Pinneberg
Insolvenz

Holmer Baumschule BKN Strobel muss aufgeben

Für die BKN Strobel hat sich das Geschäft mit dem Grün nicht mehr rentiert. Die Firma musste Insolvenz anmelden und hat nun den Geschäftsbetrieb eingestellt

Für die BKN Strobel hat sich das Geschäft mit dem Grün nicht mehr rentiert. Die Firma musste Insolvenz anmelden und hat nun den Geschäftsbetrieb eingestellt

Foto: Fabian Schindler

Rettung des insolventen Traditionsbetriebes gescheitert. Baumschule mit 82 Mitarbeitern wird nach 89 Jahren im Geschäft abgewickelt.

Holm.  Für die Baumschuler der Region ist die Nachricht erschütternd: Die Rettung der insolventen Baumschule BKN Strobel ist gescheitert. Nach 89 Jahren Firmengeschichte gehen nun in Holm die Lichter aus. An der Pinneberger Straße hatte das Unternehmen seinen Sitz, das zu Hochzeiten mehr als 120 Mitarbeiter beschäftigte und dreimal in Folge mit dem Branchen-Award TASPO unter anderem auch als „Baumschule des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Doch diese Glanzzeiten sind vorbei. Den noch vorhandenen 82 Mitarbeitern wurde gekündigt, der Betrieb abgewickelt.

Ins Trudeln geriet BKN Strobel vor knapp zwei Jahren. Das Unternehmen war einer der Hauptlieferanten für die Baumarktketten Praktiker und Max Bahr, die 2014 nach Insolvenz geschlossen wurden. Die Baumarktpleite bescherte BKN Strobel Verluste, gleichzeitig brachen die größten Abnehmer weg. Im September 2015 meldeten die Geschäftsführer beim Amtsgericht Pinneberg Insolvenz für die Produktions- und die Betriebsgesellschaft an.

Hochmoderne und nachhaltige Produktionsverfahren sowie einen ausgezeichneten Ruf in der Branche: Die vom Amtsgericht eingesetzte Insolvenzverwalterin Jennie Best von der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte gab sich damals zuversichtlich, dass eine Sanierung und Weiterführung des Betriebes gelingen würde.

Mitarbeiter wurden bereits gekündigt

Anfangs sah es auch danach aus. Dank des großen Einsatzes der Mitarbeiter konnte der Geschäftsbetrieb laut Best zunächst fortgesetzt werden. Auch an Interessenten mangelte es nicht. Zahlreiche Investoren hätten sich mit der Übernahme des Geschäftsbetriebes auseinandergesetzt. „Keiner der Interessenten konnte sich letztlich durchringen, das Unternehmen der BKN-Gesellschaften zu erwerben und den Betrieb fortzuführen“, erklärt Best am Dienstag auf Abendblatt-Nachfrage.

Aufgrund des erheblichen Liquiditätsbedarfes in den Wintermonaten wäre eine langfristige Fortführung auf Kosten der Insolvenzmasse nicht möglich. Das bedeutete das Ende für den Traditionsbetrieb. Die Mitarbeiter, deren Gehälter bis Ende November durch die Agentur für Arbeit gesichert waren, erhielten die Kündigung. Bereits Mitte Dezember meldete die Insolvenzverwalterin bei Gericht Masseunzulänglichkeit für BKN Strobel an. Das bedeutet, dass das noch vorhandene Vermögen noch nicht einmal zur Deckung der Kosten des Insolvenzverfahrens ausreicht. Am 15. Januar wurde das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet.

Inzwischen ist auch wieder Masse vorhanden. Jennie Best hat die Grundstücke der BKN-Gruppe inklusive des Firmensitzes, das bewegliche Anlagevermögen und den restlichen Warenbestand an verschiedene Abnehmer verkauft. Auch der Großteil des noch vorhandenen Auftragsbestands fand einen Abnehmer. Auf diese Weise erhalten die meisten Kunden ihre Ware. Zu den Details und den Erwerbern wollte sich die Insolvenzverwalterin nicht äußern. Sie gab jedoch preis, dass der Ausverkauf so viel Geld in die Kasse spülte, dass voraussichtlich die größten Gläubiger befriedigt werden können.

300 Rosensorten in der Produktpalette

Die Nachricht, dass der Geschäftsbetrieb eingestellt wird, trifft auch den Geschäftsführer des Baumschulverbandes Schleswig-Holstein, Frank Schoppa, hart und unerwartet. Auch er hatte auf eine Rettung gehofft. „Für die Baumschulregion ist das eine sehr betrübliche Nachricht. BKN Strobel war ein Vorzeigebetrieb, ein nationaler Händler, der viel Ware aus der Region herausgehandelt hat.“ Tatsächlich sei noch unklar, inwieweit nun auch andere Baumschulen indirekt durch die Pleite betroffen sind.

BKN Strobel war auf die Anzucht von Freiland- und Container-Rosen spezialisiert und zählte auf diesem Sektor zu den größten Unternehmen Europas. Die Produktpalette setzte sich aus 300 Rosensorten zusammen. Über die Pflanzenhandelsgesellschaft belieferte das Unternehmen Gartencenter. Seine Wurzeln reichen bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, als Gustav Strobel in Pinneberg die Strobel und Co. Baum- und Rosenschulen gründete. Sie befasste sich mit der Produktion von Freilandpflanzen. 1951 übernahm Strobel und Co. die Generalvertretung der französischen Rosenzüchter-Firmengruppe Meilland. Seit 1963 wurden neben Rosen auch Baumschulgehölze im Container gezogen. 1987 übernahm das Rellinger Baumschulen Kontor Nord (BKN) Strobel und Co. Seitdem lautet der neue Firmenname BKN Strobel. 2002 zog der Betrieb nach Holm. In die damals modernste Baumschule Europas wurden 15,34 Millionen Euro investiert.

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