Holm

Hilfe, wenn der Krebs die Familie zerstört

Der Verein KEKK betreut an Krebs erkrankte und deren Kinder und Angehörige. Ins Leben gerufen wurde der Verein von Leena Molander (l.) und Dörthe Bräuner

Der Verein KEKK betreut an Krebs erkrankte und deren Kinder und Angehörige. Ins Leben gerufen wurde der Verein von Leena Molander (l.) und Dörthe Bräuner

Foto: Fabian Schindler

Verein Kindesglück und Lebenskunst KEKK bietet neue Therapieangebote für Kinder an. Ehrenamtliche Helfer werden noch gesucht.

Holm/Wedel.  Wenn ein Elternteil schwer erkrankt und das Leben aus den Fugen gerät, ist dies für viele Kinder traumatisch. Der Verein Kindesglück und Lebenskunst KEKK aus Holm kümmert sich um Familien, bei denen ein Elternteil an Krebs oder anderen schweren Krankheiten leidet. Bislang gibt es eine Selbsthilfe, eine Familienhilfe und eine Kinderhilfsgruppe. Von 2016 an soll das Angebot nochmals ausgeweitet werden.

Die Zahl der Krebserkrankungen und die Zahl der Todesfälle aufgrund einer Krebserkrankung steigt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO global unvermindert an. 2014 gingen Wissenschaftler von rund 500.900 neu an Krebs erkrankten Patienten in Deutschland aus. Laut der Deutschen Krebshilfe sterben jährlich etwa 224.000 Menschen in der Bundesrepublik an der Krankheit und damit jeder vierte unheilbar Kranke an einer der diversen Krebsarten, die es gibt.

Für das Jahr 2015, so Jörg Haberland vom Robert Koch-Institut, müsse davon ausgegangen werden, dass geschätzte 600 Menschen pro Tag an Krebs sterben. Damit bleibt Krebs nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Die Folgen der oftmals langwierigen Erkrankung sind für Familien extrem belastend, eine besondere, zielgerichtete Betreuung der Betroffenen und der Angehörigen ist laut Experten daher notwendig.

Der Holmer Verein KEKK ist seit 2011 eine der Institutionen, die sich um derart betroffene Familien kümmern. „Unser Angebot ist nach wie vor einzigartig im Kreis“, sagt Dörthe Bräuner vom Vereinsvorstand. Etwa 15 Familien seien bei den Selbsthilfegruppen dabei, um sich mit den Belastungen der Erkrankung und der psychischen Belastung für die Familie zu arrangieren. Acht Familien würden derzeit akut über das Patenprogramm des Vereins betreut. Doch die Angebote, die es bislang gibt, seien nicht mehr ausreichend. Insbesondere bei der Kinderbetreuung gebe es Handlungsbedarf, weil nicht immer die Sprache Heilmittel ist.

„Wir werden daher für Kinder einen Workshop für Trauernde und eine Gruppe mit dem Namen Kekke-Künstler anbieten“, sagt Leena Molander, die gemeinsam mit Dörthe Bräuner den Verein ins Leben gerufen hat. Die Kekke-Künstler-Gruppe wird eine Kunsttherapiegruppe sein. Die erfahrene Therapeutin Thekla Samulat wird in ihr für Kinder zwischen sechs und 16 Jahren eine Therapie mittels künstlerischer Erfahrungsverarbeitung und -aufarbeitung bieten. „Nicht alle Kinder sind in der Lage, ihre Probleme in Worte zu fassen, daher bieten wir diese Art der Therapie an, bei der bildlich ausgedrückt werden kann, was das Kind belastet“, sagt Molander. Wann die Gruppen genau starten, hängt davon ab, wie schnell die Gruppen ausgebucht sind. „Wir gehen davon aus, dass die Kekken-Künstler im Januar, spätestens im Februar starten“, sagt Bräuner. Mittwochs sollen von 17 bis 19 Uhr zwischen sechs und acht Kinder betreut werden. „Ganz kostenfrei wird dass Angebot mit 30 Euro pro Kind nicht sein, für sozial schwache Familien wird es aber sicher eine flexible Lösung geben“, sagt Bräuner.

Die Gruppe wird alle zwei Wochen am Spatzennest des DRK-Ortsverbandes in Wedel am Buchsbaumweg zusammenkommen. Freitags wird im Spatzennest zudem der Workshop für Trauernde mit der Trauerbegleiterin Frieda Harmsen angeboten. Hier geht es aber nicht nur um den Umgang mit dem Tod im Falle von Krebs, sondern auch bei anderen schweren Krankheiten oder Unfällen. Räumlich getrennt von den Kindern werden die Eltern betreut. Die Erwachsenen werden von der Trauerbegleiterin Hilda Ross in der Begegnungsstätte des Wedeler DRK-Ortsvereins an der Rudolf-Höffner-Straße begleitet. Auch dieser Workshop kostet 30 Euro pro Person. „Wir beginnen, sobald genügend Anmeldungen da sind“, sagt Bräuner.

Finanzielle Unterstützung erhält der Verein für diese Programme. Etwa von der Oemeta aus Uetersen. Die fördert die Kunsttherapie mit 2500 Euro. 10.000 Euro hat der Verein für seinen Workshop über den Sparda-Bank-Award erhalten, weitere 1500 Euro kommen von der Margot und Wolf-Dieter Merkel-Stiftung hinzu. Ein Wedeler Unternehmen will noch eine beträchtliche Spende an den Verein geben. Dennoch: Spenden seien weiter nötig, um die Angebote aufrechterhalten zu können. Und auch ehrenamtliche Helfer. „Wir suchen Menschen, die die Kinder im Kreisgebiet abholen und zu den Sitzungen hin- und zurückfahren“, sagt Molander. Interessenten müssen ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und an zwei Nachmittagen pro Woche Zeit haben. Auslagen und Fahrtkosten würden erstattet.