Pinneberg
Kreis Pinneberg

Immer mehr Unfälle – Verkehrsmoral sinkt

Trotz Hubschraubereinsatzes kam jede Hilfe zu spät: Am 13. Mai 2015 wurde eine Seniorin in Uetersen auf ihrem Fahrrad von einem Lkw überrollt und starb an den Folgen der Verletzungen

Trotz Hubschraubereinsatzes kam jede Hilfe zu spät: Am 13. Mai 2015 wurde eine Seniorin in Uetersen auf ihrem Fahrrad von einem Lkw überrollt und starb an den Folgen der Verletzungen

Foto: TVR News / HA

Voriges Jahr 7371 Verkehrsunfälle im Kreis Pinneberg. Höchstwert in 20 Jahren. Polizei: Zunehmende Rücksichtslosigkeit am Steuer.

Kreis Pinneberg.  Auf den Straßen des Kreises Pinneberg wird es zunehmend gefährlicher. Das geht aus der aktuellen Unfallstatistik der Polizei für 2015 hervor. Demnach ereigneten sich im Kreisgebiet 7371 Unfälle, rund 20 am Tag. Es waren damit 329 mehr als im Jahr davor, was einem Anstieg um 4,7 Prozent entspricht. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Unfälle somit um fast 30 Prozent angestiegen, seit 2009 sogar um 40 Prozent. Die aktuelle Zahl ist sogar der Höchstwert der vergangenen 20 Jahre.

Das Unfallgeschehen steigt dabei mehr als doppelt so schnell an wie die Fahrzeugdichte. Seit 2011 hat sich die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Kreis Pinneberg um 8,2 Prozent auf jetzt 200.962 erhöht, während im selben Zeitraum die Unfälle um 19,4 Prozent gestiegen sind.

Die Fälle mit der Unfälle mit tödlichem Ausgang sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls leicht angestiegen, im Zehn-Jahres-Vergleich stagnieren sie allerdings auf relativ hohem Niveau. So starben voriges Jahr acht Menschen im Straßenverkehr des Kreisgebiets: drei Autofahrer, jeweils zwei Motorradfahrer und Fußgänger und eine Radfahrerin. 2014 kam es lediglich zu vier tödlichen Verletzungen auf den Straßen, was aber auch dem niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre entsprach. 2009 dagegen starben 17 Menschen im Straßenverkehr. „2009 war ein heißer Sommer“, hat Polizeidirektor Jan Lewering dafür eine plausible Erklärung. Seinerzeit hätten sich viele Zweiradunfälle ereignet. Dass die Zahl der Schwerverletzten (143 in 2015) seit 2006 leicht zurückgeht (minus 20), und die der Leichtverletzten (1352, plus 81) im selben Zeitraum nur leicht angestiegen ist (plus 6,3 Prozent), erklärt der stellvertretende Polizeidirektionsleiter mit dem ständig steigenden Verkehrsaufkommen. „Die Autofahrer müssen langsamer fahren und mehr aufpassen. Darum steigen die Blechschäden, Personenschäden nehmen tendenziell ab.“

Diese Aussage trifft weitgehend auch zu, wenn man die Unfälle in den größeren Städten des Kreises betrachtet. So ist die Zahl der Unfälle in Wedel seit 2011 um 43 Prozent, in Quickborn um 17 Prozent und in Pinneberg um elf Prozent angestiegen, während sie in Elmshorn mit 234 Unfällen den negativen Spitzenwert 2011 um einen Unfall verfehlte. Zugleich sank aber in den genannten Orten bis auf Wedel die Zahl der Verletzten um 15 bis 18 Prozent, die der Schwerverletzten halbierte sich sogar in Pinneberg und Quickborn. Auch hier markierte Wedel mit 15 statt vorher neun Schwerverletzten die Ausnahme dieser Entwicklung.

Betrachtet man Einzelgruppen beim Unfallgeschehen im Kreis Pinneberg, so zeigt sich eine steigende Tendenz bei Fußgängern (40 Prozent mehr Unfälle seit 2011), Radfahrern (plus 25 Prozent) und Motorradfahrern (plus zehn Prozent). Dafür machen die Verkehrsexperten bei der Polizei eine sinkende Moral und Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer verantwortlich. Wer sich falsch verhält, im Auto mit dem Handy am Ohr telefoniert oder nicht angeschnallt ist, zeige heute weniger Verständnis als vor einigen Jahren, wenn er erwischt wird. Vor allem das Anschnallverhalten lasse sofort nach, wenn der Kontrolldruck durch die Polizei weniger scharf sei, erklärt Polizeidirektor Lewering.

Ein steigendes Unfallrisiko für die Zukunft haben die Verkehrsexperten auch schon ausgemacht. Die zunehmende Zahl an E-Bikes, die insbesondere ältere Menschen wieder aufs Zweirad ziehen, werde voraussichtlich auch negative Folgen haben.