Pinneberg
Bönningstedt

Bürger spendiert Gemeinde Tempomessgerät

Bürgermeister Peter Liske (l.) und Jürgen Wohler vor dem neuen Tempomessgerät in Bönningstedt

Bürgermeister Peter Liske (l.) und Jürgen Wohler vor dem neuen Tempomessgerät in Bönningstedt

Foto: Burkhard Fuchs

Gemeinde Bönningstedt überwacht jetzt den Verkehr dank einer Spende. Gewerkschaft der Polizei findet das bedenklich.

Bönningstedt.  Die unverhoffte Spende nahm der Gemeinderat in Bönningstedt am Donnerstagabend einmütig an. Ein Geschwindigkeitsmessgerät im Wert von 2638,23 Euro hatte Rentner Jürgen Wohler, 82, seinem Heimatort vermacht. Bürgermeister Peter Liske, BWG, dankte ihm mit einem Strauß Blumen. „Nun können wir in Hauptverkehrsstraßen, vor Kindergärten und Schulen und in Tempo-30-Zonen feststellen, wie schnell dort gefahren wird.“

Ihm sei es schon immer ein Ärgernis gewesen, „wie in der Bahnhofstraße gerast wird“, erklärt Anwohner Wohler seine Motivation für dieses ungewöhnliche Geschenk an die Gemeinde. Diese Hauptverbindungsstraße nach Norderstedt nutzten viele Autofahrer als direkte Querverbindung nach Pinneberg, so Liske. „Die meisten wollen hier nur schnell durchfahren.“ Einmal sei es ihm zu viel geworden, erzählt Wohler. Da habe er einem Raser mit dem Handstock auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht. Der habe ihn daraufhin angezeigt. Das Verfahren sei dann aber eingestellt worden, sagt der Rentner.

Am Freitagmorgen stellte der Bauhof das elektronische Messgerät zuerst an der Bahnhofstraße auf, das wegen der Spende auch ohne Ausschreibung angeschafft werden konnte. Es zeigt dem herannahenden Autofahrer seine aktuelle Geschwindigkeit an. Je nachdem, ob dieser Wert unter oder über 50 km/h liegt, wird das Ergebnis mit einem lächelnden oder unfreundlichen Smiley-Gesicht bewertet. Eine solche Anzeige habe präventiven Charakter, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. „Wenn Gemeinden solche Anzeiger aufstellen, finden wir das gut. Es dient der Abwehr von Gefahren und der Verkehrssicherheit, weil es den Autofahrer positiv beeinflusst.“ Es mache deutlich, dass er womöglich zu schnell fährt.

Zudem zählt das Gerät alle vorbeifahrenden Fahrzeuge, Datum und Uhrzeit sowie die Geschwindigkeit. „So erhalten wir nachweisbare Daten, ob und wo tatsächlich gerast wird“, sagt Liske. Dies sei dann ein deutlicher Hinweis, dass hier mal geblitzt werden sollte. „Die Behörden haben mir signalisiert, dass solche Angaben Voraussetzung für eine Radarkontrolle wären.“

Dies sei so nicht richtig, entgegnet Sandra Mohr. Die Polizei kontrolliere an Unfallschwerpunkten, vor den Schulen, Kindergärten und Altenheimen. Werden ihr wiederholte Verkehrsverstöße von Temposündern an anderer Stelle gemeldet, würde dort zunächst probeweise gemessen, bevor entschieden wird, ob dieser Ort zu einem weiteren Schwerpunkt der Geschwindigkeitsüberwachung erklärt werden soll.

Die Daten der Messungen will die Gemeinde Bönningstedt selber auswerten, kündigt Liske an. „Dafür haben wir ein Programm.“ Die Nachbargemeinde Hasloh, die das gleiche Messgerät seit einem halben Jahr „rund um die Uhr“ überall im Ortsgebiet einsetzt, werde demnächst der Politik eine Auswertung der Daten vorstellen, sagt Bürgermeister Bernhard Brummund. So klagten zahlreiche Anlieger im Alten Kirchweg über Autofahrer, die diese Straße als Schleichweg von der B 4 nutzten.

Hasloh hat sich das Messgerät allerdings auf Kosten der Gemeinde angeschafft. Sonst könnte ja der private Finanzier mitbestimmen, wo es aufgestellt wird, sagt Brummund. Das sei in Bönningstedt ausgeschlossen, betont dagegen Liske. Es sei jetzt zwar zunächst an der Bahnhofstraße angebracht worden, wo Geldgeber Wohler wohnt. „Aber es wird jede Woche woanders sein. Über den Standort entscheidet die Gemeinde allein.“

Zu dieser privaten Finanzierung einer öffentlichen Aufgabe, sagt der Regionalvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Reimer Kahlke: „Das halte ich für bedenklich. So besteht die Gefahr, dass der Geldgeber Einfluss darauf nimmt.“ Das sieht Bönningstedts CDU-Fraktionschef Rolf Lammert ebenso: „Das ist schon sehr bedenklich. Aber wir hätten es uns nicht leisten können. Aber das ist eine öffentliche Aufgabe. Da gibt es keine zwei Meinungen.“