Pinneberg
Kreis Pinneberg

Jagdsaison: Gefahr für Autofahrer und Tiere

Foto: Arno Burgi / dpa

Bis Ende Januar werden Rehe, Wildschweine und Hirsche gejagt. Maisernte und Zeitumstellung bringen viel Unruhe für die Wildtiere.

Kreis Pinneberg.  Die Jagdsaison ist eröffnet. In den nächsten Wochen sollten Spaziergänger, Naturfreunde, Reiter und Jogger auf Warnhinweise wie „Vorsicht, Jagd“ oder „Treibjagd“ achten, rät Kreissprecher Oliver Carstens. Aber auch Autofahrer sollten vorsichtig an Waldrändern vorbeifahren, weil jederzeit aufgescheuchtes Wild plötzlich und unvermittelt über die Straße laufen könnte, warnt Kreisjägermeister Wolfgang Heins. „Ein Drittel der insgesamt getöteten Tiere kommt bei Verkehrsunfällen ums Leben.“ Etwa 350 solcher Wildunfälle passierten jedes Jahr im Kreis Pinneberg.

Eine besondere Gefahr stellten die nun anlaufende Maisernte und die Zeitumstellung Ende Oktober dar, erläutert Heins. Die Ernte sei ein gravierender Eingriff in die Landschaft, der den Tieren ihren Schutzraum nehme und sie nach neuen Verstecken suchen lasse. „Das schafft Unruhe unter den Wildtieren.“ Zudem würde nach der Zeitumstellung ihre Nahrungssuche in der Dämmerung mit dem abendlichen Feierabendverkehr zusammentreffen und für zusätzliche Gefahr sorgen. „Da kommt dann alles zusammen.“

Wem tatsächlich ein Reh oder Wildschwein vors Auto laufen sollte, der möge unbedingt beachten, nicht vor Schreck auszuweichen und das Steuer herumzureißen, rät Heins. „Wenn man dann in den Gegenverkehr gerät, kann es zu schwerwiegenden Unfällen kommen.“ Das sicherste Verhalten für den Mensch sei, bei geradem Steuer die Vollbremsung einzuleiten. Danach sollte der betroffene Fahrer die Polizei alarmieren, die wiederum die Jägerschaft informiere. Denn im Kreis Pinneberg müssten die 1100 registrierten Jäger in den 70 Revieren keine Jagdsteuer bezahlen. „Dafür haben wir uns verpflichtet, die toten Wildtiere nach einem Unfall ordnungsgemäß zu beseitigen“, sagt der Kreisjägermeister.

Die Wildtierjagd selbst sei „absolut notwendig“, sagt Heins. „Es gäbe sonst keine Möglichkeit, den Bestand zu begrenzen.“ Das betont auch Kreisssprecher Carstens: „Die Bejagung ist wichtig, denn als Pflanzenfresser würden sich Rehe in unserer Kulturlandschaft sehr vermehren und junge Bäume im Wald stark schädigen.“

Wildschweine seien sehr fortpflanzungsfähig, was vor fünf Jahren zu einer extrem hohen Zahl geführt hätte, wie Kreisjägermeister Heins berichtet. Würden sie nicht bejagt, würde sich ihr Bestand vervielfachen. Große Schäden auf den Feldern wären die Folge. Und der Fuchs könnte als anpassungsfähiger Räuber stark bedrohte, in Wiesen brütende Vogelarten sogar regional auslöschen, wenn er nicht bejagt werden würde.

Heins schätzt, dass etwa 350 Jäger bis Ende Januar an der Jagd teilnehmen werden. Dabei jagten sie vor allem Rehe, Wildschweine und Hirsche. Niederwild wie Hasen und Fasane hätten sich inzwischen so sehr reduziert, dass sich eine Jagd auf sie kaum noch lohne, erklärt Heins. Der zunehmende Maisanbau habe deren Populationen stark eingeschränkt. „Sie sind die Verlierer dieser landwirtschaftlichen Veränderungen. Mais ist für Niederwild eine tote Fläche.“

Die Jagdsaison in Schleswig-Holstein beginnt zudem mit einer Neuerung. Erstmals dürfen die Jäger in Schleswig-Holstein nur bleifreie Munition benutzen. Die Pinneberger Kreisjägerschaft hatte sich darauf, wie berichtet, mit einem Komplettumbau ihres Schießstands in Heede vorbereitet, was sie etwa 150.000 Euro gekostet hat.

Sorge bereite den Jägern die Diskussion auf Landesebene, die Abschusspläne für Rehe abschaffen zu wollen. „Dann wäre dies in die Verantwortung der Revierleiter gegeben und wir hätten keine verlässliche Zahlen mehr über den Tierbestand“, warnt Heins. Dabei hätte sich das Rotwild in unseren Gegenden seit der 1950er Jahren weitgehend konstant entwickelt.

Für gefährlich hält es der Jägermeister auch, dass Spaziergänger und Pilzsammler uneingeschränkt durch Wälder laufen können, auch außerhalb der ausgewiesenen Wege. „Das führt zu einer starken Beunruhigung des Wildes, gerade wenn Hunde dabei sind.“ Und dieses freie Betretungsrecht solle sogar noch ausgeweitet werden auf landwirtschaftlich ungenutzte Flächen, kritisiert Heins.

Gejagt werde im Herbst, weil die Felder abgeerntet und die Bäume kahl seien, erklärt Kreissprecher Carstens. „Die Jäger haben so die beste Sicht. Genauso wichtig ist der wildbiologische Aspekt: Im Winterhalbjahr ist die Aufzucht der Jungen abgeschlossen.“