Pinneberg
Gründer starten durch

Die Brüder Green sind Wedels Whisky-Experten

Sven Green (v.l.) und Björn Green versteigern und verkaufen Spirituosen

Sven Green (v.l.) und Björn Green versteigern und verkaufen Spirituosen

Foto: Green Whisky

Letzter Teil der Serie „Gründer starten durch“. Björn und Sven Green aus Wedel verdienen ihr Geld mit der Versteigerung von Spirituosen.

Wedel.  Whisky war eigentlich nicht Björn Greens Ding. Doch nachdem die Frauenwelt seinem Bruder Sven das Herz gebrochen hatte, saßen die beiden bei einem Männerabend zusammen und tranken auf sich und ihre neu gewonnene Freiheit ein Glas Glenmorangie Whisky.

Der würzige Geschmack des „Quinta Ruban“ hatte es Björn Green sofort angetan. So sehr, dass der 35-Jährige noch am selben Abend zum Whisky-Fan mutierte und von diesem Zeitpunkt an begann, reihenweise Flaschen zu kaufen und zu sammeln. Um die 100 Stück hat der Wedeler innerhalb kürzester Zeit bei sich zu Hause zusammengetragen. „Meine teuerste Flasche hat einen Wert von 5200 Euro“, erzählt er. „Das sind richtige Raritäten.“

Und mit diesen Raritäten verdienen die Green-Brüder jetzt ihr Geld. Fünf Jahre nach dem legendären Männerabend wurde aus Björn Greens privatem Spirituosenbestand ein Ladengeschäft. Mit seinem Bruder verkauft er seit Oktober 2014 in Wedel, Bei der Doppeleiche 2, Whisky, Gin, Rum, Vodka, Tequila, Brände und Liköre. „Green Whisky“ ist zur Anlaufstelle für Kenner und Genießer geworden.

Neugründer erkannten die Marktlücke

Die Geschäftsfelder der Brüder umfassen neben der Verkaufsfläche in Wedel und einem Onlineshop ein Auktionsportal für Whiskyflaschen im Internet. Deutschlandweit gab es zuvor nur einen Anbieter für derartige Onlineauktion von Spirituosen. Die beiden Neugründer erkannten die Marktlücke und stiegen mit „Green Whisky“ im September dieses Jahres in das Business ein.

Das Prinzip der Versteigerung ist einfach: „Der Kunde bringt seinen Whisky zu uns in den Laden, und wir prüfen die Flasche“, sagt Björn Green. Viele Kunden wüssten gar nicht, dass die Whiskyflasche in der hauseigenen Bar oder im Wohnzimmerschrank wertvoll sein könne. „Anschließend schießen wir Fotos der Flasche, stellen diese online und versteigern das Getränk weltweit.“ Das ersteigerte Geld erhält der Kunde. Die Neugründer behalten 15 Prozent Verkaufsprovision.

„Die Spirituose ist eine sehr gute Wertanlage“, sagt der 35-Jährige. Besonders in Asien sei die Nachfrage nach limitierten Auflagen derzeit hoch. Hersteller bringen gezielt nur eine geringe Anzahl an Whiskysorten pro Jahr in den Umlauf. „Es gibt immer noch genug wohlhabende Menschen, die zu einem bestimmten Anlass eine besondere Flasche aufmachen“, sagt er.

Daher werden die übrigen Flaschen immer wertvoller. Björn Green macht es an einem Beispiel deutlich: „Vor zwei Jahren habe ich mir einen Ardbeg Supernova für 18 Euro gekauft. Jetzt ist er 500 Euro wert.“ Einfach sei es jedoch nicht, an die kostbaren Sondereditionen zu kommen, selbst für Großhändler nicht. Das habe auch etwas mit Glück zu tun. „Bei der letzten Auktion hatten wir eine Flasche dabei, die 4000 Euro wert ist.“

Kostbare Produkte fallen nicht selten Fälschern zum Opfer. Wie schützen sich die Neugründer vor solchen sogenannten Fake-Produkten? „Wir kon-trollieren jeden Whisky auf Echtheit“, sagt Björn Green. Es gebe diverse Merkmale, die die Fälschungen vom Original unterscheiden. Eins davon sei das Etikett. „Oft sind bei Fälschungen auf dem Etikett Schreibfehler“, so der Neugründer. „Die meisten gefakten Flaschen stammen aus Italien.“

Die Neugründer sind mit ihrer Wertanlage „Green Whisky“ nach eineinhalb Jahren Öffnung sehr zufrieden. Zusammen steckten die beiden Brüder 100.000 Euro in Marke, Geschäft, Onlineshop und Internetauktion. „Der Laden deckt die Kosten und bringt uns sogar ein paar 100 Euro plus im Monat“, so Björn Green. „Wir haben noch nie rote Zahlen geschrieben.“

Sein Bruder Sven Green glaubt an das Geschäftsmodell ihres Unternehmens: „Wir haben mehrere Standbeine und noch einiges an Potenzial“, so der Gründer. „Momentan arbeiten wir außerdem daran, Whisky selbst zu importieren und überlegen, im Gastrobereich Fuß zu fassen.“ Die Zeichen stehen offenbar auf Expansion.