Pinneberg
Pinneberg/Rellingen

Einzelhandel: harter Kampf um die Kunden

Am Rehmenfeld in Pinneberg könnte rund um eine Aldi-Filiale ein Nahversorgungszentrum entstehen

Am Rehmenfeld in Pinneberg könnte rund um eine Aldi-Filiale ein Nahversorgungszentrum entstehen

Foto: Andreas Daebeler / HA

Pläne für Einzelhandelszentrum in Pinnebergs Rehmenfeld konkretisiert. Kannibalismus der Ketten ruft Mahner auf den Plan.

Pinneberg/Rellingen.  Der Stadt Pinneberg liegen konkrete Pläne für ein neues Einzelhandelszentrum im Rehmenfeld vor. An der Rellinger Straße, wo aktuell eine 890 Quadratmeter große Filiale des Discounters Aldi beheimatet ist, könnte massiv aufgestockt werden. So ist neben der Erweiterung des Markts auf 1200 Quadratmeter auch der Bau einer Rewe-Filiale mit 1700 Quadratmetern Verkaufsfläche Teil des Konzepts. Ergänzt werden soll das Ensemble um eine Drogerie, in der auf 650 Quadratmetern Waren angeboten würden. Zeitgleich gibt es immer wieder Spekulationen, dass auch an der Autobahnauffahrt Pinneberg-Mitte neben einer Erweiterung des dortigen Aldi-Markts zusätzlicher Einzelhandel angesiedelt werden könnte. Das Unternehmen Lidl ist ebenfalls auf der Suche nach neuen Standorten im Stadtgebiet Pinnebergs. Keine Frage: Auf dem Lebensmittelsektor läuft ein knallharter Verdrängungswettbewerb. Das ruft jetzt Mahner auf den Plan.

Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa ist einer von ihnen. Er spricht von „Kannibalismus“, dem es Einhalt zu gebieten gelte, etwa wenn in der Region verwurzelte Einzelhändler unter Neuansiedlungen leiden müssten. Einer dieser Händler ist Jörg Meyer, der in der Kreisstadt zwei Edeka-Frischecenter betreibt. „In Pinneberg muss schon jetzt keiner verhungern, der Umsatz ist verteilt“, sagt der Kaufmann. Meyer setzt darauf, dass die Politik sich gegen ein zusätzliches Nahversorgungszentrum an der Rellinger Straße stark macht. Alles andere wäre „eine Katastrophe für die Pinneberger Innenstadt, vor allem für die kleineren Händler“.

Wird Rellingens Ortskern geschwächt?

Worte, die man in Rellingen sicher unterschreiben würde. In der Nachbargemeinde Pinnebergs geht die Befürchtung um, dass der eigene Ortskern geschwächt werden könnte. Schließlich liegt das Rehmenfeld quasi vor der Haustür. „Sollte Pinneberg zusätzliche Flächen für den Einzelhandel ausweisen, werden wir unsere Substanz zu verteidigen wissen“, sagt CDU-Bauexperte Eckhard Schlesselmann, der auch stellvertretender Bürgermeister Rellingens ist. Deutschland sei im Bereich des großflächigen Einzelhandels längst Spitzenreiter beim Angebot pro Einwohner. „Der Kuchen wird kleiner, wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, Verkaufsflächen nicht weiter anwachsen zu lassen.“

Wie das gehen könnte, weiß man in der Baumschulgemeinde. Zwölf Jahre ist es her, dass sich Rellingen und die Kreisstadt vor Gericht trafen. Anlass waren seinerzeit Pläne, in dem Gewerbegebiet Gehrstücken einen Edeka-Verbrauchermarkt mit 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche hochzuziehen. Rellingen hatte Normenkontrollklage gegen den betreffenden Bebauungsplan 102 angestrengt und sich durchgesetzt. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Schleswig – seinerzeit ein Schock für Pinneberg, weil mit dem Aus für den Markt auch der Neubau eines Fleischwerks mit 250 Arbeitsplätzen platzte. Gehrstücken liegt nur wenige Hundert Meter vom Rehmenfeld entfernt. Für Schlesselmann steht fest, dass die Stärkung der Ortszentren auch heutzutage Ziel bleiben muss. So stehe die Politik Erweiterungsplänen eines Edeka-Markts an Rellingens Hauptstraße offen gegenüber. „Das ist unser Kundenmagnet im Ortskern“, sagt Schlesselmann.

Krappa fürchtet Schädigung der City

Krappa verweist darauf, dass das Planverfahren zur Entwicklung des Rehmenfelds gerade erst Fahrt aufgenommen hat. Die Politik werde letztlich entscheiden, ob an der Rellinger Straße auch Einzelhandel eine Chance bekomme. Der Wirtschaftsförderer findet keinen Grund, Aldi eine Modernisierung seiner Filiale zu verwehren. „Aber ich sehe nicht die Notwendigkeit für ein großes Nahversorgungszentrum.“ Krappa fürchtet nicht nur eine Schädigung der City. Vielmehr könnten auch die kleinen Händler rund um den Thesdorfer Bahnhof über die Klinge springen. „Grundsätzlich muss man sagen, dass wir im Stadtgebiet genug Einzelhandelsflächen haben.“

Pinnebergs einflussreiche Wirtschaftsgemeinschaft hat sich in der Diskussion ums Rehmenfeld bereits klar positioniert. Die in dem Zusammenschluss organisierten Kaufleute sind gegen die Ansiedlung von Einzelhandel an der Rellinger Straße. Sie fordern für den Standort vielmehr produzierendes Gewerbe, das Steuern in die Stadtkasse spült.