Baustelle

Pinneberger Schule: Hier sollten längst Lehrer konferieren

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Andreas Daebeler
Thomas Gerdes lebt mit einer Baustelle. Er und seine Kollegen müssen auf ihr neues Lehrerzimmer warten

Thomas Gerdes lebt mit einer Baustelle. Er und seine Kollegen müssen auf ihr neues Lehrerzimmer warten

Foto: Andreas Daebeler / BM

An Pinneberger Schule hoffen Lehrer bisher vergeblich auf vernünftige Arbeitsbedingungen. Lehrerzimmer sollte im Sommer fertig sein.

Pinneberg.  Die alte Schwimmbaduhr hängt noch. Wände sind nur teilweise verkleidet, in der Ecke ein Stapel Steine. Ortstermin in dem ehemaligen Lehrbecken der Grund- und Gemeinschaftsschule (Gugs) im Pinneberger Quellental. Wo einst Kinder das Kraulen lernten, sollten eigentlich täglich 70 Pädagogen konferieren und den Unterricht vorbereiten.

Immerhin: Während an anderen Pinneberger Schulen Stillstand herrscht, wird hier gewerkelt. Doch der etwa 1,2 Millionen Euro teure Umbau der Schwimmhalle, der ursprünglich im Sommer 2015 abgeschlossen werden sollte, verzögert sich massiv. Für Rektor Thomas Gerdes und sein Kollegium bedeutet das weiterhin Arbeitsbedingungen am Rande des Erträglichen. Klarheit, wann neue Räume im Ex-Schwimmbad genutzt werden könnten, gebe es nicht. „An dieser Schule herrscht ein massives Ohnmachtsgefühl“, so Gerdes.

Pinnebergs Schulen – ein Fass, dem längst der Boden fehlt. Weil jahrelang zu wenig in die Gebäude investiert wurde, türmt sich ein Sanierungsstau von bis zu 45 Millionen Euro auf. Bereits im Jahr 2013 hatte Gerdes den Schulbetrieb am Standort Richard-Köhn-Straße komplett in Frage gestellt, was ein überregionales Medienecho zur Folge hatte. Sogar Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) machte sich im Mai 2014 ein Bild von den Zuständen an der Gemeinschaftsschule. Nach seinem Rundgang sprach der Landesvater von maroden Schulräumen und einem mit 98 Quadratmetern viel zu kleinen Lehrerzimmer. Gerdes hat die Unfallkasse über die Arbeitsbedingungen, unter denen seine Kollegen ihren Job tun müssen, in Kenntnis gesetzt.

2014 schien alles auf einem guten Weg: So sollte der Umbau des Schwimmbeckens noch im selben Jahr beginnen. 618.000 Euro sollten ausgegeben, das Projekt 2015 mit noch einmal derselben Summe zum Abschluss gebracht werden. Unmittelbar nach Fertigstellung hätten die Lehrer in den Trakt ziehen sollen, um die unmittelbare Modernisierung des dann leeren Verwaltungstrakts zu ermöglichen. Es blieb bislang bei dem Plan.

Mit Silkata Sahin-Adu, die den für städtische Gebäude zuständigen Kommunalen Servicebetrieb Pinneberg (KSP) leitet, ist Gerdes stets im Gespräch. An der Arbeit des KSP hat er nichts auszusetzen. Er kritisiert vielmehr, dass die Politik benötigte Gelder aus dem Etat gestrichen habe. So sei etwa eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung „klammheimlich“ einkassiert worden, ohne ihn als Schulleiter darüber zu informieren.

Sahin-Adu bestätigte am Dienstag auf Abendblatt-Nachfrage, dass es beim Umbau des Schwimmbads zu Verzögerungen gekommen sei. Pläne hätten geändert werden müssen, es gehe unter anderem um den Einbau eines Fahrstuhlschachts. Sie gehe davon aus, dass die neuen Räume im Frühjahr 2016 bezogen werden könnten. Das werden auch die Schulsozialarbeiter gern hören. Sie sitzen in beengten Räumen. Ändern wird sich das erst, wenn auch der Verwaltungstrakt in Haus 1 der Grund- und Gemeinschaftsschule modernisiert ist – und die Lehrer wieder in ihr dann saniertes und größeres Domizil zurückkehren. Dann soll die Schulsozialarbeit im ehemaligen Lehrbecken ein Zuhause finden. Auf die Frage, wann genau das der Fall sein wird, hat Sahin-Adu keine Antwort: „Dafür fehlt noch ein Beschluss der Politik, Geld muss bereitgestellt werden.“ Es sei unmöglich, eine verlässliche Aussage zu treffen.

Die Verzögerungen an der Gemeinschaftsschule reihen sich in eine Serie von Hiobsbotschaften ein. Erst kürzlich hatte das Bauchaos an der benachbarten Theodor-Heuss-Schule für viel Aufsehen gesorgt. Das Gymnasium ist seit acht Jahren eine Baustelle. „Ich fürchte hier ähnliche Zustände“, sagt Gerdes, der sich nebenbei damit herumschlägt, dass die Stadt ihm einen neuen Physikraum spendiert hat, jedoch dringend benötigte Strom- und Gasanschlüsse fehlen.

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