Pinneberg
Wirtschaft

Geschäftsführer auf einer schwierigen Werbetour

Harald G. Schroers Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Pinneberg WEP Tornesch

Harald G. Schroers Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Pinneberg WEP Tornesch

Foto: Burkhard Fuchs bf / Burkhard Fuchs

Für die umstrittene Neuausrichtung der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg wirbt Geschäftsführer Harald Schroers

Kreis Pinneberg.  Die, kurz WEP, ist seit zehn Jahren eine Erfolgsgeschichte. 2005 noch war die WEP, deren Aufgabe es ist, Unternehmen in den Kreis Pinneberg zu locken und zu halten, damit Arbeitsplätze und Steuereinnahmen generiert werden, mit fast 30 Millionen Euro verschuldet. Inzwischen ist sie schuldenfrei.

Neben dem Schuldenabbau hat die WEP in den vergangenen zehn Jahren mehr als 44 Millionen Euro an Investitionen im Kreis angeschoben. Die Zahl der Arbeitsplätze im Kreis ist seit 2010 kontinuierlich angestiegen. Zehn Millionen Euro liegen für Investitionen auf dem Konto der WEP bereit. In vielen Punkten gilt der Kreis Pinneberg wirtschaftlich als Musterbeispiel in der Metropolregion. Das ist auch der Verdienst von Geschäftsführer Harald Schroers. Nicht ganz ohne Stolz sagt er: „Ich habe den Laden in zehn Jahren komplett umgekrempelt“. Unter seiner Regie ist die WEP zum Erfolgsmodell geworden. Eigentlich ein Grund, alles so zu belassen, wie es ist. Dennoch kommt alles anders.

Seit Monaten tourt Schroers durch den Kreis und wirbt für eine umstrittene Neuausrichtung der WEP. Sie ist nötig, weil die schwarz-grüne Mehrheit im Kreistag der WEP im April 2014 starke Fesseln verpasst hat. Politiker und Wirtschaftsexperten haben seitdem erhebliche Zweifel am Erfolg der „neuen Strategie“ . Sogar die Überlebensfähigkeit der WEP wird infrage gestellt.

„Wir wollen verhindern, dass die WEP an den Kommunen vorbei Grundstücke kauft. Die Kommunen müssen die Planungshoheit behalten“, verteidigte Helmuth Ahrens, CDU, das Kreistags-Votum. Die Grünen fanden es unmöglich, dass die WEP im Alleingang entwickelt habe. Seit dem Kreistagsbeschluss 2014 darf sich die WEP nur an Projekten beteiligen, die mehrheitlich von den Kommunen finanziert und von den Kreisgremien abgesegnet werden. Damit das alles juristisch in sauberen Tüchern ist, soll eine neue Gesellschaftsform entstehen: Die WEP Kommunalholding GmbH. Für die wirbt Schroers jetzt. In Uetersen stellte er das Projekt vor. Seine zweite Werbestation seit dem Kreistagsbeschluss.

13 Gesellschafter soll es künftig geben. Diese sollen ihr Portemonnaie öffnen, um ein Stammkapital von 26.000 Euro zu schaffen. Für jede Gemeinde und jede Stadt, die an der WEP beteiligt würde, wären das 2000 Euro. Hinzu käme ein einmaliges Aufgeld von 1000 Euro sowie eine Einlage von 2000 Euro für den Aufbau von Eigenkapital. Das macht unter dem Strich 5000 Euro pro Gesellschafter, plus 800 Euro pro Jahr, um die laufenden Kosten zu decken. „Das ist nicht viel“, sagt Schroers. Dennoch ist das Projekt nicht ganz einfach. Denn sobald ein Interessent abwinkt, müssen die anderen Gesellschafter plötzlich mehr in den Topf einzahlen. Auch die Zahl möglicher Ersatzgesellschafter ist begrenzt: Nur Städte und Gemeinden im Kreis Pinneberg sollen sich an der WEP beteiligen können.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass für Städte wie Uetersen, das unter dem Rettungsschirm des Landes steht, eine Beteiligung an der WEP zu Teilen eine freiwillige Leistung darstellt. Das bedeutet, dass an anderer Stelle im städtischen Haushalt wieder Geld gespart werden muss, um bei der WEP mitzumischen. Uetersens Verwaltung wäre dazu bereit. Uetersens Politik ist bislang aber nicht begeistert.

Schroers stellte das neue Konzept im Hauptausschuss vor. Die Mienen waren lang. Die WEP hat Uetersen wirtschaftlich bislang wenig gebracht. Die Stadt hat kaum entwicklungsfähige Gewerbeflächen. Mehr noch: Uetersen musste ansehen, wie Firmen abzogen und sich in Tornesch im BusinessPark, den die WEP entwickelt hat, angesiedelt haben. Das wurmt Uetersen. Dass die WEP es immerhin geschafft hat, die Arbeitsplätze im Kreis, also in unmittelbarer Nähe, zu halten, zählt für viele Uetersener Politiker nicht.

„Wer macht schon mit und warum sollte sich Uetersen an der WEP beteiligen?“, fragte daher CDU-Fraktionschef Andreas Stief. „Noch macht keiner mit, das Verfahren wird jetzt erst eingeleitet. Die Städte haben signalisiert, sie wollen dabei sein“, so Schroers. Nochmalige Nachfrage, warum sollte Uetersen mitmachen? „Weil sie dann zum Beispiel wissen, was die anderen machen“, sagt Schroers. Das hat Uetersen auch so mitbekommen. Tornesch ist nur einen Steinwurf entfernt. Begeisterung für das Konzept? Bislang Fehlanzeige. Man werde sich beraten und später entscheiden, heißt es am Ende.

Schroers lässt sich nicht entmutigen. Er geht davon aus, dass wohl doch alle mitmachen werden. Denn die WEP wäre für alle Kommunen ein starker Partner mit viel Know-how und wichtigen Kontakten. Doch dafür braucht sie eine stabile Basis. Und dies schon bald. Denn der Kreis gerät allmählich unter Zugzwang. Alle Zahlen deuten darauf hin. „Wir stellen eine sinkende Dynamik fest, wir sacken langsam ab“, sagt Schroers. Andere Kreise, wie Stormarn und Segeberg, seien dabei, Pinneberg wirtschaftlich zu überholen.

Das Flächenangebot für Firmen ist im Kreis Pinneberg nach wie vor das niedrigste in der Metropolregion. Die Folge: Unternehmen suchen gar nicht mehr im Kreis Pinneberg nach Ansiedlungsmöglichkeiten, sondern gehen gleich dorthin, wo Platz ist. Das will Schroers auf alle Fälle verhindern. Die Überzeugungsarbeit gegenüber der Politik, so gibt er zu, sei nicht immer einfach. Doch er bleibt zuversichtlich, dass seine Worte Gehör finden. So wie in Rellingen. Dort ist das neue WEP-Konzept befürwortet worden.