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Damit Schenefeld nicht in die Röhre guckt

Um von der Forschungsanlage sowie dem XFEL-Tunnel auch in Schenefeld spürbar zu profitieren, empfehlen die Studenten der HafenCity-Uni den Akteuren der Stadt, aktiv zu werden. Gleichzeitig sind sie sicher, dass es sich lohnen und auszahlen wird, jetzt in Projekte rund um den Standort zu investieren

Um von der Forschungsanlage sowie dem XFEL-Tunnel auch in Schenefeld spürbar zu profitieren, empfehlen die Studenten der HafenCity-Uni den Akteuren der Stadt, aktiv zu werden. Gleichzeitig sind sie sicher, dass es sich lohnen und auszahlen wird, jetzt in Projekte rund um den Standort zu investieren

Foto: Axel Heimken / dpa

Chancen durch den Röntgenlaser: Die Stadt profitiere nur von XFEL, wenn es ein großes Besucherzentrum gibt, ermitteln elf Studenten.

Schenefeld.  Elf Studenten, ein Ziel. Sie wollten die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich für die Stadt Schenefeld durch den Bau des European XFEL ergeben, ermitteln. 82 Bürgerbefragungen, zwei Experteninterviews und zahlreiche Recherchestunden später haben die angehenden Stadtplaner der HafenCity-Universität in Hamburg am Donnerstagabend den Politikern und Interessierten das Ergebnis ihrer Arbeit im Schenefelder Rathaus vorgestellt. Es lautet auf die kurze Formel gebracht: Je weniger Schenefeld selbst an Kraft und Geld investiert, desto weniger wird die Stadt von XFEL profitieren.

Ohne Gästehaus, Besucherzentrum, bessere ÖPNV-Verbindung, Ausbau des Gastronomieangebots und des Wegenetzes rauscht das Röntgenlicht durch den XFEL-Tunnel wirkungslos an Schenefeld vorbei – so die These der Studenten. Zwar mündet der Tunnel, der auf dem Desy-Areal in Hamburg-Bahrenfeld beginnt, auf dem Forschungscampus in Schenefeld. Das Problem ist aus Sicht der angehenden Stadtplaner, dass das Areal an der Holzkoppel relativ abgelegen vom Ortskern ist und zudem die Experimentierhallen und Forschungseinrichtungen für die Öffentlichkeit auch nur bedingt zugänglich sein werden.

Für die Studentengruppe gibt es deshalb auch nur eine Möglichkeit für die Kleinstadt, von dem Projekt zu profitieren: Die hiesigen Akteure müssen aktiv und kreativ werden und sich vor allem für den Bau eines Science Centers einsetzen. „Mit einem Science Center sind die Auswirkungen deutlich mehr und größer für die Stadt, aber auch für die Metropolregion“, erklärte Student Claus Lucas Letsch. Denn aus seiner Sicht werden die erwarteten rund 300 Wissenschaftler, die von Mitte 2016 an in Schenefeld arbeiten werden, voraussichtlich ihren Lebensmittelpunkt weiter im benachbarten Hamburg suchen. Auch das Einkaufszentrum liegt zu weit entfernt, als dass es von der neuen Kaufkraft groß profitieren könnte. Eine ernüchternde Bilanz des Nachwuchses.

Imagegewinn schätzen Studenten eher gering ein

Immerhin hatte man sich in Schenefeld viel von dem Projekt versprochen, das den Bewohnern aufgrund der langen Bauphase und dem Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet – aus dem das Forschungsareal herausgeschnitten wurde – auch viel abverlangt hatte. Da aus Kostengründen das einst geplante Gästehaus sowie das Informationszentrum auf dem XFEL-Areal eingespart wurden, steht die Kleinstadt nun aber wohl eher mit leeren Händen da. Auch den erhofften Imagegewinn durch die Forschungsergebnisse schätzen die Studenten als eher gering ein – außer die Stadt macht sich eben selbst einen Namen durch Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenspiel mit einem Besucherzentrum.

Durch den Bau eines Science Centers würden pro Jahr bis zu 150.000 Besucher in die Stadt gelock, wie eine von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ergab, Sie würden Kaufkraft mitbringen, bei der hiesigen Gas­tronomie für Umsatz sorgen und zum Imagegewinn der Stadt beitragen. Das würde zu einer Nachfrage auf dem Immobilienmarkt führen. Weitere Unternehmen würden sich ansiedeln, so das Ergebnis der Studienarbeit.

Die Studenten schlagen als Verbindung zwischen Forschungsareal und Stadtmitte einen Naturlehrpfad entlang der Düpenau mit zehn Stationen vor, der von der Schule bis zur Holzkoppel führt. An den Stationen soll die Wissenschaft anschaulich erläutert und XFEL in der Stadt präsent gemacht werden. Zudem werben sie um Schulkooperationen und ein naturwissenschaftliches Profil am Gymnasium. Für das haben sie sich auch gleich ein Maskottchen namens Felix ausgedacht, um das Atome kreisen. „XFEL in Verbindung mit einem Science Center ist für Schenefeld wie Olympia für Hamburg“, zog Student Lukas Behrend Bilanz.

Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof musste dem begeisterten Nachwuchs aber ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen. Angesichts der Kosten eines Science Centers in Höhe von etwa 13,8 Millionen Euro würde man derzeit den Plan eines kleineren Besucherzentrums verfolgen. Aber auch dafür muss erst die Finanzierung erst stehen.

Die Präsentation der Studenten zum Thema XFEL und die Zusammenfassung der Masterarbeit zum Ortskern sind auf www.stadt-schenefeld.de zu finden. Dort stehen auch die neuen Konzeptideen des Gutachters für Schenefelds neue Mitte.