Pinneberg
Verkehr

Kommt die rasende Emma zurück nach Tornesch?

Ein schon damals historischer

Ein schon damals historischer

Foto: Eisenbahnfreunde Uetersen

Uetersen erstickt im Verkehr. Bürgermeisterin regt an, Schienenverbindung in die Nachbarstadt wiederzubeleben. Idee kommt gut an.

Uetersen.  Gibt es eine Renaissance der Uetersener Eisenbahn? Die aktuellen politischen Entwicklungen machen das nicht vollends unwahrscheinlich. Denn um die zunehmende Verkehrsbelastung in der Region in den Griff zu bekommen, hat Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen im Dezember im Abendblatt-Gespräch eine Reaktivierung der Bahnstrecke Uetersen–Tornesch angeregt. Was eigentlich als eine reine Gedankenspielerei angefangen hat, gewinnt zusehends an Substanz.

Uetersen und die Eisenbahn, das ist eine durchaus kuriose Beziehung. Ein Rückblick: 1840 wollte die Altonaer-Kieler Eisenbahn eine Trasse durch Uetersen bauen. Doch Uetersens Fuhrleute sprachen sich gegen eine Bahn aus, sie fürchteten Konkurrenz für ihr eigenes Geschäft. Das kleine Tornesch bekam den Zuschlag und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Als Uetersens Kaufleute erkannten, welchen Fehler sie begangen hatten, gründete die Stadt Uetersen zusammen mit örtlichen Wirtschaftsunternehmen 1873 die Uetersener Eisenbahn AG.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Uetersener Eisenbahn AG auf der 4,4 Kilometer langen zweigleisigen Strecke zum wirtschaftlichen Höheflug an. Auf dem einen Gleis wurden Güter zum Hafen transportiert, auf dem anderen Gleis fuhren Schienenbusse die Menschen in Richtung Tornesch. Die Fahrzeuge bekamen pauschal den niedlichen Spitznamen rasende Emma. Bald wurden neue gekauft.

Doch in den 60er-Jahren gewann der Omnibus rasch an Bedeutung. Der Personenverkehr auf der Schiene wurde in der Folge am 29. Mai 1965 eingestellt – nur zehn Jahre, nachdem die neuen Züge in Betrieb genommen worden waren. Seitdem fahren nur gelegentlich Güterzüge – oder noch seltener Museumszüge – auf der auf ein Gleis zurückgebauten Strecke.

Und dieses letzte Gleis, es wäre beinahe auch verschwunden: 2012 wollte der Betreiber, die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft neg, die die Anlage 1998 übernommen hatte, das letzte Gleis beträchtlich zurückbauen, weil die Strecke defizitär war. Der Rat stimmte einem Rückbau von 800 Metern Schiene von der Bahnstraße bis zum Hafen zu. Die Fahrgastvereinigung Pro Bahn warnte davor. Ihrer Ansicht nach war eine mittelfristige Reaktivierung der Strecke für den Schienenpersonennahverkehr durchaus möglich.

Vier Jahre später wird nun genau das diskutiert. Bürgermeisterin Andrea Hansen hat nach eigener Aussage nicht damit gerechnet, dass die Idee einer Bahn-Wiederbelebung überhaupt auf ein Echo stoßen würde, doch auf Kreis- und Landesebene ist der Vorschlag mit Interesse zur Kenntnis genommen worden. Weil es bei der Planung der Kreisstraße 22, die Uetersen und Tornesch vom Verkehr entlasten soll, nach wie vor hakt und der Planfeststellungsbeschluss abermals verschoben worden ist, braucht die Region Alternativen, um der stetig wachsenden Verkehrsbelastung in Tornesch, Uetersen und Moorrege begegnen zu können.

Ein Schienenbus, der von Uetersen aus knapp vier Kilometer bis zum Tornescher Bahnhof zurücklegt, könnte zur Rushhour eine Entlastung bringen, sagt Hansen. „Er darf aber kein Ersatz für die K 22 sein. Die wird trotz allem gebraucht“, sagt Hansen. Entscheidend wird sein, ob Tornesch und die Landesregierung bei der Idee wirklich mitspielen werden und ob auch der Bahnbetreiber neg eine Reaktivierung der Strecke als finanziell tragbar einschätzen wird.

Laut dem Landtagsabgeordneten Kai Vogel (SPD) ist die Bahnstrecke im Landesnahverkehrswegeplan bereits als eine näher zu untersuchende Linie bezeichnet. Eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs mehr als 50 Jahre nach seinem Ende ist damit theoretisch machbar. Wenn ein entsprechender Bedarf für einen Schienenbus festgestellt worden ist, so Vogel, sei die Reaktivierung denkbar – vorausgesetzt, Kosten und Nachfrage stünden in einem akzeptablen Verhältnis. Dies müsse zunächst eingehend geprüft werden.

In Tornesch ist die Idee jedenfalls auf offene Ohren gestoßen. Die SPD hat Hansens Vorschlag als „denkbar“ bezeichnet. „Die grundlegende Frage ist zunächst: Ist das ganze finanzierbar?“, sagt auch Torneschs SPD-Fraktionschefin Verena Fischer-Neumann.

Auch die Tornescher CDU ist der Ansicht, dass man parallel zur K 22 alle Optionen für eine Verkehrsentlastung der Stadt prüfen müsse. Ob die rasende Emma wieder fahren wird, hänge in erster Linie vom Land ab. Einfacher sei es vermutlich, so die CDU, einen Shuttlebus zwischen Uetersen und Torneschs Bahnhof pendeln zu lassen, um den Verkehr zu den Spitzenzeiten abzufangen.