Pinneberg
Polizeibilanz

Mehr Unfälle, aber weniger Verkehrstote im Kreis

Die Zahl der Unfälle im Kreis Pinneberg, hier in der Pinneberger Straße in Rellingen, nimmt zu

Die Zahl der Unfälle im Kreis Pinneberg, hier in der Pinneberger Straße in Rellingen, nimmt zu

Foto: Arne Kolarczyk

Polizeibilanz 2014 für Kreis Pinneberg: Stellenstreichung stellt Beamte vor Probleme

Kreis Pinneberg.  7042 Mal hat es voriges Jahr auf den Straßen des Kreises Pinneberg gekracht. Das heißt, dass sich alle 75 Minuten ein Unfall ereignet hat – der höchste Wert des vergangenen Jahrzehnts, heißt es in der Jahresbilanz der Polizeidirektion Bad Segeberg. Allerdings sei dieser Anstieg des Unfallgeschehens um 12,5 Prozent fast vollständig darauf zurückzuführen, dass seit Oktober 2013 auch Bagatellunfälle mit nur leichten Sachschäden von der Polizei aufgenommen werden müssten, erklärte Indra Laschkowski, die in der Polizeidirektion für die Verkehrsangelegenheiten verantwortlich ist. Auch die wachsende Zahl an Fahrzeugen dürfte ihren Beitrag leisten. So waren 2014 mit 197.278 Fahrzeugen 7,8 Prozent mehr angemeldet als 2010.

Dafür hat die Zahl der tödlich verunglückten Menschen im Straßenverkehr mit vier Personen den niedrigsten Stand seit 2005 erreicht. In Elmshorn, Pinneberg sowie zweimal in Raa Besenbek erlagen ein Fußgänger, eine Radfahrerin, ein Pkw- und ein Kradfahrer ihren schweren Verletzungen.

Die Unfallbeteiligung junger Fahrer unter 25 Jahren sinkt seit vier Jahren

Die Hauptunfallursachen waren falsches Abbiegen, Vorfahrtmissachtung und zu schnelles Fahren. Wobei bei jüngeren Fahrern die unangepasste Geschwindigkeit und bei älteren der ungenügende Sicherheitsabstand herausragen. Bei jungen Fahrern unter
25 fällt auf, dass ihre Unfallbeteiligung seit 2011 kontinuierlich gesunken ist. Dies könnte an der Einführung des Führerscheins mit 17 Jahren liegen, der sie im ersten Jahr nur in Erwachsenenbegleitung ans Steuer lässt. Polizeidirektor Frank Matthiesen hat auch eine andere plausible Erklärung: „Es gibt weniger junge Menschen, die noch dazu seltener Führerschein machen.“

Auf zwei Entwicklungen ist der stellvertretende Chef der Polizeidirektion besonders stolz. So liegt die Zahl der Fahrradunfälle mit 478 im Kreis Pinneberg zwar auf einem sehr hohen Niveau. Aber die Steigerung war mit 1,7 Prozent erheblich niedriger als mit 14,4 Prozent in ganz Schleswig-Holstein. Auch die Zahl der durch Alkohol (120) und Drogen (20) verursachten Unfälle sei mit 3,7 Prozent weit unter der Entwicklung in allen anderen Kreisen geblieben.

In den Stadtgebieten haben sich in Elmshorn die meisten Unfälle ereignet

Matthiesen macht die Aufklärungsarbeit der Polizei an den Schulen für den deutlichen Rückgang der Zahl verletzter Radfahrern unter 15 Jahren verantwortlich. Zudem hätten verstärkte Polizeikontrollen dazu beigetragen, dass Alkohol am Steuer bei der Zahl der Unfälle um ein Neuntel gesunken ist.

Doch künftig könnte es mit diesen positiven Entwicklungen vorbei sein, warnt der Behördenchef. So hat der aktuelle Sparkurs der Landesregierung drei seiner vier Stellen für die Verkehrsplanung gestrichen. In Pinneberg, wo sich zurzeit Joachim Lang um Strategien zur Verkehrssicherheit und Aufklärung von Unfallursachen und Schwerpunkten kümmert, wird es künftig keinen Beamten dafür mehr geben. Ebenso betroffen sind die Stellungnahmen der Polizei (bislang 600 pro Jahr) für Bau- und Verkehrsprojekte sowie die Teilnahme an Verkehrsschauen und Begutachtungen von Unfallschwerpunkten. Matthiesen: „Das wird massive Auswirkungen auf unsere Präventionsarbeit im Straßenverkehr haben. Die jetzige Qualität werden wir jedenfalls nicht aufrechterhalten können.“

In den Stadtgebieten haben sich 2014 die meisten Unfälle mit 188 in Elmshorn ereignet vor Pinneberg mit 167, Wedel mit 114 und Quickborn mit 70. Bis auf Elmshorn, wo der Wert von 2010 wieder erreicht wurde, waren dies leichte Steigerungen zum Vorjahr.