haseldorf (knapp fünf Prozent) und das Tornescher Heimathaus (etwa vier Prozent). Die Hochzeitsgäste kommen vorwiegend aus der Metropolregion Hamburg.

Aber nicht nur der Ort ist wichtig, sondern auch der Hochzeitstag. Termine mit sogenannten Schnapszahlen sind seit Jahren besonders beliebt, in diesem Jahr etwa der 6. Juni 2016. Besonders viel Arbeit wartet auf die Standesbeamten auch zu Silvester. 20 Trauungen sind an solchen Tagen nicht unüblich. Die Standesbeamten arbeiten dann in Doppelschichten. Aber auch zu Weihnachten oder am 1. Mai geben sich viele Pärchen das Jawort.

Ganz ohne Folgen bleibt der Boom auch in Uetersen nicht. Die Standesbeamten müssen bereits jetzt für bestimmte Tage und Uhrzeiten Absagen erteilen. Auch ein „Rund-um-die-Uhr-Service kommt halt irgendwann an seine Grenzen.

Bis zu zehn Trauungen stehen an einem Wochenende an. Die werden von jeweils einem Standesbeamten vollzogen. Die Belastung sei somit hoch, doch da das Team rund um die Uhr Ehebünde schließt, müsse die Arbeit entsprechend verteilt werden. Und auch wenn Ehen zu schließen immer etwas Besonderes sei – ein freies Wochenende möchten die Standesbeamten auch gern mal haben, sagt Schlüter.