Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wo im Kreis der Strom besonders günstig ist

Die Stadtwerke sind Grundversorger in Wedel. Servicemitarbeiter

Die Stadtwerke sind Grundversorger in Wedel. Servicemitarbeiter

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Vergleich der kommunalen Anbieter im Kreis Pinneberg. Netzentgelte, Abgaben und Umlagen steigen, doch die Einkaufspreise sinken.

Kreis Pinneberg.  Der Strommarkt ist kräftig in Bewegung. Dies liegt nicht nur an vielen neuen Anbietern, die nach der Liberalisierung des Marktes gegründet wurden. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz lässt die Kosten für die Unternehmen steigen. „Ursächlich für die Erhöhung der Strompreise sind die von der Bundesnetzagentur regulierten Netzentgelte, staatlich festgelegte Abgaben und Umlagen“, erklärt der Geschäftsführer der Stadtwerke Uetersen, Mathias Wiontzek. Gleichzeitig sinken die Preise, die die Energieversorger an der Strombörse zahlen müssen. Gegenüber 2010 reduzierten sich diese um rund ein Drittel.

Zu den neuen Akteuren auf dem Strommarkt gehören die Stadt- und Gemeindewerke. Neun gibt es im Kreis Pinneberg, die ganz unterschiedlich auf die geänderten Rahmenbedingungen reagieren. Einige haben die Preise erhöht oder werden es demnächst tun. Es gibt aber auch Senkungen. Primus, was das Thema Strompreissenkung betrifft, sind die Stadtwerke Wedel. „Wir hatten den Preis zum Anfang 2015 um drei Prozent gesenkt“, sagt Sprecherin Natali Steffen über den Arbeitstarif, den das Kommunalunternehmen in seiner Standortstadt nimmt. Der Grundpreis wurde jedoch minimal erhöht.

Unter dem Strich sparte ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4500 kWh im Jahr damit 26,46 Euro, rechnet sie vor. Eine weitere gute Nachricht für die Kunden der Stadtwerke Wedel: 2016 ist keine Strompreiserhöhung geplant. Bei einem Preisvergleich des Abendblatts auf Basis eines Vier-Personen-Haushaltes in einem Einfamilienhaus, der 4500 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, landen die Stadtwerke Wedel auf Platz 3.

Über Erhöhungen müssen sich auch die Kunden der Stadtwerke Elmshorn nicht ärgern. Der derzeit aktuelle Preis von 28,25 Cent pro kWh für die Grundversorgung in der Krückaustadt kam am 1. Januar 2015 durch eine Senkung um 0,48 Cent zustande. Abgaben und Umlagen seien damals gesenkt worden, sagt Geschäftsführer Sören Schuhknecht. Zudem wurde „besser beschafft“. Für 2016 plant Schuhknecht keine Erhöhungen.

Die gestiegenen Kosten konnten also offenbar durch die Beschaffung kompensiert werden. Die genaue Strategie will Schuhknecht nicht verraten. Nur so viel: „Es geht darum, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge zu kaufen.“ Zudem habe das Unternehmen die Wirtschaftlichkeit des Apparats verbessert. Motto: „Jeden Tag etwas besser.“ Trotzdem reichte es für die Stadtwerke Elmshorn bei unserem Preisvergleich nur zu Platz 7.

Drei Jahre hat EnergieRellingen den Preis für RellingenStrom konstant halten können, sagt Geschäftsführer Kai Lorbitzki. Mit dem 1. Januar wurde dann erhöht, und zwar der Arbeitspreis um 4,52 Prozent auf 27,49 Cent pro Kilowattstunde und der Grundpreis um 22,3 Prozent auf 102 Euro. Überwiegend aus regenerativer Energien werde der RellingenStrom produziert.

Eine „Erhöhung im Minimumbereich“ mussten die Stadtwerke Pinneberg nach den Worten ihres Geschäftsführers Henning Fuchs vornehmen, nämlich um 1,72 Prozent. Der Grundpreis bleibt unverändert. Das Kommunalunternehmen aus der Kreisstadt steht sowohl mit seinem Arbeits- als auch Grundpreis gut da im Vergleich zu den Wettbewerbern. Das bringt die Stadtwerke Pinneberg auf Platz 1 unseres Rankings.

Bei den Gemeindewerken Halstenbek steht die Erhöhung kurz bevor. Von 15. April an zahlen die Kunden 28,73 Cent pro Kilowattstunde statt 28,01 ein Anstieg um 2,6 Prozent. Der Grundpreis von 53,55 Euro bleibt bei den Gemeindewerken unverändert.

Die Stadtwerke Uetersen haben zum 1. Januar diesen Jahres angehoben, und zwar den Arbeitspreis von 26,65 auf 27,49 Cent/kWh, also um 3,15 Prozent und den Grundpreis von 8,50 auf 10 Euro im Monat und damit um 17,65 Prozent. Für dieses Jahr sind keine weiteren Veränderungen geplant, so Geschäftsführer Wiontzek, der darauf hinweist, dass ausschließlich sauberer Ökostrom geliefert werde.

„100 Prozent klimaguten Strom aus Wasserkraft“ bieten die Stadtwerke Barmstedt. Dort wurde der Arbeitspreis am 1. Februar um 2,62 Prozent auf 27,84 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Der Grundpreis von 50 Euro blieb unverändert. Ebenfalls aus Wasserkraft ist der Strom gewonnen, den die Stadtwerke Tornesch verkaufen. Am 1. März wurde der Arbeitspreis um 3,86 Prozent auf 25,85 Cent pro Kilowattstunde und der Grundpreis um 9,25 Prozent auf 98,51 Euro angehoben. Bei unserem Ranking für eine vierköpfige Familie erreichten die Tornescher dennoch Silber.

Die Stadtwerke Quickborn wollten nicht auf die Abendblatt-Fragen antworten. Sie gaben nur einen Hinweis auf die Angaben auf der Website. Danach besteht der aktuelle Grundversorgungspreis seit Mai 2015. Unbeantwortet bleibt also die Frage, ob, und wenn ja wann, Preise verändert werden. Bei unserem 4500-Kilowattstunden-im-Jahr-Vergleich landen die Stadtwerke Quickborn auf dem letzten Platz.

Bei unserem Preisvergleich haben wir uns an Daten aus dem Bundesumweltministeriums zur Energiewende orientiert. Ausgangspunkt war eine vierköpfige Familie, die in einem Eigenheim wohnt, in der die Heizung nicht über Strom läuft. Wir sind von einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden ausgegangen. Unsere Recherche bezieht sich auf die Grundpreise, die die Bürger im Stammgebiet der Stadt- und Gemeindewerke zahlen müssen. Sondertarife mit besonderen Bedingungen wurden nicht berücksichtigt.