Pinneberg
Kreis Pinneberg

Mit dem Wünschewagen zum letzten Ziel

Unter dem Namen "Wünschewagen – letzte Wünsche wagen" hat der ASB Landesverband Schleswig-Holstein ein Ehrenamtsprojekt ins Leben gerufen, um Sterbenskranken letzte Wünsche zu erfüllen

Unter dem Namen "Wünschewagen – letzte Wünsche wagen" hat der ASB Landesverband Schleswig-Holstein ein Ehrenamtsprojekt ins Leben gerufen, um Sterbenskranken letzte Wünsche zu erfüllen

Foto: Anne Dewitz / HA

Arbeiter-Samariter-Bund bringt sterbenskranke Menschen mit einem umgebauten Krankenwagen von Elmshorn aus an ihre Sehnsuchts-Orte.

Kreis Pinneberg.  Ein letztes Mal eine Bootsfahrt auf der Kieler Föhrde machen; wie seit Jahren geplant und nie realisiert, mit einem guten Freund die Autowerke in Wolfsburg besichtigen oder noch einmal bei der Familienfeier dabei sein dürfen. Die letzten Wünsche sind häufig bescheidene, doch für schwerkranke oder alte Menschen selten zu realisieren. Wie die medizinische Versorgung auf der Fahrt sicherstellen? Wie den Transport organisieren und finanzieren? Viel zu häufig können die Träume nicht verwirklicht werden, wenn Angehörige verständlicherweise mit der Beförderung und Betreuung eines bald sterbenden Menschen überfordert sind.

Nun hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Landesverband Schleswig-Holstein ein Ehrenamtsprojekt ins Leben gerufen, das sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit einer geringen verbleibenden Lebenserwartung ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Unter dem Motto „Wünschewagen – letzte Wünsche wagen“ wurde ein Rettungswagen liebevoll umgestaltet. Rund 100.000 Euro hat die Anschaffung gekostet. Sie konnte durch Beiträge der insgesamt 12.000 Mitglieder des Sozialverbandes ermöglicht werden. „Ihnen gilt auch unser Dank“, sagte Bruno Masuch, stellvertretender Vorsitzender des Regionalverbandes Pinneberg/Steinburg, bei der Vorstellung des Wünschewagens in Elmshorn.

Wunschfahrten werden in Elmshorn koordiniert

„Das Fahrzeug erfüllt zwar die Kriterien eines normalen Krankenwagens, unterscheidet sich aber in der liebevollen Einrichtung“, sagt Marion Gaudlitz Vorsitzende des Regionalverbandes. Die Fahrt solle möglichst behaglich und angenehm sein. „Dazu wurden besondere Lichteffekte, eine hochwertige Musikanlage, von außen nicht einsehbare Panoramafenster eingebaut. Und es gibt ein Bild, das für jeden Fahrgast ausgetauscht wird.“ Unbürokratisch und schnell sollen die Wünsche erfüllt werden. Der Sozialverband wolle dort helfen, wo die Krankenkassen nicht mehr helfen können oder wollen.

Was machbar sei, wolle man ermöglichen, sagt auch Geschäftsführer Sören Strohbach. „Wir werden uns dafür keinen Nachweis über Einkommenssituation oder Krankenstand geben lassen.“ Auch eine Mitgliedschaft sei nicht Bedingung. Seit dem 7. Dezember wurde der Betrieb unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsdenten Torsten Albig aufgenommen. Zwei Wünsche konnten seitdem erfüllt werden, für zwei andere reichte die Lebenszeit leider nicht aus“, sagt Sören Strohbach, dessen Sitz in Elmshorn ist. Dort ist auch der Wünschewagen stationiert, und die Wunschfahrten werden von hier aus koordiniert.

Strohbach, gelernter Rettungsassistent, hat selbst schon eine Fahrt begleitet. „Wir bringen die Fahrgäste und ihre Begleitung zum Wunschort, begleiten die Reise und bringen sie sicher wieder nach Hause oder ins Hospiz“, sagt er. Der Wünschewagen ist in ganz Schleswig-Holstein unterwegs und jeder Mensch, der noch eine sehr geringe Lebenserwartung habe, könne diesen Dienst in Anspruch nehmen.

Projekt auf andere Bundesländer ausweiten

Damit dies gelingt, würden regelmäßig ehrenamtliche Begleiter mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund akquiriert und geschult. Die ersten 20 Helfer wurden bereits palliativmedizinisch qualifiziert.

Die Kosten für eine „private“ – also medizinisch nicht notwendige – Fahrt im Krankentransporter können von Kranken- und Pflegekassen nicht übernommen werden. Für die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen sollen aber keine Kosten entstehen. Darum ist der ASB langfristig auf Spenden und ehrenamtliche Hilfe angewiesen.

„Die Idee entstand im vergangenen Sommer“, sagt Marion Gaudlitz. Die Inspiration dazu sei von Kollegen in Essen gekommen. Beim ASB Ruhr startete bereits im Sommer 2014 deutschlandweit der erste Wünschewagen. 135 Ehrenamtliche stehen dort mittlerweile für Fahrbegleitungen zur Verfügung. Nach den Plänen des ASB-Bundesverbandes sollen in naher Zukunft in allen 16 Bundesländern Wünschewagen unterwegs sein.

Dass Elmshorn eine Vorreiterrolle zukommt, freut Bürgermeister Volker Hatje: „Ein tolles Projekt“, sagte er. Es gebe doch immer eine Situation im Leben, in der man sich im Nachhinein frage: Warum haben wir nicht? Nun gebe es die Chance, am Ende eines Lebens angemessen Abschied zu nehmen und seinen Frieden zu schließen.